Ärztliche Weiterbildung in Großbritannien: Foundation & Specialty Training im Überblick.
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Medizinerinnen im Ausland

Weiterbildung im Ausland – Großbritannien

Daniela Erhard

Ein PJ in Edinburgh, ein Foundation-Programm in Glasgow und später das Specialty Training: Wer als Ärztin oder Arzt in Großbritannien arbeiten möchte, muss sich über das zentrale Portal Oriel bewerben und strenge Auswahlverfahren durchlaufen. Trotz hoher Konkurrenz bleibt die Weiterbildung attraktiv – mit klaren Strukturen, guter Bezahlung und internationaler Anerkennung.

Eigentlich wollte Carla Lauf nur 2 Monate ihres PJs in Edinburgh verbringen. Doch dann ermunterten ihre dortigen Kommiliton*innen die Medizinstudentin aus Mannheim: „Bewirb dich doch mit uns für das weitere Ausbildungsprogramm.“ Das war 2004, kurz vor Laufs 2. Examen. Sie reichte ihre Unterlagen über das Internetportal der Organisatorinnen ein und erhielt eine Stelle. „Ich musste mich nur einmal kurz vorstellen. Das war's“, wundert sich die angehende Gastroenterologin noch heute. Inzwischen läuft die Bewerbung ausschließlich über das zentrale Portal Oriel und es geht nicht mehr ohne Auswahlgespräche und Tests.

Der Anfang: 2 Jahre "Foundation"

Bevor man in Großbritannien mit der eigentlichen Weiterbildung beginnt, steht zunächst das 2-jährige „Foundation Programme“ an. Als Carla Lauf im August 2005 in einer Glasgower Klinik anfing, gehörte sie zu den ersten, die in das neu geschaffene Programm aufgenommen wurden.

Jedes Foundation Year (FY) besteht aus 3 Tertialen, wobei das erste Jahr mit unserem PJ vergleichbar ist:

Im FY1 rotiert man durch die Innere Medizin, Chirurgie sowie ein Wahlfach. Im FY2 muss man mindestens ein Mangelfach bzw. Allgemeinmedizin belegen. Außerdem bietet sich hier die Gelegenheit, 4 Monate in der Forschung zu verbringen.

Carla Lauf hat es nicht bereut, trotz PJ nochmals beide Foundation Years durchlaufen zu haben. „Man bekommt ein viel breiteres Wissen, wenn man durch die verschiedensten Fächer rotiert“, so Lauf. „Außerdem hat mir die praktische Erfahrung aus dem PJ sehr geholfen, mit den Arbeitsanforderungen klarzukommen.“

Heute gibt es zusätzlich das Specialised Foundation Programme (SFP), das Forschung, Lehre und Leadership integriert.

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Alternativen zum Foundation Programme

Die Foundation ist Pflicht – und Voraussetzung für die Weiterbildung. Deutsche Absolvent*innen gelten inzwischen formal als überqualifiziert für das FY1. Trotzdem ist eine reguläre Weiterbildung an einer britischen Klinik möglich, z. B. durch ein FY2 oder durch mindestens 1 Jahr klinische Erfahrung in zwei Fachgebieten.

Anrechnung auf die Weiterbildung?

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Die Landesärztekammern verlangen ein ausführliches Zeugnis, Kopie und beglaubigte Übersetzung. Viele Anträge können inzwischen vollständig online gestellt werden.

Weiterbildungsprogramme & Zugangsbedingungen

Auch mit abgeschlossenem Foundation Programme ist es schwierig, eine Weiterbildungsstelle zu ergattern. Die Konkurrenz steigt weiter – in manchen Fächern kommen inzwischen bis zu 4 Bewerber*innen auf eine Stelle.

Neben Tests und Interviews müssen Ausländer*innen weiterhin den IELTS mit mindestens 7 Punkten bestehen.

Die Bewerbungsfristen laufen über Oriel, meist im Herbst des Vorjahres.

Das Specialty Training

Das eigentliche Weiterbildungsprogramm dauert je nach Fachgebiet zwischen 3 und 7 Jahren. Run-through-Programme sichern die Stelle für die gesamte Dauer. In chirurgischen und psychiatrischen Fächern sowie in der Anästhesie und Notfallmedizin gibt es weiterhin das Core Training.

Anerkennung des britischen Facharztes

Seit dem Brexit gilt die EU-Richtlinie 2005/36/EG nicht mehr automatisch. Eine Anerkennung durch deutsche Ärztekammern ist aber in vielen Fällen weiterhin möglich, muss jedoch individuell geprüft werden.

Kürzere Aufenthalte

Alternativ können Ärztinnen und Ärzte auch nur einen Teil ihrer Weiterbildung in Großbritannien absolvieren. Geeignet dafür sind Stellen als Locum Appointed for Training (LAT). Dabei handelt es sich um befristete Positionen, die zur Weiterbildung anerkannt sind, aber nicht durch Ärztinnen oder Ärzte im regulären Specialty oder Core Training besetzt wurden. Das Problem bleibt: Diese Stellen sind meist nur für wenige Monate verfügbar. Die deutschen Landesärztekammern erkennen Tätigkeiten unter 6 Monaten grundsätzlich nicht an. Hospitationen, Gastarztaufenthalte oder Kurse werden ebenfalls nicht auf die Weiterbildung angerechnet.

Voraussetzungen

Viele Arztstellen in Großbritannien stehen ausländischen Bewerber*innen nur offen, wenn sie bereits Arbeitserfahrung im Land gesammelt haben – oft werden 6 Monate bis 2 Jahre gefordert. Gastaufenthalte während des PJ oder der Famulatur sind aber weiterhin hilfreich: „Man kennt das System schon“, betont Carla Lauf. Das erleichtert den Weg zur Weiterbildungs- oder Locumstelle. Die British Medical Association empfiehlt für solche Aufenthalte eine Dauer von 2 bis maximal 4 Monaten.

Arbeitsbedingungen

Foundation Doctors verdienen zwischen ca. 29.000–34.000 £, Specialty Registrars zwischen 40.000–55.000 £. Die Arbeitszeiten sind hoch, aber Überstunden und Bürokratie geringer als in Deutschland.

Fazit

Aufenthalte in Großbritannien sind nach wie vor attraktiv, aber die Konkurrenz ist größer und die Anerkennung komplizierter geworden.

Aktuelle Infos gibt es unter:

Häufige Fragen und Antworten

Deutsche Ärztinnen und Ärzte können über ein FY2 oder durch mindestens ein Jahr klinische Erfahrung in zwei Fachgebieten einsteigen. Mit dieser äquivalenten Erfahrung können sie sich für das Specialty Training bewerben.

Die automatische Anerkennung nach EU-Richtlinie gilt nicht mehr. Eine Anerkennung ist aber weiterhin möglich, muss jedoch individuell bei der zuständigen Landesärztekammer geprüft werden. Dabei ist wichtig, vorab zu klären, ob das jeweilige Fachgebiet in Deutschland als Facharzt oder Zusatzweiterbildung geführt wird.

Aufenthalte unter sechs Monaten werden von den deutschen Landesärztekammern grundsätzlich nicht anerkannt. Hospitationen oder Gastarztaufenthalte sind zwar wertvolle Erfahrungen, gelten aber nicht als anrechenbare Weiterbildungszeit.

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