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Lübeck: Universität

Studium in Lübeck – Klischees, Gerüchte und FAQs

Larissa Schuchardt

Du überlegst, in Lübeck zu studieren, aber hast dieses oder jenes gehört, das dich an deiner Entscheidung zweifeln lässt? Lass dich nicht verunsichern - jetzt wird aufgeräumt mit allen Unklarheiten!

Studentin in Lübeck
© Kirill Gorlov/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by a model.

1. Die Uni Lübeck wird geschlossen, also sollte ich mich besser nicht bewerben

Nein, die Uni Lübeck wird nicht geschlossen! Dieses Gerücht hält sich hartnäckig, beruht aber auf veralteten Informationen. Im Jahre 2009 begab es sich allerdings in der Stadt Kiel, dass ein Gebot ausging von der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung, dass der Studiengang Medizin und somit die Grundlage der Universität eingestampft werden sollte. Daraufhin gingen tausende von Lübecker Student*innen, Professor*innen und Bürger*innen auf die Straße und demonstrierten für den Erhalt ihrer Uni. Mit Erfolg! Seitdem wächst und gedeiht die kleine Lübecker Universität und es kommen immer wieder neue Studiengänge hinzu, wie zum Beispiel Psychologie. Das Thema Schließung der Uni ist also schon lange vom Tisch und wird wohl auch in näherer Zukunft nicht wieder aufgerollt werden, da müssten die Politiker und Politikerinnen schon ziemlich lebensmüde sein…

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2. Lübecker Studenten und Studentinnen müssen manchmal nach Kiel pendeln

Auch falsch! Als 2009 die Schließung der Universität debattiert wurde, hätte auch ein Platz für diejenigen Student*innen gefunden werden müssen, die zu diesem Zeitpunkt in Lübeck studierten. Ein mögliches Modell wäre damals gewesen, die Student*innen nach Kiel zu verfrachten, wo mehr Studienplätze eingerichtet hätten werden müssen. Das trifft nun alles nicht mehr zu. Alternativ stammt dieses Gerücht aus der Gründungszeit der Universität – als die Uni vor über 50 Jahren als zweite medizinische Fakultät der Uni Kiel gegründet wurde, waren noch nicht alle Lehrstühle besetzt und Student*innen mussten für kleinere Fächer wie z.B. Augenheilkunde nach Kiel fahren. Da sich die Gesamtzahl der Medizinstudierenden damals allerdings auf unter 100 belief, wurde oft ein gemeinsamer Bus gechartert oder die Kieler Professor*innen kamen selbst aus Kiel angereist. Manchmal brachten sie sogar Patient*innen als Anschauungsbeispiele im eigenen Auto mit! Auch das ist aber wirklich lange her und von daher heutzutage (leider?) kein Thema mehr.

3. Man lernt nur Mediziner und Medizinerinnen kennen, es gibt ja nichts anderes in Lübeck!

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Es stimmt, dass in Lübeck kaum Geisteswissenschaften angeboten werden. Lehrämtler*innen, VWLer*innen oder Sprachstudent*innen sucht man hier vergebens. Die Uni hat ein lebenswissenschaftlich geprägtes Profil, was sich natürlich auch in der Studierendenschaft widerspiegelt. Folgende drei Punkte helfen hier vielleicht weiter: zum einen gibt es in Lübeck noch die FH mit Fächern wie Architektur und Ingenieurswesen, oder die Musikhochschule mit zahlreichen Musiker*innen (ja, hier auch auf Lehramt!). Mögliche Berührungspunkte sind also über die gemeinsamen Partys, WGs oder den Hochschulsport durchaus vorhanden. Zum anderen sollte man sich fragen, ob das an anderen deutschen Unis wirklich besser ist, denn schließlich haben vor allem Mediziner und Medizinerinnen oft ohnehin einen eigenen Campus und glucken gerne mal zusammen. Mit wem kann man sich sonst beim Mittagessen über eklige OP-Erlebnisse unterhalten? Drittens bewahrt die Uni durch ihr Profil gewissermaßen ihren eigenen Charakter: statt Polohemden und Pullundern findet man eher Regenhosen und Gummistiefel...

4. Lübecker Studenten und Studentinnen sitzen bestimmt ständig bei Niederegger

Klar, zu Niederegger geht man, wenn Tante Erna zu Besuch ist und ausgeführt werden will! Schließlich sind das etwas trutschige Plüschdekor und die umwerfenden Torten ein Muss für jeden Lübeck-Besucher/jede Lübeck-Besucherin und daher eine wahre Gelddruckmaschine. Lübecker Student*innen wird man hier jedoch weniger antreffen – die sitzen viel lieber einige Straßen weiter im Kaffeehaus in der Hüxstraße oder in der Engelsbäckerei bei der MH. Ganz bestimmt können sich die Student*innen das aber auch erlauben, denn in der Regel wird alles per Fahrrad oder zu Fuß erledigt, sodass man sämtliche Baumkuchentorten-Kalorien gleich wieder verbrannt hat. Die Lübecker*innen sind (gezwungenermaßen) ein fittes Völkchen!

