Anzeige
Lern- und Prüfungstipps

Famulatur, PJ und Facharztweiterbildung in den USA

Mortimer Gierthmühlen

Du träumst davon, in den USA klinische Erfahrung zu sammeln oder eine Facharztausbildung zu machen? Unser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, wie du dich in den USA bewirbst.

Landzeichnung USA
© Pacha M Vector/stock.adobe.com - Stock photo.

Famulatur oder PJ in der USA

Um es vorweg zu nehmen: Wer in den USA eine Famulatur oder ein PJ-Tertial absolvieren möchte, muss in der Regel keine amerikanischen Staatsexamina (USMLE) ablegen. Die Teilnahme an sogenannten elective rotations ist häufig auch mit deutschen Studienleistungen möglich.
Allerdings legt jede Universität ihre eigenen Zulassungskriterien fest: Viele fordern eine Immatrikulationsbescheinigung einer im World Directory of Medical Schools (WDOMS) gelisteten Universität, Nachweise über Impfstatus, Haftpflichtversicherung und Englischkenntnisse.
Manche Einrichtungen bevorzugen Bewerber, die bereits USMLE Step 1 bestanden haben – verpflichtend ist das jedoch nur in Ausnahmefällen.
Einige Einrichtungen fordern auch die Registrierung über das VSLO-System (Visiting Student Learning Opportunities). Es richtet sich an Medizinstudierende, die kurzfristige Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten außerhalb ihrer Heimathochschule wahrnehmen möchten und ist eine Zentralisierte Online-Plattform zur Suche und Bewerbung für Famulaturen, Forschungspraktika, Klinische Rotationen, Public Health Projekte und mehr.

Erfolgreich Medizin studieren!
Mit via medici.

© Jacob Lund/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by models

Egal ob Human- oder Zahnmedizin, Modell- oder Regelstudiengang – via medici ist dein perfekter Lernpartner im Studium.

Es erwarten dich:

  • Volle Prüfungssicherheit
  • Strukturiert statt überwältigt
  • Zugriff auf viele Thieme Bücher

Facharztausbildung (Residency) in den USA

Anders sieht das allerdings mit einer Facharztausbildung, der sogenannten Residency, in den USA aus – dann sind die US-Staatsexamina, die USMLE (United States Medical Licensing Examination), unvermeidliche Hürden, die es zu nehmen gilt. Denn: Eine ausländische Facharztausbildung – auch bei Absolvieren des US-Examens –  wird nur in den aller seltensten Fällen in den USA anerkannt.

Falls du also vorhast, später als eigenständige*r oder sogar niedergelassene*r Ärzt*in im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu arbeiten, kommst du um eine komplette Residency (Facharztweiterbildung) in den USA nicht herum.

Wer hingegen nur in Erwägung zieht, einmal als deutsche*r Fachärzt*in für eine begrenzte Zeit nach Amerika zu gehen und dort unter Anleitung zu arbeiten, braucht häufig nur das ECFMG-Certificate, das man erhält, wenn alle schriftlichen USMLE Prüfungen bestanden sind.

Die ECFMG – erste Anlaufstelle

Anzeige

Zuständig für die Vergabe von US-Zulassungen ist die ECFMG, was für Educational Commission for Foreign Medical Graduates steht. Um das ECFMG-Certificate zu erhalten, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  1. Bestehen von USMLE Step 1 und Step 2 CK (Clinical Knowledge)
  2. Nachweis der medizinischen Ausbildung an einer anerkannten Universität, die im World Directory of Medical Schools (WDOMS) gelistet ist
  3. Erfüllung eines sogenannten Pathways zur Beurteilung der klinischen Kompetenz (ersetzt seit 2021 den früheren Step 2 CS)
  4. Nachweis ausreichender Englischkenntnisse, z. B. durch das Medical Education Credentialing und Interviewbestandteile im Pathway – ein TOEFL-Test ist nicht mehr zwingend erforderlich

Das ECFMG-Zertifikat berechtigt anschließend zur Bewerbung auf ein Residency-Programm über das National Resident Matching Program (NRMP).

Informationen zu den Kosten findet ihr auf der offiziellen Homepage der ECFMG und zwar unter www.ecfmg.org . Step 1 und Step 2 CK können in Deutschland (Berlin, Hamburg, Frankfurt, München) absolviert werden, wobei Auslandsgebühren hinzukommen. Hier die Kostenübersicht Stand 2025:

PrüfungGrundgebühr (für internationale BewerberAuslandszuschlagGesamt
Step 11.020 USD205 USD1.225 USD
Step 2 CK1.020 USD230 USD1.250 USD

Step1

Der USMLE Step 1 prüft das medizinisch-wissenschaftliche Grundlagenwissen (bspw. Anatomie, Biochemie, Physiologie, Mikrobiologie, Pathologie, Pharmakologie und auch Studiendesign, Biostatistik, Interpretation von Laborwerten), das für die spätere klinische Praxis notwendig ist. Die Fragen sind anwendungsorientiert und oft in Form von klinischen Fallvignetten formuliert.

