Digitale Lernkarten: Anki im Medizinstudium
Lernkarten bietet eine ganze Reihe von Vorteilen – und müssen längst nicht mehr auf Karteikarten geschrieben werden. Melanie erzählt euch, wie man digitale Lernkarten erstellt, und wie man richtig mit ihnen lernt.

Wieso Lernkarten?
Viele Wege führen nach Rom. Einige lesen Zusammenfassungen und Kurzlehrbücher, andere erstellen ihre Zusammenfassungen selbst – das habe ich seit dem Abi so gehandhabt, und es hat immer funktioniert. Der Haken: Zusammenfassungen sind zeitaufwendig und oft uni-spezifisch, für das Physikum etwa habe ich meine eigenen Zusammenfassungen gar nicht mehr verwendet. Lernen funktioniert auch mit weniger Aufwand, dafür aber mit mehr Spaß: DIN A4-Zettel durchzulesen ist ermüdend, sich Lernkarten abzufragen dagegen spielerisch. Für die vorklinischen Fächer ist der Markt mit Lernkarten übersät, für die Klinik dagegen sind Lernkarten allenfalls für die großen Fächer erhältlich. Die gute Nachricht? Eigene Lernkarten lassen sich im Handumdrehen selbst erstellen, und es braucht nicht einmal Papier.
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Vorteile von Lernkarten
In Zeiten von Apps müssen Lernkarten längst nicht mehr auf Vokabelkarten geschrieben werden. Digitale Lernkarten bieten den Vorteil, dass sie jederzeit und auf allen Geräten verfügbar sind: Ob Handy, iPad oder PC, ein Kartenprogramm kann auf allen Endgeräten aufgerufen werden. Oft sind diese Programme sogar kostenlos: Ich persönlich nutze das Programm „Anki“, die zugehörige App („AnkiApp“, orangefarbenes Icon) ist ebenfalls kostenlos.
Digitale Lernkarten bieten einen großen Lerneffekt: Zum einen bestimmt das Programm die Lerninhalte, nicht ihr. Welche Karten euch in der Lernsession präsentiert werden, wisst ihr vorher nicht (diesen „Überraschungseffekt“ bieten Zusammenfassungen nicht, denn hier bestimmt ihr selbst, welche Zettel ihr durchlest). Obendrein ist das Abfragen digitaler Lernkarten intelligent: Karten, die noch nicht sitzen, werden vom Kartenprogramm immer wieder und wieder präsentiert, bis sie sicher beherrscht werden.
Außerdem bedeutet Abfragen, dass ihr aktiv im Gedächtnis kramt, um Verknüpfungen zwischen Lernkarte und gesammeltem Wissen herzustellen. Das Lesen von Lehrbüchern oder Zusammenfassungen ist hingegen passiv, nicht selten schweift man dabei ab oder hat am Ende des Kapitels einen Großteil des gelesenen Textes bereits vergessen.
Natürlichkannst könnt ihr digitale Lernkarten auch mit anderen teilen oder gemeinsam daran arbeiten – etwa, wenn jeder seine eigenen Lernkarten zum Stapel beisteuert.
Nachteile von Lernkarten
Lernkarten sind nicht unbedingt zum Nachschlagen geeignet, weil keine Lernkarte gesammeltes Wissen enthalten sollte. Wer zum Beispiel auf eine einzige Lernkarte ein ganzes Krankheitsbild quetscht, der macht nichts anderes als Zusammenfassen. Wie man Lernkarten geschickt erstellt, dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Je nach Programm kann es auch aufwendig sein, mit Bildern und handschriftlichen Markierungen auf digitalen Lernkarten zu arbeiten – mir ist zum Beispiel schon vorgekommen, dass eingefügte Bilder nicht auf allen Endgeräten übertragen wurden und einzelne Lernkarten dadurch „leer“ waren. In der Klinik arbeite ich allerdings viel weniger mit Bildern als noch in der Vorklinik (Paradebeispiel: Anatomie), die meisten meiner Lernkarten sind wortbasiert.
Regeln fürs Erstellen von Lernkarten
1. Geeignete Quellen finden: Natürlich müsst ihr den Inhalt eurer Lernkarten aus einem Skript, Buch, Vorlesungsfolien oder ähnlichem beziehen. Das klingt zunächst nach Mehrarbeit – ein Kapitel nur zu lesen geht schließlich schneller, als ein Skript zu lesen und zusätzlich Lernkarten zu erstellen. Tatsächlich lassen sich Lernkarten relativ flott parallel zum Lesen anfertigen, wer mit Online-Plattformen lernt (z.B.
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) kann sich durch Copy-and-Paste sogar das Tippen sparen. Auch parallel zur Vorlesung ist das Lernkartenerstellen kein großer Aufwand. Während guter(!) Vorlesungen lässt sich vielleicht alle 5 Minuten eine Lernkarte erstellen.
