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München: Ludwig-Maximilians-Universität

Rheumatologie – oder irgendwas mit Gelenken

Alexander Schöllkopf

Wer nur an „Gelenkbeschwerden älterer Menschen“ denkt, unterschätzt die Rheumatologie gewaltig. Während seiner PJ‑Rotation in der Rheuma‑Ambulanz der LMU hat Lokalredakteur Alexander erlebt, wie spannend und vielseitig dieses Fach wirklich ist: komplexe Autoimmunerkrankungen, interdisziplinäre Diagnostik und ein Team, das präzise klinische Detektivarbeit leistet. Sein Erfahrungsbericht zeigt, warum sich ein genauer Blick auf die Rheumatologie lohnt – und weshalb das Fach weit mehr ist als unspezifische Gelenkschmerzen.

Hand umschließt schmerzendes Handgelenk. Roter Schmerzpunkt Handrücken.
© Prostock-studio/stock.adobe.com - Stock photo.

Die Rheumatologie gehört mit etwas mehr als 1.000 Fachärztinnen  und Fachärzten deutschlandweit zu den kleinsten Teilbereichen der Inneren Medizin. An der LMU ist sie der medizinischen Klinik und Poliklinik IV (Med IV) untergeordnet und versorgt Betroffene sowohl im ambulanten als auch im stationären Setting. Das Patientenklientel ist allumfassend: Junge und Alte, Personen jeglichen Geschlechts – alle sind von rheumatischen Erkrankungen betroffen. Lediglich Kinder bekommt man in der Med IV kaum zu sehen. Nicht, weil Kinder nicht an rheumatischen Erkrankungen leiden, sondern weil diese üblicherweise in der Hauner’schen Kinderklinik betreut werden.

Einen guten Eindruck von der Arbeit in der Rheumatologie kannst du erhalten, wenn du dich für ein PJ an der Med IV entscheidest. Hier hast du die Möglichkeit, für einen vierwöchigen Zeitraum in die Rheuma-Ambulanz zu rotieren. Als fester Bestandteil des Teams betreust du dort selbstständig 2-3 der vierteljährlich einbestellten Ambulanzvisiten pro Tag: Vom Anamnese-Gespräch über die körperliche Untersuchung bis hin zur Anordnung von Untersuchungen und der Ausstellung von Rezepten – du entscheidest und führst durch, was du für notwendig hältst. Natürlich wird jeder Fall noch einmal mit jemandem aus dem Ambulanz-Team nachbesprochen, damit du nichts Wichtiges übersiehst. Abgesehen davon arbeitest du aber völlig autark.

Weil mit dem hohen Maß an Selbstständigkeit in der Ambulanz auch ein hohes Maß an Verantwortung einhergeht, empfehle ich zur Vorbereitung eine Wiederholung der Grundlagen rheumatologischer Krankheitsbilder. Insbesondere mit Blick auf Anamnese lohnt es sich außerdem, einen Katalog mit den wichtigsten Fragen für die wichtigsten rheumatologischen Krankheitsbilder zusammenzustellen. Bestimmte Fragen, wie die nach Morgensteifigkeit oder einer Sicca-Symptomatik, gehören zu jeder rheumatologischen Anamnese hinzu. Andere, z.B. eine vermehrte Sonnenempfindlichkeit beim systemischen Lupus erythematodes, sind eher spezifisch und sind eher situativ abzufragen.

Auch auf den Normalstationen der Med IV begegnen dir immer wieder rheumatologische Krankheitsbilder. Sei es eine Riesenzellarteriitis mit Augenbeteiligung, die eine Cortison-Stoßbehandlung verlangt, oder die Erstdiagnose einer Psoriasis-Arthritis mit eindrücklichem Hautbefund – früher oder später bekommt man diese Krankheitsbilder auf jeden Fall in der Med IV zu Gesicht.

Als besonders faszinierend an der Arbeit in der Rheumatologie empfand ich vor allem zwei Dinge: Zum einen arbeitet die Rheumatologie am Zahn der medizinischen Forschung. Nicht nur führt eine rheumatologische Abteilung wie die der LMU selbst Studien zu neuen Medikamenten durch. Neue Therapiemöglichkeiten finden auch schnell Eingang in die alltägliche Arbeit in der Ambulanz und können so den betroffenen Personen zugutekommen.

Zum anderen erzielen einige dieser Therapien derart beeindruckende Ergebnisse, die mich einige Male schier sprachlos staunen ließen. Oft zeigten mir Betroffene Bilder von der Zeit vor der Therapie, sodass ich einen direkten Vergleich mit dem aktuell vorliegenden Befund ziehen konnte. Wer also in einem Bereich arbeiten möchte, der die Lebensqualität von Betroffenen nachhaltig beeinflusst, der ist in der Rheumatologie definitiv an der richtigen Adresse.

Fazit

Ich hoffe, ich konnte dir die Rheumatologie ein wenig schmackhaft machen und vor allem den Irrglauben widerlegen, dass nur alte Menschen mit Gelenkbeschwerden betreut werden. Gerade für Forschungsinteressierte ist die Rheumatologie ein spannendes Fach, da es neben dem klinischen auch wissenschaftliches Arbeiten umfasst. Wenn du dir selbst ein Bild von der Rheumatologie an der LMU machen willst, bewirb dich doch für ein PJ-Tertial an der Med IV oder schreibe das Rheumatologie-Team zwecks der Möglichkeit einer Famulatur direkt an. Meiner Erfahrung nach freut man sich in der Rheumatologie sehr über interessierte Studierende und wird sicherlich versuchen, eine Hospitation möglich zu machen.

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Häufige Fragen und Antworten

Studierende übernehmen in der Rheuma‑Ambulanz eigene Visiten, üben Anamnese, Untersuchung, Diagnostik und Therapieplanung und begegnen vielfältigen Krankheitsbildern.

Man betreut 2–3 Ambulanzvisiten pro Tag weitgehend selbstständig – inklusive Anamnese, Untersuchung, Diagnostik und Rezeptausstellung, immer mit Supervision im Hintergrund.

Besonders für Studierende mit Interesse an Autoimmunerkrankungen, klinischer Detektivarbeit und Forschung. Die Rheumatologie bietet moderne Therapien und hohe Patientenvielfalt.

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