Famulaturtourismus – vom Schreibtisch in die Welt
Kittel an, Alltag aus – plötzlich wird die Klinik zum Sprungbrett in neue Regionen, Erfahrungen und Begegnungen. Wer Famulaturen bewusst plant, kann nicht nur fachlich wachsen, sondern nebenbei kleine Abenteuer erleben, die weit über den Stationsalltag hinausgehen. Vielleicht wartet deine nächste medizinische Etappe ja schon irgendwo zwischen Bergpanorama und Meeresrauschen.

Wusstest du, dass du deine Famulaturen auch außerhalb deiner Unistadt ableisten kannst? Insgesamt vier Monate hast du die Möglichkeit, in Fachrichtungen reinzuschauen, die dich interessieren. Ob im Krankenhaus oder in der Praxis, in den Bergen oder am Meer – du hast großen Gestaltungsspielraum.
Zu Beginn ist mir wichtig zu betonen, dass es zwischen den Landesprüfungsämtern unterschiedliche Vorgaben gibt (welche Stationen Pflicht sind, wie lange die einzelnen Praktika dauern, …). Schau also unbedingt nach, was du hier beachten musst. Deine Famulaturen möchtest du schließlich anerkannt bekommen.
Wo finde ich passende Famulaturen?
Famulaturen, die ich außerhalb meiner Unistadt gemacht habe, konnte ich durch intensive Recherche auf famulatur-ranking.de oder PJ-Ranking.de finden. Zudem habe ich meine Suchkriterien in eine Suchmaschine eingegeben (z. B. Famulatur ZNA Bayern). Auch darüber lassen sich viele Kliniken finden. Über diese Suche habe ich vor allem auch kleinere Kliniken gefunden, die eventuell auf den Portalen noch nicht erwähnt wurden.
Ich persönlich wusste ungefähr, in welche Regionen ich wollte und habe mich dann informiert, welche Kliniken dort zu finden sind. Genauso kannst du selbstverständlich schauen, welche Kliniken innerhalb einer Fachrichtung bereits bewertet wurden und wie andere dort ihre Famulaturen oder ihr PJ empfunden haben.
Für mich war es außerdem wichtig, eine Unterkunft zu haben. Mit etwas Glück konnte ich immer Kliniken finden, die mir für die Zeit eine kostenlose Unterkunft gestellt haben. Bezüglich der Unterkunft lohnt es sich definitiv, direkt nachzufragen – oft gibt es doch Möglichkeiten. Alternativ kannst du selbstverständlich schauen, ob du in der Region eine Zwischenmiete findest.
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Kleines oder großes Krankenhaus?
Ich habe sehr gute Erfahrungen mit kleineren Krankenhäusern gemacht. Dort waren oft weniger Studierende, meistens war ich sogar die einzige Studentin. Dadurch hatte ich eine sehr gute Betreuung durch die Ärztinnen und Ärzte, und ich durfte oft selbst Hand anlegen.
Auch hatte ich bei meiner Recherche nach passenden Orten das Gefühl, dass kleinere Kliniken mir als Studentin mehr geboten haben (z. B. Unterkunft, kostenloses Essen). Denn ja, am Ende ist es für sie auch eine Möglichkeit, dich eventuell als angehende*n Mitarbeiter*in zu gewinnen.
Wann und wie sollte ich mich bewerben?
Gerade an kleineren Häusern oder allgemein an Krankenhäusern außerhalb beliebter Regionen kann man sich oft sehr kurzfristig melden. Ich habe mich jedoch immer mit ausreichend Vorlauf beworben. So hatte ich auch während des Semesters bereits einen Ausblick auf schöne Reisen – das hat mich definitiv motiviert.
Gerade wenn man eine Unterkunft braucht, empfiehlt es sich, sich mindestens 6 Monate, besser noch länger im Voraus zu melden. Manchmal ist es auch üblich, dass Plätze schon ein Jahr vorher vollständig vergeben sind.
Auf den jeweiligen Internetseiten (vor allem von Kliniken) findest du meist unter dem Reiter „Karriere“ auch Informationen für Medizinstudierende, was dir für deine Famulaturen angeboten wird. Dort kannst du meistens auch nachlesen, welche Unterlagen für deine Bewerbung gefordert werden. Steht dort nichts, kannst du beispielsweise eine kurze E-Mail mit deiner Interessensbekundung an das jeweilige Chefarztsekretariat senden. Im Anschluss daran werden sie sich (hoffentlich) mit genaueren Informationen bei dir zurückmelden.
Und vor Ort?
Vielleicht bist du anfangs etwas scheu. Doch zumindest aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich mich bereits nach zwei bis drei Tagen gut im Team eingefunden hatte. Wie überall im medizinischen Bereich gilt: Stell dich allen vor. Dann bist du nicht die oder der unbekannte Studierende und kannst aktiv eingebunden werden. Frage nach und zeige Interesse. Schau, dass du in den Fachrichtungen möglichst die Vielfalt der Untersuchungen und Krankheitsbilder kennenlernen kannst.
Und natürlich nicht zu vergessen: Was möchtest du sonst noch von der Region sehen? Schließlich betreiben wir ja „Famulaturtourismus“. Was kannst du nach Feierabend unternehmen? Was planst du für die Wochenenden?
Ich habe mir unter der Woche meist kleinere Wanderziele herausgesucht. Für die Wochenenden plante ich größere Ausflüge, teils auch mit den anderen Studierenden vor Ort. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und bilden die perfekte Ergänzung zu deinen studentischen Pflichten.
Was kann ich rückblickend über meine Famulaturen sagen?
Kann ich es empfehlen? Ein ganz großes JA! Der Sprung ins kalte Wasser und die Planung im Voraus haben sich definitiv gelohnt. In jeder meiner Famulaturen konnte ich nicht nur interessante Einblicke in unterschiedliche Arbeitsweisen und Fachrichtungen gewinnen. Ich habe auch neue Freundschaften geschlossen, wundervolle Erlebnisse mit anderen gehabt und neue Orte entdeckt. Insgesamt habe ich ich viele positive Momente gesammelt, auf die ich gerne zurückblicke.
Auch persönlich habe ich mich weiterentwickelt: Ich habe gelernt, mich Herausforderungen zu stellen und selbstständig Lösungsansätze zu finden – und all das neben dem Erlernen neuer fachlicher Kompetenzen.
Meine Famulaturen fühlten sich ein Stück weit wie Urlaub an. Famulaturen liegen in unseren vorlesungsfreien Zeiten und nehmen dort viel Raum ein. Warum also nicht diese Zeit angenehm gestalten?
Und jetzt du: Wohin geht deine nächste Reise?
Ja, das ist problemlos möglich. Du musst lediglich die Vorgaben deines Landesprüfungsamts beachten, damit deine Famulaturen anerkannt werden.
Viele Studierende nutzen Portale wie famulatur-ranking.de oder PJ-Ranking.de sowie gezielte Suchmaschinenanfragen. Besonders kleinere Kliniken findest du oft über regionale Recherchen oder durch direktes Nachfragen.
Für beliebte Regionen oder Kliniken mit Wohnheimen lohnt sich eine Bewerbung sechs bis zwölf Monate im Voraus. Kleinere Häuser vergeben Plätze oft kurzfristiger, aber früh planen erhöht deine Chancen auf eine Unterkunft und eine entspannte Vorbereitung.