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Erste ärztliche Prüfung

Let's get Physikum – Dein Guide für die ultimative Physikumsvorbereitung

Lea Charlotte Bauer

Das erste Staatsexamen ist die erste große Prüfung im Medizinstudium. Lea erzählt, wie du dich am besten darauf vorbereitest.

Studierende
© Vasyl/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by models.

Das vierte Semester zog immer schneller an mir vorbei und plötzlich kamen die Fragen hoch: Wie lerne ich eigentlich für das Physikum? Welche Themen sind wirklich wichtig? Und vor allem: Womit lerne ich fürs Physikum?
Das Internet wurde durchforstet, jegliche Begriffe in die Suchmaschine gepflegt aber eine komplett befriedigende Antwort auf meine Fragen konnte ich nicht finden.

Nachdem ich nun das erste von drei Staatsexamina bestanden habe, möchte ich dir meine grundlegenden Tipps auf den Weg geben, die ich nach zwei Versuchen, unzähligen Stunden Lernen und vielen Tüten Gummibärchen und Tafeln Schokolade gesammelt habe, sodass du mit einer guten Grundlage in die Lernphase starten kannst.

Mehrere Monate im Voraus

Als Einstieg ist es sinnvoll, ein Probephysikum in den Semesterferien zwischen dem dritten und vierten Semester oder an einem Wochenende im vierten Semester zu kreuzen. Damit bekommst du einen Überblick, in welchen Fächern du dich sicher fühlst und in welchen es noch Aufholbedarf gibt.

Um das Physikum erfolgreich zu schaffen, ist ein Lernplan unerlässlich. Es gibt vorgefertigte Lernpläne auf via medici und Amboss, jeweils in 30, 40 und 60 Tagen Ausführungen, welche mit verschiedenen Lernmaterialien kombiniert sind, wie z.B. die Endspurtskriptreihe von Thieme. Hier musst du dich auf deine Gefühl verlassen, wie solide deine Grundlage ist, wie gut du den Stoff beherrschst und wie viel Tage dir ab deiner Scheinfreiheit bis zum Physikum bleiben. Der Lernplan und Lerntempo sollte individuell und auf dich abgestimmt sein.

Bei meinem zweiten Versuch hatte ich mehr Zeit und habe mir einen individuellen Lernplan zusammengestellt, und hier auch insgesamt drei Wiederholungsrunden von allen Themen eingebaut. Dies kann ich dir empfehlen, da ich bei meinem ersten Versuch das Gefühl hatte, die ersten Tage meines Lernplans nach 1-2 Wochen schon wieder vergessen zu haben.

Pausentagen, Sport oder ein Spaziergang mit Freund*innen an der frischen Luft sollten genauso verpflichtend in den Lernplan eingebaut werden wie der Plexus brachialis. Ich fand es in beiden Anläufen schwierig, sich nicht von der Menge des Stoffs einschüchtern zu lassen und diesen einfach mal ruhen zu lassen. Trotzdem hat man immer Zeit für eine Stunde spazieren gehen, einen Kaffee oder ein Workout. Produktive Pausen, die nicht vor dem Bildschirm verbracht werden, sind die Grundlage für das Lernen über mehrere Wochen und Monate hinweg. Such dir eine*n Lernpartner*in, mit dem du feste Pausen einplanst. So könnt ihr euch beide gegenseitig unterstützen und aufbauen.

Welches Medium passt zu mir?

Ebenfalls ist es wichtig sich vor der eigentlichen Lernphase damit zu beschäftigen, mit welchen Lernmaterialien du am besten zurechtkommst. Online steht dir via medici von Thieme mit ausformulierten, einfach erklärten Texten oder Amboss im Stichwort-Stil zu Verfügung.
In Papierform gibt es die Vorklinik die „Endspurt“ Reihe von Thieme mit einfachen, kurz und knapp gefassten Texten und Grafiken.
Für die Karteikartenfans gibt es gleichzeitig unglaublich detailliert und doch kurz und knapp in Paketen von smartmedix für die Fächer Anatomie, Physiologie und Biochemie. Hier sind vorne Fragen zu den jeweiligen Themen gestellt, die auf der Rückseite beantwortet werden. Das Frage-Antwort Spiel ist gerade für den mündlichen Teil super.
Oder man benutzt letztendlich die eigenen Unterlagen, hier entgehen einem jedoch die manchmal sehr seltsamen und doch Lieblingsfakten des IMPPs, die von Thieme und Amboss farblich in den Materialien hervorgehoben werden.
Ebenfalls gibt es Lernposter für die verschiedenen Stoffwechselwege der Biochemie. Darüber hinaus habe ich mir noch eigene Poster zu Blutversorgung des Menschen, allen Gelenken und Plexus für die mündliche Prüfung erstellt, dies hat das Auswendiglernen eindeutig erleichtert.

