Na, Jena!
Zwischen Bib-Marathons und Klausurkrisen – wie aus wilden Studienanfängen enge Freundschaften wurden und das Physikum plötzlich zum Greifen nah ist.

„Jena?“, werde ich oft gefragt. „Wo liegt denn das?“ An die Reaktion bin ich gewöhnt, wenn ich von meiner Studi Stadt erzähle. Auf den skeptischen Blick, der folgt, sobald die Antwort „in Thüringen“ fällt, inzwischen auch.
Zugegebenermaßen hatte ich auch sehr wenig Ahnung von der Stadt, als ich vor weniger als zwei Jahren bei Hochschulstart auf „Angebot annehmen“ geklickt habe. Der richtige Start war dann tatsächlich auch etwas holprig. Denn obwohl Jena den meisten kein Begriff zu sein scheint, ist auch hier der Wohnungsmarkt hart umkämpft. Gerade zum Semesterstart macht sich die Leerstandsquote von nur 1,7 % deutlich bemerkbar. Durchaus verständlich, wenn man entlang der Saale durch den grünen Paradiespark, die charmante Innenstadt und das ruhige Altstadt-Damenviertel spaziert. Nicht selten hat das heiß begehrte Pflaster zum Semesterstart da folglich zu der ein oder anderen abenteuerlichen Wohnsituation geführt. Ich selbst hatte das Glück, innerhalb eines Kurztrips hierher ein Zimmer zu ergattern und mir die erneute Anreise aus meiner weit entfernten Heimatstadt Hamburg zu ersparen.
Doch auf frisch gebackene Erstis wartete, wie in anderen Städten natürlich auch, noch eine Vielzahl weiterer Herausforderungen, die mit dem Studium dann erst so richtig anfangen. Ich kann mich noch gut an die verzweifelten Gesichter erinnern, als der Großteil von uns – ambitioniert wie wir waren – gleich als erstes am Chemie Vorkurs teilnahm, schließlich gehörte ich auch dazu. Das konnte ja was werden. Und das Gefühl nahm die nächsten Wochen auch erst mal nicht ab und blieb ehrlicherweise fast bis zum Ende des ersten Semesters.
Trotz allgegenwärtiger Überforderung gingen wir anfangs fleißig zu allen Vorlesungen, ergatterten dabei noch die letzten Plätze oder saßen zur Not auch mal die volle Zeit auf der Hörsaaltreppe. Ein durchaus guter Aussichtspunkt, um seinen Blick mal neugierig durch die Reihen der insgesamt 286 Neuzugänge schweifen zu lassen. Dabei stellte sich auch mehr und mehr raus wie unterschiedlich jeder studierte. Es wurde getippt, geschrieben, gespielt, geshoppt und natürlich geschlafen. Verständlich, denn das erste Semester Medizin in Jena habe ich auch immer noch als sehr sportlich in Erinnerung.
Auf dem Stundenplan standen Bio, Chemie, Physik, Terminologie, Anatomie und später auch die Histologie. Dazu kamen noch Praktika und die allgemein gefürchteten Anatomietestate. Zusammen mit dem heillosen Durcheinander aus Wohnortwechsel und neuen Freunden, lagen dort nicht selten die Nerven blank. Rückblickend war es aber vielleicht gerade genau das, was uns Medizinstudierende in Jena so zusammenschweißt. Ich bin noch immer mit meinen Freunden aus den Anfangszeiten eng befreundet, auch wenn wir uns durch nie enden wollende Tage in der Bib und scheinbar hoffnungslose Klausurenphasen gequält haben. Und auch wenn ich am Anfang nie gedacht hätte, wie schnell die Zeit verfliegen kann, finde ich mich auf einmal im 4. Semester auf letzten Metern in Richtung Physikum und gucke schon stolz auf die nächste Generation Erstis.
Jena bietet eine familiäre Atmosphäre, kurze Wege und eine enge Vernetzung unter Studierenden. Die Stadt ist grün, lebendig und hat eine charmante Altstadt.
Neben dem schwierigen Wohnungsmarkt sind die ersten Semester sehr anspruchsvoll: Bio, Chemie, Physik, Anatomie und Praktika prägen den Alltag.
Durch Vorkurse, gemeinsame Lernphasen und die aktive Fachschaft entstehen schnell Kontakte. Viele Studierende berichten von einem starken Zusammenhalt.