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Tübingen: Eberhard Karls Universität

Chirurgie-Tertial in der Schweiz

Laura Trif

Laura entscheidet sich für ein PJ-Tertial in der Schweiz und erlebt am Kantonsspital Winterthur eine außergewöhnlich lehrreiche Zeit zwischen Viszeralchirurgie, Notaufnahme und ihren ersten eigenen Nachtdiensten. Als Unterassistentin übernimmt sie echte Verantwortung, sammelt wertvolle praktische Erfahrungen und entdeckt gleichzeitig die winterliche Schweiz. Ihr Erfahrungsbericht zeigt, warum ein PJ-Tertial in der Schweiz für Medizinstudierende eine der besten Entscheidungen sein kann.

Rheinfall Brücke über den Rhein.
© virin/stock.adobe.com - Stock photo.

Ich wollte gerne einen Teil meines PJ in der Schweiz verbringen, da ich von vielen guten Erfahrungen dort gehört habe. Also habe ich mich zu Beginn des 8. Semesters, rund 1 ½ Jahre vor Beginn meines PJ, an verschiedenen Spitälern in der Schweiz beworben. Man muss sich sicherlich nicht immer so früh bewerben, es werden auch kurzfristig Stellen frei, wenn du aber bestimmte Präferenzen hast was Fach, Region oder Zeitraum angeht, lohnt sich eine frühzeitige Bewerbung. Die Bewerbungen laufen entweder online in den Bewerbungsportalen der Spitäler oder per Mail. Meist wird ein Lebenslauf und ein Anschreiben gefordert, das kannst du auf den jeweiligen Homepages nachlesen. Ich habe mehrere Zusagen bekommen, mein Bauchgefühl hat mir schlussendlich zu Winterthur geraten, eine gute Entscheidung, wie ich später festgestellt habe.

So bin ich dann Ende November mit dem Auto nach Winterthur gefahren und konnte direkt in das Personalwohnheim einziehen. Im Wohnheim teilst du dir Küche und Bad mit einigen Personen, die Einrichtung ist zwar nicht die neueste, die Zimmer sind aber geräumig und mit allem ausgestattet, was du so brauchst. Falls du noch etwas Platz in deinem Gepäck hast, lohnt es sich, noch ein paar Küchenutensilien mitzunehmen, man kommt aber auch so zurecht. Am ersten Tag wurden wir super eingeführt, haben unser Diensttelefon erhalten und uns wurde das Spital gezeigt. Generell war die Organisation wirklich top, sowohl vor Beginn, als auch während der Zeit.

Ich war insgesamt 3 Wochen in der Viszeralchirurgie eingeteilt und 4 Wochen in der Notaufnahme. Man konnte im Vorhinein Wünsche mit Fachabteilungen abgeben, das wurde soweit möglich auch eingehalten. In der Viszeralchirurgie war ich regelmäßig im OP eingeteilt. Die Stimmung im OP war wirklich top. In der Abteilung waren sehr nette Ärztinnen und Ärzte, ich habe mich immer wohl gefühlt und durfte zum Beispiel regelmäßig nähen. Wenn ich nicht im OP eingeteilt war, bin ich mit den Stationsärztinnen und -ärzten beziehungsweise Physician Assistants auf Visite gegangen. Dort wurde sich viel Zeit genommen und es gab einen engen Austausch mit der Pflege, was ich sehr gut fand. Hier habe ich die Visiteneinträge geschrieben und war außerdem für die Vorbereitung der Eintritte zuständig, was hier eine typische Unterassistentenaufgabe darstellt.