Für meinen Zweitversuch habe ich eine bunte Mischung genutzt, da ich mich mit verschiedenen Materialen für verschiedene Themen angefreundet habe und einen individuellen Lernplan genutzt habe. Mit meine Anatomieunterlagen konnte ich deutlich besser lernen als ellenlange Texte oder Tabellen zu lesen, in Physiologie habe ich jedoch viel mit den Endspurtskripten gearbeitet. Ich wusste hier, wo die Stärke und wo die Schwächen (nach meinem Empfinden) der Lernmaterialien lagen und wo welche Themen für mich besser erklärt wurden.
Wälzer aus der Bibliothek machen meiner Erfahrung nach keinen Sinn, diese sind zu dick und viel zu detailreich für die kurze aber intensive Lernzeit.

Die Fragen, die Du dir stellen musst, sind folgende: Wie viel Zeit habe ich? Womit habe ich bis jetzt gut gelernt? Online oder doch lieber Papier? Ganze Sätze oder Stichworte?
Wenn Du knapp in der Zeit seid, dann entscheide dich für eine vertraute Lernmethode und bleib bei dieser. Das Wechseln hat mich im ersten Versuch viel Zeit und vergebene Liebesmüh gekostet.
Wenn dir noch ein paar Monate oder sogar ein Semester bis zum Physikum bleibt, dann probiere verschiedene Sachen aus, jetzt hast du noch die Zeit!

Einer der wohl wichtigsten Tipps ist: kein Vergleichen! Jeder lernt unterschiedlich für diese Prüfung. Sowohl Lernmaterialien, Lernzeiten und Methoden werden in deinem Freundeskreis variieren und dies ist nicht schlimm. Der beste Tipp eines Kommilitonen war, nach einer initialen Diskussion gar nicht mehr über seinen Lernfortschritt zu reden, sondern sich in den Pausen mit Freund*innen abzulenken und den Stoff ruhen zu lassen, so verlockend eine letzte Diskussion über die Glykolyse auch klingt.

Wenn die eigentliche Lernphase ansteht … auch hier gibt es einiges zu beachten.

Was wird eigentlich gefragt?
Das schriftliche Physikum besteht aus zwei Prüfungstagen mit insgesamt 320 Fragen. Am ersten Tag werden die Fächer Physik und Chemie (beide je 20 Fragen) sowie Physiologie und Biochemie (je 60 Fragen) abgefragt. Dies ist meist der schlimmere Tag. Am nächsten Tag darfst du dich der Biologie und Histologie (beide je 20 Fragen) und Anatomie und PsychSoz (ebenfalls je 60 Fragen) stellen. Insgesamt musst du 60% der Fragen richtig beantworten, um den schriftlichen Teil des Examens bestanden zu haben.
Meiner Erfahrung nach darfst du auf keinen Fall PsychSoz vernachlässigen. Hier habe ich tüchtig Punkte mit relativ wenigen Lerntagen geholt. Die meisten Fallbeispiele und Namen sind schnell mit einem Bild verknüpft abgespeichert.
Im darauffolgenden mündlichen Teil des Examens prüfen dich drei Professoren in Anatomie, Biochemie und Physiologie auf Herz und Niere.
In Anatomie musst du dich an den Präparten der Körperspender und in einem histologischen Schnitt zurechtfinden, während du in Biochemie und Physiologie auch gerne mal eine Sauerstoffbindungskurve oder die Lungen Compliance Kurve aufmalen und erklären darfst.

Auf welche Prüfungsart bereite ich mich vor?

Da das Physikum sowohl als mündliche als auch als schriftliche Prüfung abgehalten wird, musst du dich auf zwei verschiedene Prüfungssituationen vorbereiten.
Für das Schriftliche ist es wichtig, bis zum Umfallen zu Kreuzen. Nur dadurch werden dir einige Lieblingsthemen des IMPP bewusst, dann kannst du eventuell die ein oder andere Altfrage entdecken und machst dir mit dem Fragestil vertraut. Im examen online bei via medici werden dir die richtigen und falschen Antworten noch einmal genauer erklärt, hier lohnt es sich diese genau durchzulesen und die Graphiken, die teilweise nicht in den Texten zu finden sind, sich noch einmal zu Gemüte zu führen. Kreuze während deiner Vorbereitung im Prüfungsmodus und schaue dir erst hinterher die Antworten an, somit gewöhnst du dich direkt daran, dass im Physikum die richtige Antwort leider nicht grün hinterlegt ist.
Während im schriftlichen Teil eher passives Wissen abgefragt wird und du meist durch das Ausschließen einiger Antwortmöglichkeiten näher an das Ziel kommst, ist für die mündliche Prüfung eine ganz andere Vorbereitungsart notwendig.
Hier ist aktives Wissen gefragt, sodass die Frage des/der Professors/Professorin präzise beantwortet werden kann. Hier sind die Altprotokolle aus vergangen Jahren Gold wert, die Themen der Prüfer*innen variieren meist leicht bis gar nicht.
Es lohnt es sich die Tage vor der Prüfung mit einem/r Lernpartner*in oder der Physikumsgruppe zu verbringen und die Protokolle mündlich durchzugehen. Sprechen, sprechen, sprechen ist hier die Divise! Meist denkt man, dass man etwas verstanden hat, aber wenn man dies nicht erklären kann, ist dies nicht der Fall!
Eine*n Lernpartner*in zu finden, der/die einen ähnlichen Lernstil hat wie Du und mit dem ihr du dich verstehst, ist Gold wert! Zusammen die Zeit durchzustehen, schweißt einen zusammen und es macht es so viel einfacher, wenn man sich gegenseitig unterstützen kann.

