Das fünfte Semester an der HHU – eine Mischung aus Vorklinik und Klinik
Zwischen Anaerobiern, Antibiotika und Antikörpern – in diesem Semester ist vieles zunächst neu und herausfordernd. Erfahre, wie du dir den Weg durch das Labyrinth an Pflichtveranstaltungen, Fallbearbeitungen und Praxisblöcken bahnst.

Kurze Einordnung
Seit dem Wintersemester 2025/2026 gibt es ein modifiziertes drittes Studienjahr, wodurch die Verknüpfungen zwischen Theorie und Praxis verbessert und der Lernaufwand gleichmäßiger über das jeweilige Semester verteilt werden soll. Die Studierenden durchlaufen in zwei Schienen je einen großen kombinierten Studien- und Themenblock pro Semester. Diejenigen aus Schiene 3.1 beginnen im Wintersemester mit dem Block KDHDT (= Klinisches Denken und Handeln in Diagnostik und Therapie) und belegen im Sommersemester dann den neuen zusammengelegten Block SB2/ TB10 (= Interdisziplinäre Entscheidungen + Infektion und Abwehr). Da ich allerdings in der Schiene 3.2 bin, durchlaufe ich zuerst SB2/ TB10 und nun im Sommersemester 2026 den Block KDHDT. Deshalb wird es im Folgenden ausschließlich um die Inhalte und meine Erfahrungen aus SB2/ TB10 gehen. Die Reihenfolge kann je nach Gruppe leicht variieren.
TB 10 behandelt die Themen Infektion und Abwehr und besteht aus drei Fächerkomplexen: der Immunologie/ Infektiologie, der Pharmakologie und der Mikrobiologie/Virologie/Hygiene. Hier geht es vor allem um Erreger wie Bakterien, Pilze und Viren, die dadurch ausgelösten Krankheiten und die Medikamente, mit denen diese Infektionen beseitigt und eingedämmt werden können.
SB 2 wirkt auf den ersten Blick ein wenig diffus, denn hier spielen die Fächer Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, nochmal ein bisschen Mikrobiologie/Virologie/Hygiene sowie Pharmakologie, Klinische Chemie und Innere Medizin eine Rolle. Die Innere Medizin lässt sich nochmal in Gastroenterologie und Diabetologie unterteilen.
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Semesterbeginn
Ich hoffe, die Erklärungen waren bis hierhin verständlich. Falls nicht, dann seid ihr damit mit Sicherheit nicht allein, denn so geht es dem Großteil von uns, als am Montag, den 13.10.2025, unser fünftes Semester an der HHU beginnt. Ein bisschen fühle ich mich wieder wie ein Ersti, denn genau wie vor zwei Jahren, ist auf einmal fast alles wieder neu. Nachdem das Studium die ersten zwei Jahre einen gleichmäßigen Rhythmus aufwies, (8 Wochen Themenblock A – Klausur 1 – 8 Wochen Themenblock B – Klausur 2) werden im dritten Jahr die Karten neu gemischt. Neues Schienensystem, ein modifiziertes drittes Studienjahr, neue Klein- und Großgruppen, neue Fragenformate, jetzt zwei Abschlussklausuren am Ende des Semesters und viele weitere Veränderungen.
Zum Glück findet als erstes eine Informationsveranstaltung statt, in der alle auf den gleichen Stand gebracht werden. Danach fängt die Vorlesungswoche des Blocks SB2 an, in der wir eine bunte Mischung an Vorlesungen aus allen an SB2 teilnehmenden Fächern erhalten. Ziel ist es, uns einen Grundstock an Wissen für die anschließenden Wochen mitzugeben, denn dort stehen mit den ersten Fallbearbeitungen und Praxisblockwochen unsere ersten klinischen Annährungsmomente an.
