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Studentenleben

Jede Zelle meines Körpers ist glücklich - Biochemie des Verliebtseins

Christina Liebermann

Der ganze Körper fährt Achterbahn wenn man verliebt ist. Aber warum ist das so? Was genau passiert in einem, wenn Amor zugeschlagen hat?

Hände halten
© Davide Angelini/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by models.

„Hals über Kopf“, „bis über beide Ohren“, „das Herz tanzt“: verliebte Körper sind einfach verrückt, out of control. Dabei löst nicht nur ein ganz besonderer Mensch die Hochgefühle der frischen Liebe aus – sondern auch Tausende von Molekülen. Und die können so einiges anrichten!

„My heart skips skips a beat …”

Frisch verliebt schlägt das Herz bis zum Hals. Die Erklärung für dieses Phänomen klingt zunächst paradox, aber: Verliebtsein ist ein ähnlicher Zustand wie Angst. Vergleichbar ist das beispielsweise mit Prüfungssituationen, vor denen der Körper in Alarmbereitschaft ist und Stresshormone wie Adrenalin ausschüttet. Die Hände fangen an zu schwitzen und der Puls schießt nach oben. Warum aber empfinden wir Verliebtsein trotzdem als schön?


Im Unterschied zur reinen Angstsituation, setzt das Gehirn zusätzlich die Glücksbotenstoffe Dopamin, Endorphin und Serotonin frei. Diese sorgen für Euphorie und vermitteln dieses abgefahrene, rauschartiges Glücksgefühl, von dem wir nicht genug bekommen können. Dopamin ist am wichtigsten für das Belohnungssystem im Gehirn. Dort werden positive Gefühle koordiniert und verstärkt. Der Auslöser für das unfassbare Gefühl während der Verliebtheitsphase ist der – anders als man zunächst erwarten würde - sinkende Spiegel des Glückshormons Serotonin.

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Flugzeuge im Bauch

Ähnliches Chaos herrscht in der Magengegend. Adrenalin und Noradrenalin verursachen dieses typische Rumoren im Bauch. Weil dazu allerdings noch die Glückshormone ausgeschüttet werden, ist einem nicht kotzschlecht, sondern man fühlt ein angenehmes „Verliebtheitskribbeln“. Selbiges erklärt übrigens auch das in der Verliebtheitsphase häufig ausbleibende Hungergefühl.

Just like a pill

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Liebe ist wie eine Drogenabhängigkeit. Sie erzeugt einen angenehmen Rauschzustand – ganz ohne krasse Nebenwirkungen. Alles was man für den Trip braucht, ist der/die Partner*in. Bei Verliebten sind die gleichen Gehirnregionen wie bei Suchtkranken aktiviert. Die gleichen Rezeptoren im Gehirn sind besetzt, ob verliebt oder eben süchtig nach Opiaten oder Alkohol. Dieses Glücksgefühl will man natürlich nicht verlieren.

Trennt sich dann der/die Partner*in von einem, löst das Schmerzen aus, die durchaus mit körperlichen Schmerzen zu vergleichen sind. Was aber erzeugt diese Schmerzen? Schuld ist der Nucleus Accumbens, das Belohnungssystem im Gehirn, ausgestattet mit vielen „erwartungsvollen“ Dopaminrezeptoren. Die erhöhte Dopaminproduktion verstärkt die Aktivität der Neuronen in diesem Bereich. Wird aber keine „Belohnung“ empfangen, so verlängern die Neuronen ihre Aktivität. So entsteht Stress und damit die zusätzliche Ausschüttung von nochmals Dopamin und Noradrenalin. Dieses setzt wiederum den sowieso schon niedrigen Seratoninspiegel noch weiter herab.

Ist das nicht Ironie? Man wird verlassen und das Gehirn reagiert mit chemischen Stoffen, die ein noch stärkeres Verliebt-Gefühl erzeugen als je zuvor.

Crazy for you

Verringertes Schlafbedürfnis, mehr Unternehmungslust, Euphorie und gesteigerte Kontaktfreudigkeit: das sind eindeutige Attribute der Hypomanie – sprich: ein kleines bisschen sind Verliebte tatsächlich „verrückt“. Die enge Verbindung mit dem Stresssystem und der Adrenalinkick sorgen für einen Ausnahmezustand, der es erschwert, klar zu denken. Der positive Stress schaltet die Vernunft ab.

Im Blut findet sich ein erhöhter Neurotrophinwert. Der sorgt dafür, dass sich Verliebte in einem Zustand der Unzurechnungsfähigkeit befinden, sich zu irrationalen Handlungen hinreißen lassen und Hemmschwellen abbauen. Auch die schwankende Schlafdauer und das geringe Schlafbedürfnis tragen zu mentalen und verhaltensmäßigen Entgleisungen bei. .