2. Weniger ist mehr! Lernkarten sind keine A4-Zusammenfassungen, ihr wollt schließlich euer Wissen abfragen und nicht einen halben Roman durchlesen. Anstatt eine einzige Lernkarte für ein ganzes Krankheitsbild zu verwenden, ist es sinniger, den Inhalt auf mehrere Karten aufzuteilen (z.B. in Karten für Symptome, Diagnostik, Therapie...).
3. Stichpunkte statt ganzer Sätze, das verhindert das Vollschreiben, bestenfalls nicht mehr als 5 Stichpunkte/Zeilen pro Rückseite einer Lernkarte.
4. Die Mischung macht’s. Nicht alle Lernkarten müssen im gleichen Stil erstellt sein, neben Lernkarten mit Aufzählungen (z.B. die Symptome einer Erkrankung) sind zwischendurch auch „kurze“ Lernkarten im Fragestil-Stil geeignet (z.B. „Häufigste GN bei Kindern?“ --> „Minimal-Change-GN“; „Ulkus-Prädiktionsstellen“ --> „Korpus-Antrum-Grenze, Bulbus duodeni“). Abwechslungsreiche Lernkarten spiegeln schließlich auch die Klausurfragen wider: Es gibt Fragen, die man nach 3 Sekunden beantworten kann, und solche, über die man etwas länger nachdenken muss.
5. Karten in sinnvolle Stapel einordnen. Für die Klinik ist eine Einteilung in Fächer sinnvoll, in der Vorklinik hingegen dürfte ein Biochemie-Stapel unübersichtlich groß werden. Denkbar ist dann eine Einteilung in Oberthemen (z.B. Stoffwechsel, Hormone) oder sogar Unterthemen (z.B. Glykolyse, Gluconeogenese). Der Vorteil großer Stapel ist die Zusatzleistung, die Karten gedanklich noch in den Kontext einordnen zu müssen. In der Klausur steht auch nicht über den Fragen, welcher Themenkomplex gerade abgehandelt wird.
Abfragen: Lernen mit Lernkarten
Wie genau das Abfrage-Tool funktioniert, hängt vom Kartenprogramm ab. In „AnkiApp“ ordnet ihr die Lernkarte nach dem Abfragen in eine von vier Stufen ein: Fehlgeschlagen – Schwer – Gut – Einfach. Ich persönlich sortiere die Karten folgendermaßen:
- Fehlgeschlagen: Ich konnte mit dem Begriff/der Frage auf der Karten-Vorderseite gar nichts anfangen, gegebenenfalls nicht einmal mit der Rückseite nach dem Umdrehen der Karte.
- Schwer: Ich konnte das Wissen von mir aus nicht hinreichend wiedergeben, selbst wenn ich nach dem Umdrehen dachte: Stimmt, da klingelt was. Diese Karte muss ich noch öfter ansehen.
- Gut: Kann ich nicht komplett auswendig oder aktiv vollständig erinnern, aber in der Klausur hätte ich die Aussage richtig einordnen können, wenn ich sie unter den Antwortmöglichkeiten entdeckt hätte („Multiple-Choice-Niveau“).
- Einfach: Weiß ich sicher und vollständig. Die Karte muss mir nicht mehr (oft) angezeigt werden. („Mündliche-Prüfung-Niveau“).
Wie ihr die Karten einordnet, ist natürlich euch überlassen, und auch euren Ansprüchen. Für Multiple-Choice-Klausuren reicht es oft aus, das Wissen zuordnen zu können (von den oben genannten Stufen: Gut), oft reicht also passives Wissen. Beispiel: Ihr könnt nicht vollständig alle Auslöser der Pankreatitis auflisten, aber in der Klausur würdet ihr unter möglichen Ursachen die Falschaussage erkennen. In mündlichen Prüfungen hingegen ist eher aktives Wissen gefragt, und Zusammenhänge müssen verstanden und hergestellt werden. Hier müsst ihr strenger mit dem Abfragen sein, und möglichst die oben genannte Stufe „Einfach“ erreichen.
Ich hoffe, ich konnte euch die Vorzüge von digitalen Lernkarten etwas näherbringen. Natürlich sind sie allenfalls eine Ergänzung zur Vorlesung und/oder einem Lehrwerk – irgendwo muss der Inhalt der Lernkarten schließlich herkommen. Aber spätestens in der Klausurphase, wenn der Kopf vom Kreuzen qualmt, ist es angenehmer, sich von einer App quizzen zu lassen als zig Seiten Zusammenfassungen durchzulesen – so meine Erfahrung.
Die Anki App
Geeignete Quellen finden: Natürlich müsst ihr den Inhalt eurer Lernkarten aus einem Skript, Buch, Vorlesungsfolien oder ähnlichem beziehen. Das klingt zunächst nach Mehrarbeit – ein Kapitel nur zu lesen geht schließlich schneller, als ein Skript zu lesen und zusätzlich Lernkarten zu erstellen. Tatsächlich lassen sich Lernkarten relativ flott parallel zum Lesen anfertigen, wer mit Online-Plattformen lernt (z.B. via medici ) kann sich durch Copy-and-Paste sogar das Tippen sparen
Du kannst jederzeit und überall lernen, egal ob auf dem PC, Laptop, iPad oder Handy.