5. In Lübeck werden um 19 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt

Ja, nun. Lübeck hat zwar 220.000 Einwohner*innen, das Leben spielt sich aber vor allem auf der Altstadtinsel ab – und die ist nur ca. 2 km² groß. Es gibt einige klasse Studierendenkneipen, unter der Woche wird man in Lübeck jedoch wenig rauschende Partys finden. Auch am Wochenende kann es schwierig sein, einfach mal spontan loszuziehen und zu gucken, wo man so landet. Große Studierendenpartys finden ungefähr alle paar Wochen statt. Wer darauf gar nicht verzichten kann, sollte sich vielleicht mit der Zugfahrt nach Hamburg anfreunden (die Fahrt dauert immerhin nur 43 Minuten), oder das Zepter selbst in die Hand nehmen und eine zünftige WG-Party schmeißen.

6. Man kann in Lübeck auch ohne den NC Medizin studieren!

Nein, das ist leider auch falsch. Die Studienplätze für Medizin werden wie an allen anderen staatlichen Unis in Deutschland zentral über das Portal hochschulstart.de zugeteilt. Es gibt jedoch durch diverse Regelungen die Möglichkeit, seinen NC etwas „aufzuwerten“ und dadurch auch mit einem nicht ganz so guten NC genommen zu werden. Das sieht so aus: mithilfe von TMS, Ausbildungen und speziellen außerschulischen Leistungen kann man seinen NC um bis zu 1,0 verbessern. Der NC im Wintersemester 16/17 lag bei 1,1, alle „Verbesserungsmöglichkeiten“ inbegriffen – mit einem Abi von 2,1 hatte man in diesem WS also in Lübeck eine Chance. Dazu kommt, dass 60% der Student*innen über das hochschuleigene Auswahlverfahren (AdH, Auswahlverfahren der Hochschule) aufgenommen werden. Dieses beinhaltet ein Auswahlgespräch, das es der Uni Lübeck ermöglicht, doppelt so viele Abiturienten und Abiturientinnen wie es Studienplätze gibt einzuladen und nach Kriterien außerhalb des NC über eine Aufnahme zu entscheiden. Es werden zum einen also mehr Studenten und Studentinnen  eingeladen, die zum anderen auch einen NC von bis zu 2,1 + Verbesserungen vorweisen können. Eine Garantie für einen Studienplatz gibt es allerdings trotzdem nicht; die Uni Lübeck bemüht sich lediglich, Medizinstudienplätze nach mehr Kriterien als den Abiturleistungen zu vergeben. Für detaillierte Informationen zum AdH kann man hier nachsehen: https://www.uni-luebeck.de/studium/studiengaenge/humanmedizin/bewerben/auswahlverfahren-adh.html

7. Bibliothek und Mensa taugen nichts

Die Unibibliothek wird gerade renoviert! Und wir Studierenden sind jetzt schon gespannt, wie die neuen Räumlichkeiten aussehen werden.
Die Mensa als Teil des Studentenwerk Schleswig-Holsteins hat den gleichen Speiseplan wie die Lübecker MH und FH und die Unis in Kiel, Flensburg etcera. Eine typische Uni-Mensa eben, keine kulinarischen Wunderwerke, dafür solides Essen zu fairen Preisen. Wer’s deftiger braucht, geht eine Etage nach unten in die Cafeteria: dort gibt es nicht nur wirklich günstigen Kaffee und Cookies, sondern auch die sehr beliebte Currywurst, nach der man wirklich, wirklich satt ist. Außerdem gibt es am Campus das Casino im Zentralklinikum, zwei Junge-Filialen, eine Campussuite und den Kiosk im ZK mit genialen Pizza-Döner-Lahmacun-Teigtaschen. Halten wir fest: Bib und Mensa könnten schöner, besser und toller sein, aber es ist okay.

8. Lübeck – liegt das nicht im Osten?

Geographiegenies vor! Lübeck liegt im Bundesland Schleswig-Holstein und damit ganz klar außerhalb der ehemaligen DDR. Allerdings ist die ehemalige Grenze nicht weit, denn der Priwall bei Travemünde war bereits Grenzgebiet. Heutzutage kann man im ehemaligen Sperrgebiet wunderbar spazieren gehen.

