Famulatur in der Augenheilkunde im Bundeswehrkrankenhaus Ulm
Im Medizinstudium musst du insgesamt 120 Tage famulieren. Nutze diese tolle Gelegenheit, um so viel wie möglich zu sehen, damit dir die Facharztwahl später nicht schwerfällt. Ob Anne ihre Wunsch-Fachrichtung bereits gefunden hat, erfährst du im Folgenden.

Die Semesterferien zwischen dem 7. und 8. Semester sind an der Universität Ulm relativ kurz. Das liegt an der sehr langen und intensiven Klausurenphase, die bis kurz vor Ostern andauert. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, meine ambulante Famulatur zu splitten und diesmal nur 16 Tage zu famulieren. Über Kontakte kam ich auf die Idee, mir die Augenheilkunde mal genauer anzusehen, da dieser Bereich im Studium leider oft
stiefmütterlich behandelt wird. Online las ich sehr gute Rezensionen über das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm und bewarb mich etwa ein Jahr im Voraus dort.
Der Schriftverkehr per E-Mail verlief reibungslos, und zeitnah erhielt ich meine Unterlagen. Die Bürokratie war etwas aufwändiger als bei meinen letzten Famulaturen, was zum einen an der Bundeswehr und zum anderen an der Vergütung der Famulatur lag. Letzteres ist in anderen Krankenhäusern nicht üblich, aber ich fand es gut, da so wenigstens entstehende Kosten ein Stück weit gedeckt werden konnten. An meinem ersten Tag fuhr ich nicht direkt zum Bundeswehrkrankenhaus, sondern zu einem anderen Bundeswehrgelände, wo die bürokratischen Abläufe stattfanden.
Dort wurde ich sehr freundlich empfangen, musste einige Unterschriften leisten (z. B. zu Gehalt, Datenschutz) und durfte dann mit einem Laufzettel in der Hand zum Krankenhaus fahren. Dort arbeitete ich meinen Laufzettel ab: Ich erhielt einen Transponder zur Zeiterfassung, Kleidung, eine Mensakarte, stellte mich beim Offizier vor, bekam eine Händehygieneeinweisung sowie eine Datenschutzeinweisung, bis es dann endlich in die Augenambulanz ging. Auch dort wurde ich ausnahmslos freundlich empfangen, und ich hatte durchweg das Gefühl, dass man mir etwas beibringen und mich für die Augenheilkunde begeistern wollte.
Die erste Hälfte meiner Famulatur verbrachte ich in der Patientenaufnahme auf Station, bei der Visite, Nachkontrollen und im OP. Die Patientinnen und Patienten kommen in der Regel am Tag ihrer Operation und werden noch einmal untersucht, bevor sie in einen der Operationssäle gehen. Es gibt einen ambulanten OP, in dem zum Beispiel Kataraktoperationen (Grauer Star), Glaukomlaserbehandlungen, Augenlidoperationen, Tumorentfernungen oder Injektionsbehandlungen stattfinden. Im Zentral-OP finden größere Eingriffe unter Vollnarkose statt – zum Beispiel Hornhauttransplantationen, Eingriffe bei Netzhautablösungen oder Kataraktoperationen, die nicht in Lokalanästhesie durchgeführt werden können.
Hier gibt es einen Live-Stream auf einen 3D-Bildschirm, sodass du direkt in das Auge „hineingehoben“
wirst. Ich durfte oft mit in den OP und habe viele Eingriffe gesehen. Wenn es sich anbot, durfte ich steril an den Tisch und die erste Assistenz übernehmen, zum Beispiel bei lidchirurgischen Eingriffen – das war echt aufregend und erforderte ein sehr ruhiges Händchen! Nach den Operationen werden die Patientinnen und Patienten zur Überwachung in einen kleinen Raum oder auf die Station gebracht. Dort wird kontrolliert, dass es nicht nachblutet und der Augeninnendruck im Normbereich liegt.
Den zweiten Teil meiner Famulatur verbrachte ich in der Ambulanz. Hier kommen den ganzen Tag über Patientinnen oder Patienten, zum Beispiel für den Bundeswehr-Sehtest, bei Visusverschlechterung, zur Vorstellung für eine lidchirurgische Operation, zur Gesichtsfelddiagnostik (z. B. nach Tumorentfernung aus dem Gehirn), zur Kontrolle nach Verletzungen des Auges, akuten Vorstellungen (z. B. bei Netzhautablösungen), zur Vorstellung für Grauer-Star-Operationen, zur Kontrolle des Grünen Stars oder bei einem Naevus auf der Aderhaut. Einen Fadenzug nach einer Lidoperation durfte ich selbstständig durchführen – das war gar nicht so einfach, denn mit bloßem Auge waren die Fäden nicht sichtbar. Selten wird man in die Notaufnahme gerufen, wenn bei einem Unfall das Auge betroffen ist, da fachfremde Ärztinnen oder Ärzte sich oft nicht so gut in der Augenheilkunde auskennen.
Jeden Morgen um 7:45 Uhr findet die Frühbesprechung statt – hier kommen alle Ärztinnen und Ärzte zusammen, um den Tagesplan zu besprechen, und im Anschluss hält einer von ihnen einen Vortrag über ein aktuelles augenärztliches Thema. Das war auch für mich immer sehr spannend, hier habe ich viel gelernt. Mittags ging es in die Mensa. Mit der Mensakarte gab es für 4,40 € quasi „all you can eat“ – von Vorspeise bis Nachspeise, ein Salatbuffet und Getränke. Da könnte sich die Universität noch einiges abschauen.
Während meiner Zeit im BWK waren mehrere Famulierende und PJler*innen dort. Es war wirklich eine schöne Zeit, denn die Ärztinnen und Ärzte dort sind es gewohnt, Nachwuchs auszubilden und haben immer einen Plan, wo sie dich am besten einteilen können. Ein weiteres Highlight war der Operationssimulator – ein Roboter, an dem viele Augenoperationen geübt werden können.
So schnell die Famulatur begann, so schnell war sie auch schon wieder zu Ende. Insgesamt war es ein toller Einblick in eine Fachrichtung, die ich deutlich unterschätzt habe. Die Augenheilkunde könnte ich mir sehr gut als spätere Fachrichtung vorstellen.
Eine Famulatur dauert in der Regel 30 Tage, kann aber – wie in diesem Erfahrungsbericht – auch gesplittet werden, z. B. auf 16 Tage.
Typische Aufgaben sind die Assistenz im OP, Patient*innenaufnahme, Visiten, Nachkontrollen sowie Einblicke in die Ambulanz und Diagnostik.
Die Augenheilkunde wird im Studium oft wenig behandelt. Eine Famulatur bietet praxisnahe Einblicke in Operationen, Diagnostik und spannende Krankheitsbilder.