Patientenpraktika an der HHU
Im Zuge des Düsseldorfer Modellstudiengangs gibt es mit den Patientenpraktika 1-3 eine weitere Besonderheit, die – soweit ich weiß – nicht an alle Universitäten so üblich ist. Deshalb lohnt es sich, mit diesem Artikel einen Blick darauf zu werfen.

Generelles
Seit dem ersten Semester besuchen alle Medizinstudierenden der HHU den Famulaturreifekurs, bei dem Studierende aus höheren Fachsemestern als Tutor*innen fungieren und mit jeweils zehn Studierenden verschiedene Untersuchungen durchgehen sowie die unterschiedlichen Anamneseformen erlernen. In diesen Vorbereitungskursen üben wir aneinander in einem geschützten Raum, wie wir eine Schmerzanamnese erheben, ein Knie untersuchen, oder eine Lunge abhören. Dazu gibt es das Famulaturskript, in dem zu jeder Untersuchung alle erforderlichen Schritte ausführlich erklärt werden. Fast jeder Themenblock enthält ein paar Pflichttermine, die passend zu den Themen des jeweiligen Blocks sind. Dort wird pro Termin eine Untersuchung / eine Anamneseform besprochen und geübt. So findet die Abdomenuntersuchung passend zu TB 5 im dritten Semester statt. Das große Finale des Famulaturreifekurses ist dann der praktische Teil des Physikums, welcher in Düsseldorf nach den ersten drei Studienjahren absolviert wird. Bei der sogenannten OSCE (= Objective Structured Clinical Examination) müssen in einer Stunde zehn Stationen durchlaufen werden und zufällig zugewiesene Untersuchungen und Anamnesen durchgeführt werden. Aber bis dieser Punkt erreicht ist, müssen unter anderem auch die Patientenpraktika erfolgreich absolviert werden.
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Patientenpraktikum 1
In der vorlesungsfreien Zeit nach dem zweiten Semester findet das Patientenpraktikum 1 (kurz PP1) statt. Hier sollen die Studierenden ihre – zugegebenermaßen noch ziemlich limitierten Untersuchungskenntnisse und Anamneseskills – erstmalig an echten Patient*innen anwenden. Der oben erklärte Famukurs bildet die Grundlage. Das Praktikum findet in von der HHU akkreditierten Lehrpraxen statt. Diese befinden sich in Düsseldorf und in den umliegenden Städten und Gemeinden. In einem zweistufigen Verfahren können die Praxen einige Zeit vor Praktikumsbeginn belegt werden.
Zusätzlich müssen täglich Aufgaben auf unserer Lernplattform Ilias hochgeladen werden. Jede*r Studierende bekommt einen weiteren Arzt als Tutor*in für das eLogbuch zugeteilt. Dieser liest sich die Abgaben durch, stellt bei Bedarf Rückfragen und bewertet diese auch. Ich durfte in meinem PP1 leider nicht viele Patient*innen selbstständig untersuchen und musste deshalb viel zuschauen. Generell kommt es sehr auf den/die Lehrarzt/Lehrärztin an, wie viel man machen darf, wie intensiv man in das Praxisgeschehen eingebunden wird und wie interessant die Erfahrung wird.
Patientenpraktikum 2
Im vierten Semester geht es weiter mit dem PP2. Diesmal ist das Praktikum in das Semester, genauer gesagt in TB7, eingebettet. Wöchentlich haben verschiedene Großgruppen ihr PP2, dabei laufen die Vorlesungen aber normal weiter. Trotzdem muss das eLogbuch wieder befüllt werden. Mir hat das PP2 auf jeden Fall besser gefallen, weil ich mehr machen durfte und weil wir in der Zwischenzeit weitere körperliche Untersuchungen im Famukurs besprochen haben, die ich anwenden konnte. Zudem habe ich einfach schon ein bisschen mehr verstanden und konnte den Gesprächen besser folgen.
Außerdem muss am Ende des PP2 noch eine kleine Prüfung, „die MiniCEX“ absolviert und bestanden werden. Damit erhält man die Famulaturreife, also die Erlaubnis, dass man bereits in der vorlesungsfreien Zeit nach dem vierten Semester mit einer Famulatur starten kann, auch wenn wir das Physikum erst nach dem sechsten Semester machen werden. Dadurch haben wir keine Nachteile im Vergleich zu Studierenden im Regelstudiengang und genügend vorlesungsfreie Zeiten zwischen den Semestern, um die vier Famulaturen unterzubringen.
Patientenpraktikum 3
Im dritten Studienjahr, genauer im Block TB 10/ SB 2, besuchen wir erneut eine Lehrpraxis im PP3. Diesmal handelt es sich um zwei Wochen, die wie ein Praxisblock im Semester stattfinden. Glücklicherweise finden parallel keine Vorlesungen statt. Allerdings gibt es auch hier natürlich wieder Aufgaben, die im eLogbuch hochgeladen werden müssen. Mir persönlich hat das PP3 mit Abstand am besten gefallen, einfach weil ich am meisten verstanden habe, die Medikamente auch – größtenteils zumindest – ihrer Gruppe zuordnen konnte und einfach am meisten mitdenken konnte. Zum Abschluss muss nach jedem Patientenpraktikum ein Selbstbewertungsbogen ausgefüllt werden, auf dem man selbst und der/die Lehrarzt/Lehrärztin für einen ankreuzt, wie sicher man sich in Bezug auf bestimmte Fähigkeiten fühlt. Es ist auf jeden Fall ziemlich cool zu sehen, wie man sich allmählich immer weiter verbessert.