Den Rest der Zeit habe ich in der Notaufnahme verbracht. Hier gibt es einen Schichtplan, du bist also entweder in der Frühschicht, Spätschicht oder Nachtschicht eingesetzt und auch am Wochenende kann es mal vorkommen, dass du arbeiten musst. Ich fand das aber gar nicht schlimm, und habe hier wirklich super viel gelernt. Man macht auf der chirurgischen Seite der Notaufnahme viel Wundversorgung und darf eigenständig nähen, aber auch beispielsweise Abszesse versorgen. Außerdem darfst du eigenständig Patienten betreuen, dafür gibt es natürlich immer Assistenzärztinnen/-ärzte oder Oberärztinnen/-ärzte als Ansprechpartner. Hier habe ich auch meine ersten Nachtdienste erlebt. Man wird hier in eine ganze Nachdienstwoche eingeteilt, spricht 7 Tage am Stück, dafür hat man anschließend aber auch eine ganze Woche frei als Kompensation (und mehr Geld gibt es für diese Dienste auch noch 😉). In diesen Schichten habe ich immer zusammen mit einem Arzt der Viszeralchirurgie und einem Arzt der Unfallchirurgie im Notfallzentrum gearbeitet, wir waren die ganze Woche dasselbe Team. Hier gab es teilweise wirklich viel zu tun, ich habe aber super viel lernen dürfen und konnte einige Patienten komplett alleine versorgen. Manchmal habe ich auch im OP ausgeholfen, wenn hier noch Hilfe gebraucht wurde. Deswegen gibt es hier in der Chirurgie nachts auch keinen Pikettdienst, da nachts immer ein Unterassistent/-in in der Notaufnahme arbeitet, der bei Bedarf im OP aushelfen konnte. Natürlich war die Nachtdienstwoche auch anstrengend, aber für mich war es eine wirklich wertvolle Erfahrung.

In meiner Freizeit habe ich auch viele tolle Dinge erlebt. Ich war in der Weihnachtszeit in Winterthur, und habe sämtliche Weihnachtsmärkte besucht, ob in Winterthur selbst, in St. Gallen oder in Zürich. Gerade Zürich habe ich gerne besucht, es sind nur 20 Minuten mit dem Zug und dort kann man wirklich viel erleben. Und auch der Rest der Schweiz ist gut zu erreichen. So war ich Skifahren in Engelberg, einige meiner Freunde dort haben auch Tagesausflüge weiter weg gemacht, zum Beispiel nach Locarno.

Sowieso haben die Leute, die ich dort kennengelernt habe, einen großen Anteil daran gehabt, dass meine Zeit so toll dort war. Im Wohnheim haben sowohl Deutsche, als auch Schweizer zusammengelebt, wir saßen gerne abends mal zusammen und haben gemeinsam gekocht und eben auch Ausflüge zusammen unternommen.

Insgesamt war meine Zeit in Winterthur wirklich toll. Ich durfte viel lernen und auch eigenständig machen, war wirklich Teil des Teams und alle Mitarbeiter/-innen waren sehr nett. Die Stimmung im Spital ist angenehm, es herrscht eine Du-Kultur unter allen Mitarbeitern. Ich kann ein Chirurgie-Tertial am Kantonsspital Winterthur nur empfehlen!

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Häufige Fragen und Antworten

Eine Bewerbung 1–1,5 Jahre im Voraus erhöht die Chancen auf Wunschfach, Region und Zeitraum deutlich. Zwar werden auch kurzfristig Stellen frei, aber wer klare Präferenzen hat, profitiert von einer frühen Bewerbung über die Portale der Spitäler oder per E‑Mail mit Lebenslauf und Anschreiben.

Unterassistent*innen wohnen meist im Personalwohnheim mit gemeinsamer Küche und Bad; die Zimmer sind funktional und gut ausgestattet. Der Einstieg ist hervorragend organisiert: Am ersten Tag gibt es eine strukturierte Einführung, Diensttelefon, Rundgang und klare Ansprechpartner.

Im OP unterstützt man regelmäßig, näht selbstständig und begleitet Visiten. In der Notaufnahme übernimmt man Wundversorgung, Nähen, Abszessbehandlungen und die eigenständige Betreuung von Patient*innen – immer mit Assistenz‑ oder Oberärztinnen/Oberärzten im Hintergrund. Nachtdienstwochen bieten intensive Lernmöglichkeiten und viel praktische Verantwortung.

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