I can't get no sleep

Studien haben ergeben, dass frisch Verliebte oft weniger schlafen. Kurioserweise wirkt sich das aber nicht auf die Schlafqualität aus. Trotz des Schlafmangels fühlten die Proband*innen sich wach und ausgeruht. Was aber „raubt“ Verliebten den Schlaf? Verliebtheit ist nunmal leider nicht ausschließlich mit Freude und Euphorie, sondern auch mit Ängsten und Ungewissheit verbunden. Und das kann schon mal die Nachtruhe stören.

Let's talk about sex, Baby!

Wer verliebt ist, möchte das „Objekt der Begierde“ am liebsten die ganze Zeit um sich haben. Dafür sorgt das Bindungs- oder auch Kuschelhormon Oxytocin, das aus dem Hinterlappen der Hirnanhangdrüse freigesetzt wird. Es vermittelt intensive emotionale Erfahrungen und fördert das gegenseitige Vertrauen der Partner*in. Daneben beeinflussen die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron die Gefühlswelt und steigern das sexuelle Verlangen.

Bei verliebten Männern sinkt die Testosteronkonzentration – sie werden dadurch anlehnungsbedürftig und weniger aggressiv. Bei Frauen hingegen steigt der Testosteronspiegel an – und damit auch die Libido. Man vermutet, dass die hormonelle „Annäherung“ zwischen Mann und Frau die Wahrscheinlichkeit für Nachwuchs fördern soll.

To the moon and back

Woran aber liegt es, dass vom Düsenjet nach ein paar Jahren meist nur noch eine altersschwache Propellermaschine übrig bleibt? Es wäre dem Körper schlichtweg viel zu anstrengend, dem permanenten „Stresszustand“ des Verliebtseins dauerhaft ausgesetzt zu sein.

Das heißt aber nicht, dass man den/die Partner*in nachdem die Schmetterlinge verflogen sind, nicht mehr liebt. Das Verliebtsein weicht dann Gefühlen der Verbundenheit, der Wärme und der Zusammengehörigkeit. Diese speichern sich langfristig im Gehirn und binden uns an den/die Partner*in.

Why does my heart feel so bad?

Was aber, wenn die Liebe nicht erwidert wird oder der/die Partner*in einen im Regen stehen lässt? Bei einer unglücklichen Liebe ist das Herz manchmal so starkem Stress ausgesetzt, dass seine Funktion in Mitleidenschaft gezogen wird. Das sogenannte Broken-Heart-Syndrom (Stress Kardiomyopathie, Tako-Tsubo-Kardiomyopathie) kann nach starken körperlichen oder emotionalen Belastungen auftreten, eine Funktionsstörung im Herzmuskel auslösen und im schlimmsten Fall sogar zum Herzinfarkt führen.

Frauen sind öfter vom gebrochenen Herzen betroffen. Man geht davon aus, dass die Krankheit entsteht, weil zu viel Adrenalin ausgeschüttet wird. Das Hormon „staut“ sich im Herzmuskel an und sorgt dafür, dass sich die Herzkrankgefäße verengen. Da die Durchblutung aber in den meisten Fällen erhalten bleibt, ist die Prognose gut und der Verlauf in der Regel günstig.

My chemical romance

Neben zahlreichen biochemischen Prozessen, die beim Verlieben angekurbelt werden, spielen auch noch andere Faktoren wie beispielsweise optische oder akustische Reize eine große Rolle. Trifft man auf jemanden, den/die man attraktiv findet, stößt der Körper Pheromone aus. Diese fliegenden Sexuallockstoffe werden vom Vomeronasalorgan, einem winzigen Rezeptorbereich in der Nasenschleimhaut, aufgefangen. Das Gehirn des Gegenübers vergleicht dann die fremden mit den eigenen Sexualduftstoffen und entscheidet über die Anziehungskraft.

Über den Geruchssinn erfassen und bewerten wir außerdem genetische Individualität. Das ist ein natürlicher Mechanismus der Evolution, der den Nachkommen durch die Wahl eines geeigneten Partners eine möglichst gute Überlebenschance bieten soll. Damit ein „optimales“ abwehrstarkes Immunsystem entsteht, ist es am besten, wenn beide Partner mit einem sehr unterschiedlichen ausgestattet sind.

Also alles nur ein Tanz der Moleküle? Nein, ganz so unromantisch sieht die Realität dann doch nicht aus. Sich Verlieben läuft natürlich auch auf emotionaler Ebene ab, die keine Wissenschaft der Welt bisher erfahren konnte. Einfach gesagt: Erst kommt die Liebe – dann die chemische Lawine.

Häufige Fragen und Antworten

Beim Verliebtsein sind vor allem Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Oxytocin beteiligt. Sie beeinflussen unser Glücksgefühl, unsere Aufmerksamkeit und emotionale Bindung.

Das liegt am erhöhten Dopaminspiegel, der das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert – ähnlich wie bei bestimmten Drogen. Dadurch fühlen wir uns euphorisch und energiegeladen.

Ja, typische körperliche Reaktionen sind Herzklopfen, Appetitlosigkeit, Schmetterlinge im Bauch und Schlaflosigkeit – ausgelöst durch hormonelle Veränderungen.

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