Seit 2022 wird Step 1 nur noch mit „Pass/Fail“ bewertet, es gibt also keine numerische Punktzahl mehr. Das Examen dauert einen Tag und besteht aus sieben Blöcken à 60 Minuten mit jeweils bis zu 40 Multiple-Choice-Fragen (insgesamt ca. 280 Fragen).

Viele Studierende absolvieren Step 1 nach dem 2. klinischen Studienjahr oder kurz vor dem PJ, wenn ein ausreichendes klinisches Verständnis vorhanden ist.

Step 2 CK (Clinical Knowledge)

Der Step 2 CK (Clinical Knowledge) testet klinisch-praktisches Wissen – insbesondere Innere Medizin, Pädiatrie, Chirurgie, Gynäkologie, Psychiatrie und Notfallmedizin. Der Test dauert einen Tag und enthält 8 Blöcke à 60 Minuten mit etwa 40 Fragen pro Block. Insgesamt sind es etwa 318 Multiple-Choice Fragen.

Im Gegensatz zu Step 1 wird weiterhin eine numerische Punktzahl vergeben, die bei Bewerbungen für Residencies sehr wichtig ist.

Pathways System

Das ECFMG Pathways System ist ein alternatives Verfahren für internationale Mediziner*innen (IMGs), um die klinischen und kommunikativen Fähigkeiten nachzuweisen, die früher durch das inzwischen abgeschaffte USMLE Step 2 CS geprüft wurden.

Es gibt insgesamt 6 Pathways. Die Anforderungen für 2026 findest du auf der Hompage des ECFMG . Die Wahl des richtigen Pathways hängt von deinem Ausbildungsweg und beruflichen Status ab. Grundvoraussetzung in jedem Fall:  Deine medizinische Hochschule ist im World Directory of Medical Schools gelistet mit einem ECFMG-Hinweis, dass du berechtigt bist, dich für die Zertifizierung zu bewerben.

Egal welcher Pathway auf dich zutrifft,  du musst deine Englischkenntnisse mit einem bestandenen Occupational English Test (OET) Medicine Test nachweisen. Dabei werden die Bereiche Listening, Reading, Writing und Speaking geprüft. Den OET Medicine kannst du entweder in einem der 30 Testzentren in Deutschland absolvieren oder zuhause am Laptop (mit Webcam/Headset). Der Test findet mehrfach im Monat statt und kostet je nachdem, ob du vor Ort oder zuhause bist, zwischen 360 und 500 USD.

Prüfungsergebnisse

Die USMLE-Ergebnisse werden auf ECFMG-Portal bereitgestellt.
Die Auswertung dauert in der Regel 2–4 Wochen, bei Step 2 CK kann es gelegentlich etwas länger dauern. Die Bestehensgrenzen werden regelmäßig angepasst. Stand 2025 waren es bei Step 2 CK 214 Punkte.

Bewerbung für die Residency

Die Bewerbung für eine Facharztausbildung erfolgt über das Electronic Residency Application Service (ERAS)-System.
Folgende Punkte musst du dafür vorweisen:

  • ECFMG-Zertifikat (oder Nachweis der bevorstehenden Ausstellung)
  • USMLE-Ergebnisse (v. a. Step 2 CK entscheidend)
  • Empfehlungsschreiben (Letters of Recommendation, idealerweise von US-Ärzt*innen)
  • Medical School Transcript (Offizielle Auflistung aller Kurse, Noten und Prüfungen während des Medizinstudiums)
  • Dean’s Letter. Auch bekannt als MSPE (Medical Student Performance Evaluation), ein offizielles Dokument, das von der medizinischen Fakultät eines Studierenden ausgestellt wird. Es handelt sich um eine Narrative Bewertung deiner Leistungen, Professionalität und klinischen Erfahrungen.
  • ggf. klinische Erfahrung in den USA (Elective, Observership, Research Fellowship)

Hast du alle Punkte eingereicht, musst du dich über ERAS für Residency Programme bewerben. Wichtig: Manche Programme akzeptieren keine internationalen Bewerber oder verlangen Mindestpunktzahlen.

Die Residency Programme laden dann Bewerber*innen zu Interviews, entweder online oder am Standort, ein. Hier kannst du dich beweisen und deine Motivation begründen.