9. Was kriegt man eigentlich für den Semesterbeitrag?

Der Semesterbeitrag beträgt 250,80. Darin enthalten sind der Beitrag für Studentenwerk und AStA, das Semesterticket, das landesweite Semesterticket inkl HVV Hamburg und die Grundgebühr für Hochschulsportkurse (genau aufgeschlüsselt unter https://www.asta.uni-luebeck.de/semesterbeitrag.html ). Man kann also den Großteil des Hochschulsportangebots kostenlos nutzen, man kommt mit Bus oder Zug bis nach Travemünde und muss dort keine Kurtaxe bezahlen. Immerhin sind fit bleiben und braun werden also im Semesterbeitrag enthalten.

10. Uni Lübeck - (K)ein prestigeträchtiger Name?

Harvard. Yale. Heidelberg. Münster. Lübeck? Natürlich klingt der Charité-Abschluss edel und ist darüber hinaus in ganz Deutschland bekannt. Kann der verhältnismäßig unbekannte Ruf Lübecks also beim zukünftigen Arbeitgeber von Nachteil sein? In norddeutschen Krankenhäusern steht Lübeck auf jeden Fall für eine solide und gute medizinische Ausbildung; es soll Chefs geben, die gezielt Lübecker Absolventen einstellen, weil sie mit diesen gute Erfahrungen machen. In Süddeutschland ist der Lübecker Name wahrscheinlich aber eher unbekannt. Nichtsdestotrotz hat man eine gute Ausbildung erhalten, und das Wissen um diese verleiht einem im Vorstellungsgespräch Sicherheit und Selbstbewusstsein. Wie wichtig der glanzvolle Name ist, bleibt jedem selbst überlassen.

11. An so einer kleinen Uni gibt es doch wohl kaum Angebote für Wissenschaft und Forschung

Das kann man so wirklich nicht sagen! Durch das flexible Curriculum fertigen rund 70% der Studierenden bereits während des Studiums eine Promotionsarbeit an. Und die Größe der Uni ist weniger ein Hinderungsgrund für das Mitwirken in namhaften Forschungsgruppen als mehr ein Vorteil, denn jedes Interesse an Promotion und Forschung wird freudig begrüßt! Es entsteht wenig Konkurrenz um begehrte Stellen, denn das Angebot ist vielfältig und für jeden ist etwas dabei. Im Vordergrund stehen die drei Forschungsschwerpunkte der Uni: "Gehirn, Hormone und Verhalten", "Infektion und Entzündung" und die Biomedizintechnik. Dazu kommen mehrere nationale und internationale Graduiertenkollegs, also strukturierte Promotionsprogramme, sowie das Exzellenzcluster "Inflammation at Interfaces". Darüber hinaus investiert die Uni Lübeck auch in bauliche Erweiterungen für die Forschung, wie das CBBM (Center for Brain, Behaviour and Metabolism) oder das ZIEL (Zentrum für Infektions- und Entzündungsforschung Lübeck). Auch ein Fraunhofer-Institut ist inzwischen auf dem Campus angesiedelt. Die Forschung wird also auch zukünftig gut dastehen, und dank der kurzen Kontaktwege ist ein Anschluss an renommierte Forschungsgruppen schnell möglich.

12. Und was macht man, wenn gerade kein Weihnachtsmarkt ist?

Klar, die Vorweihnachtszeit in Lübeck ist toll. Der Geruch nach Mutzen (Schmalzgebäck) und Glühwein, die wunderschönen Weihnachtsmärkte, die Kirchen... Aber Lübeck hat rund ums Jahr viel zu bieten, sei es die Wakenitz mit Schwimmen, Kanu- oder Radtouren, ein umfangreiches Kulturangebot, schöne kleine Museen und kopfsteingepflasterte Altstadtsträßchen. Es gibt gemütliche Bars, Cafés und einige klasse Restaurants für jedes Portemonnaie. Lübeck ist unglaublich lebenswert, überzeugt euch selbst! Das viel zitierte "Wohnen, wo andere Urlaub machen" trifft zu hundert Prozent zu.

Häufige Fragen und Antworten

Lübeck bietet eine familiäre Campusatmosphäre, kurze Wege und eine hohe Lebensqualität in einer historischen Stadt mit Nähe zur Ostsee.

Neben Humanmedizin gibt es Studiengänge wie Medizinische Ingenieurwissenschaft, Informatik und weitere naturwissenschaftliche Fächer.

Studierende können sich über das Studentenwerk, WG-Portale oder lokale Wohnungsbörsen nach Zimmern und Wohnungen umsehen.

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