Präpsaaltermine buchen

Für die Vorbereitung auf das mündliche Physikum ist das aktive Lernen im Präpsaal unerlässlich. In der Vorbereitungszeit auf meinen zweiten Versuch sind meine Lerngruppe und ich vier Monate vor dem Physikum erst einmal die Woche, zwei Monate vorher zweimal die Woche in den Präpsaal gegangen. In Lübeck sind verschiedenen Physikumspräparate dauerhaft für die Studenten zugänglich, ebenfalls kannst du an den Körperspendern des aktuellen Kurses lernen oder dir Modelle, Skelette und Knochen ausleihen.
Das wiederholte Üben hat mir das nötige Vertrauen für die Prüfung gegeben, da wir die verschiedenen Präparate mehrmals gesehen und durchgesprochen hatten. Auch sind die Mitarbeiter*innen des Anatomieinstituts unglaublich hilfsbereit und nach nettem Fragen erklären sie gerne noch einmal schwierigere Themen.

Urlaub planen, Vorfreude und Belohnung

Auch die Zeit nach dem Physikum gilt es zu planen, denn weit im Voraus ist auch ein Tapetenwechsel erschwinglicher. Es ist genau dieser, der einem hilft, die lange Lernzeit zu überstehen. Eine Belohnung hat sich jede*r verdient, egal wie das Ergebnis ausfällt, denn das Physikum ist vor allem eine Willens- und Ausdauerprobe und jeder der daran teilgenommen hat, hat sich dieser gestellt.
Gönne Dir auch während der Lernzeit Auszeiten und Belohnungen, ob es nun das gelieferte Essen oder doch die Blümchen für den Schreibtisch sind.

Lohnt es sich zu schieben?

Die große Frage, die heiß in Internetforen diskutiert und selbst von den Professor*innen der Uni angesprochen wird und immer wieder der Grund ist, warum Student*innen doch ein Semester aussetzen.
Wenn Du merkst, dass Dich das vierte Semester ausgelaugt hat und/oder Du einfach eine Pause nach vier Semestern Vorklinik (unter Coronabedingungen) benötigst, dann ist es keine Schande, das Physikum zu schieben.
Tue das, was für Dich die beste Lösung ist, egal ob dies gegen den Rat der Eltern, Professor*innen oder fremder Menschen im Internet ist.

Obwohl ich beim ersten Versuch durch den mündlichen Teil durchgefallen bin, war ich jedoch froh, dass ich das Physikum nicht geschoben habe, da ich zum einen den schriftlichen Teil bestanden hatte und ich wusste, wie die mündliche Prüfung abläuft.
Egal für welche Variante Du dich entscheidest, dem Physikum muss sich früher oder später jede*r stellen, der/die in die Klinik möchte. In einem halben Jahr kann man viel vergessen, aber genauso viel aufholen.

Eine gewisse Portion Glück gehört dazu

In beiden Prüfungen, aber gerade in der mündlichen Prüfung, gehört auch immer ein gewisses Quäntchen Glück, dass die richtigen Fragen gestellt werden.
Jede*r Professor*in weiß mehr als Du und kann Dir jederzeit rausprüfen. Daher ist es wichtig, eine solide Wissensbasis aufzubauen und selbstbewusst in die Prüfung zu gehen. Etwas nicht zu wissen, bedeutet nicht direkt, dass die Prüfung schiefgelaufen ist. Meist leitet Dich der/die Professor*in im mündlichen Teil zu der Antwort hin und erarbeitet das Thema mit Dir, während Du im Schriftlichen durch Ausschließen und einem „educated guess“ durchaus die richtige Antwort ankreuzen könnt.
In dem Sinne drücke ich Dir ganz fest die Daumen und let`s get Physikum!

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Häufige Fragen und Antworten

Zweiteilige Prüfung: schriftlich (320 Fragen an 2 Tagen) + mündlich (Anatomie, Biochemie, Physiologie). Bestehensgrenze: 60 %.

Amboss, via medici, Thieme-Endspurt-Reihe und Karteikarten. Wichtig: früh planen und regelmäßig wiederholen.

Ja, wenn man überfordert ist. Eine Pause ist kein Rückschritt – aber mit Plan weitermachen.

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