National Resident Matching Program (NRMP)

Separat von ERAS musst du dich beim NRMP registrieren. Nach den Interviews gibst du deine Wunschrangliste an und es wird eine Rank Order List (ROL) erstellt. Wichtig: ECFMG-Prüfungsanforderungen (Step 1 & Step 2 CK und Pathway-Nachweise) müssen bis zur ROL-Zertifizierungs-Deadline verifiziert sein, sonst kann ECFMG dich aus dem Match ziehen. Du musst jedoch nicht zwingend schon die endgültige ECFMG-Zertifizierung beim NRMP-Anfang haben — die Prüfungsanforderungen müssen aber bestätigt/erfüllt sein.

Match Day

Mitte März ist offizieller Match Day, an dem du erfährst, an welchem Krankenhaus du deine Residency absolvieren kannst. Wenn du nicht matched bist, geht deine Bewerbung weiter zu SOAP (Supplemental Offer and Acceptance Program), ein standardisiertes System, über das unbesetzte Plätze angeboten werden. Um am SOAP teilzunehmen, musst du ERAS/NRMP registriert und die ECFMG-Anforderungen verifiziert haben.

Visa

Hast du eine Residency ergattert, brauchst du ein Visum, um überhaupt in den USA arbeiten zu dürfen. Für internationale Ärztinnen und Ärzte kommen zwei in Frage:

  1. J-1-Visum (Exchange Visitor) – wird am häufigsten vergeben; verpflichtet nach Abschluss der Ausbildung zu zwei Jahren Rückkehr ins Heimatland, bevor eine dauerhafte Einwanderung möglich ist.
  2. H-1B-Visum (Temporary Worker) – erlaubt das Arbeiten ohne Rückkehrpflicht, ist aber administrativ aufwändiger und erfordert meist höhere Gebühren und Sponsoring durch das Krankenhaus.

Eine Green Card ist nicht gleichzusetzen mit einem H-Visum und wird nur über separate Einwanderungswege (z. B. Heirat, Diversity Visa Lottery, „National Interest Waiver“) vergeben.

Zusammenfassung

Folgende Punkte empfehlen wir dir, damit dein Traum von einer Residency in den USA wahr wird:

  • Priorisiere Step 2 CK, da viele Programme diesen Score sehen wollen
  • Schiebe den ECFMG-Pathway nicht auf, da die Verifizierungen oft länger dauern.
  • Qualität über Quantität: Schreibe nur die Residency Programme an, die auch Internationals nehmen und zu deinem Profil passen.
  • Nehme die Interviews ernst. Haben die Interviewpartner ein gutes Gefühl bei dir, ist dies oft entscheidender als ein guter Score.
  • Kläre dein VISA früh mit dem GME-Office (Graduate Medical Education Office) deines Programms.

Fazit

Wenn du in den USA klinische Erfahrung sammeln willst, kannst du dies oft ohne US-Prüfungen über Famulaturen oder Electives tun.
Für eine vollständige Facharztausbildung führt jedoch kein Weg an USMLE Step 1, Step 2 CK und dem ECFMG-Zertifikat vorbei.

Mit guter Planung, ausreichend Vorbereitung und Kenntnis der Visa- und Bewerbungsbedingungen steht einer medizinischen Karriere in den USA auch für deutsche Ärztinnen und Ärzte nichts im Wege.

Häufige Fragen und Antworten

Nein, für Famulaturen oder PJ-Tertiale (elective rotations) sind USMLE-Prüfungen in der Regel nicht erforderlich. Die meisten US-Einrichtungen akzeptieren deutsche Studienleistungen, allerdings variiert die Anerkennung je nach Universität. Wichtig sind oft Nachweise über Englischkenntnisse, Impfstatus Haftpflichtversicherung und manchmal die Registrierung über das VSLO-System. Ein Step 1-Ergebnis kann ein Plus sein, ist aber nicht zwingend.

  • ERAS (Electronic Residency Application Service) ist die Plattform, über die du deine Bewerbungsunterlagen bei einzelnen Residency-Programmen einreichst (CV, USMLE-Ergebnisse, LoRs, Personal Statement).
  • NRMP (National Resident Matching Program) ist das Zuteilungssystem, das Bewerber:innen und Programme anhand ihrer Ranglisten („Rank Order Lists“) zusammenbringt.
    Kurz: ERAS = Bewerbung, NRMP = Match/Platzierung. Beide Schritte sind notwendig, um eine Residency zu bekommen.

Step 2 CK (Clinical Knowledge) ist für internationale Medizinerinnen heute entscheidend, da Step 1 seit 2022 nur noch Pass/Fail bewertet wird. Programme legen großen Wert auf die numerische Punktzahl in Step 2 CK, um Bewerber*innen zu vergleichen. Es ist daher empfehlenswert, Step 2 CK früh genug abzulegen, damit das Ergebnis vor der Bewerbung oder spätestens vor der NRMP-Ranglistenabgabe vorliegt.

Anzeige