Tipps
Hier noch ein paar Hinweise, die mir geholfen haben:
Wenn eine Praxis gut war und euch gefallen hat, dann geht dort ruhig nochmal hin. Man hat nämlich den Vorteil, dass in der ersten Belegungsphase diejenigen Praxen wählen dürfen, die schon einmal dort waren. Vor allem wenn es eine gute Erfahrung war, dann ist die Konkurrenz nicht so hoch und man bekommt einfacher den guten Platz. Leider kann ich aus Erzählungen von Mitstudierenden sagen, dass sich die Qualität der Lehre und die Praktikumsbedingungen schon deutlich zwischen den einzelnen Lehrpraxen unterscheiden kann. Gerade deshalb sollte man in Erwägung ziehen, ob man nach einer positiven Erfahrung nochmal zur gleichen Praxis geht oder das Risiko eingeht, zu einer schlechteren Praxis zu kommen.
Wenn ihr nicht direkt aus Düsseldorf kommt, verkehrstechnisch mobil seid oder bereit seid, einen etwas weiteren Weg auf euch zu nehmen, dann kann es sinnvoll sein, sich die Praxen außerhalb von Düsseldorf anzuschauen. Dort ist die Konkurrenz meist ein wenig geringer und es kann einfacher sein, einen Platz zu bekommen.
Ich fand es sehr hilfreich, vor einzelnen Patientenpraktika, besonders wenn man etwas außer Übung ist, die einzelnen Untersuchungen nochmal zu üben. Entweder bieten sich hier Familienmitglieder oder Mitbewohner*innen an oder man schnappt sich einfach ein paar Kommiliton*innen und geht die einzelnen Schritte nochmal gemeinsam durch.
Haltet die Deadlines für das eLogbuch ein. Ich weiß, das hört sich total langweilig ein, aber es macht euer Leben so viel einfacher, wenn ihr die geforderten Dokumente fristgerecht abgebt und nicht auf einmal Nachrichten von den Mitarbeiter*innen des Instituts für Allgemeinmedizin (ifam) bekommt.
Dann kann ich euch noch empfehlen, euch einfach auf die Situation einzulassen. Es ist auch einfach eine coole Möglichkeit, Einblicke in einen möglichen Karrierebereich zu erhalten. Außerdem machen viele Allgemeinmediziner*innen besondere Aufgaben, die über die reguläre Zeit in der Praxis hinausgehen. So war ich mit auf Hausbesuchen oder konnte im Zuge der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) schwerstkranke Patient*innen besuchen. Seid ein bisschen neugierig und stellt viele Fragen.
Ausblick
Wenn ihr euch jetzt fragt, ob diese drei Patientenpraktika alle Berührungspunkte mit der Allgemeinmedizin im Studium darstellen, dann ist die schnelle Antwort, dass dies nicht der Fall ist. Einerseits muss bis zum zweiten Staatsexamen eine dreißigtägige Famulatur beim Hausarzt, beziehungsweise wie es die Approbationsordnung vorschreibt, in einer Einrichtung der hausärztlichen Versorgung, absolviert werden. Andererseits gibt es im fünften Studienjahr noch das Blockpraktikum Allgemeinmedizin, welches erneut zwei Wochen umfasst.
Der Famulaturreifekurs wird von allen Medizinstudierenden der HHU seit dem ersten Semester besucht. Dort zeigen Tutor:innen aus höheren Semestern in kleinen Gruppen Untersuchungen und Anamneseformen. Die Studierenden üben diese Fähigkeiten gegenseitig in einem geschützten Rahmen und nutzen ein Skript, in dem alle Schritte erklärt sind. Der Kurs bereitet auf praktische Prüfungen wie die OSCE sowie auf die Patientenpraktika vor.
Das PP1 findet nach dem zweiten Semester in der vorlesungsfreien Zeit in Lehrpraxen statt, wo erste Erfahrungen mit echten Patient*innen gesammelt werden. Im PP2 im vierten Semester ist das Praktikum ins Semester integriert, und es wird zusätzlich eine Prüfung (MiniCEX) abgelegt, die zur Famulatur berechtigt. Das PP3 dauert zwei Wochen im dritten Studienjahr, findet ohne parallele Vorlesungen statt und ermöglicht ein tieferes Verständnis durch mehr praktische Erfahrung.
Während aller Patientenpraktika müssen regelmäßig Aufgaben im eLogbuch auf der Lernplattform hochgeladen werden. Diese werden von einem zugeteilten Arzt oder einer Ärztin als Tutor gelesen, kommentiert und bewertet. Das Einhalten der Deadlines ist wichtig, da es den Ablauf erleichtert und Probleme vermeidet.