Fallbearbeitungen
Bei den regulären Fallbearbeitungen bekommen wir eine*n Tutor*in zur Seite gestellt, der*die im höheren Semester Medizin studiert und uns als Ansprechpartner*in zur Seite steht. Zu Beginn der Woche wird uns eine Simulationsperson zugeteilt, der*die einen Fall überzeugend schauspielert. In der ersten Woche ist es bei uns das Thema Diabetes mellitus. Hier müssen wir nicht nur die Anamnese durchführen und die Person untersuchen, sondern wir bekommen auch passende Laborwerte und Untersuchungsbefunde vorgelegt. Daraus müssen wir als Fachärzt*innen einen interdisziplinären Arztbrief erstellen und anhand dessen unseren Fall am Ende der Woche vorstellen. Danach teilen wir den Schauspielpatient*innen mit, was wir herausgefunden haben und welche Therapie wir als sinnvoll erachten. Das Ziel ist es hier, partizipativ eine Entscheidung zu treffen. Abgesehen davon empfinde ich die Fallbearbeitungswochen als angenehm, da wir keine Vorlesungen haben und es dementsprechend nicht so viel neuen Inhalt gibt.
TB 10 Wochen
Nach dem ersten Praxisblock folgen drei Wochen, in denen wir morgens Vorlesungen und nachmittags Seminare besuchen. Klassisch vorklinisch trifft es vermutlich ganz gut. In diesen Wochen finden die ersten Mikrobiologiepraktika statt, in denen ihr mal wieder einen Drei-Ösen-Ausstrich machen dürft, aber auch andere Identifikationstests wie den Koagulase-Nachweis oder die ominöse Ziehl-Neelsen-Färbung ausprobieren könnt. Hier kann ich euch empfehlen, sehr pünktlich zu erscheinen, denn wenn ihr zu spät kommt, kann es sein, dass ihr am Kurstag nicht mehr teilnehmen dürft und einen Fehltermin erhaltet. Deshalb schaut Euch den Stundenplan genau an, zu welcher Viertelstunde die jeweiligen Termine beginnen. Generell gilt es, sich in diesen Wochen nicht verrückt machen zu lassen, denn es ist zwar super viel Input, aber irgendwie findet man schon die Zeit in den anschließenden Wochen alles zu sichten und nachzuarbeiten.
Patientenpraktikum 3
Daraufhin folgt eine erneute Praxisphase, zuerst verbringe ich zwei Wochen im Zuge des dritten Patientenpraktikums (PP3) beim Hausarzt, bevor eine weitere Praxisblockwoche stattfindet, in der wir auf verschiedene Krankenhäuser und Stationen verteilt sind. Im PP3 müssen wie bei den vorherigen Patientenpraktika täglich Übungen hochgeladen und freigeschaltet werden. Hierbei geht es dieses Mal unter anderem um die Themen Impfen, U-Stix oder um die verschiedenen Disease-Management-Programme (DMP) bei chronischen Erkrankungen. Ansonsten kann ich für mich konstatieren, dass es das spannendste Patientenpraktikum war; einfach, da ich am meisten verstanden hatte und somit die Informationen viel besser zuordnen und länger mitdenken konnte. Generell ist es ein cooles Gefühl, zu merken, dass das eigene Wissen im Vergleich zum letzten Mal gewachsen ist und sich das ganze Lernen doch irgendwo auszahlt.
Semesterendspurt im neuen Jahr
Nach der zweiten Woche Fallbearbeitung - diesmal zum Thema Lebererkrankungen - kommt in meinem Semesterverlauf die Weihnachtspause, die ich zur Erholung und zur Aufarbeitung vergangener Themen verwendet habe. Im neuen Jahr geht es quasi direkt in den Semesterendspurt, wir haben die letzten Mikrobiologie-/ Virologie- und Pharmaseminare, beschäftigen uns mit Malaria, lernen, warum man schwanger besser keinen Mettigel verspeist und dass es ganz schön viele verschiedene Wurmarten gibt, die den Menschen befallen können. Zudem durchlaufen wir die dritte Fallbearbeitung, diesmal allerdings ohne einen studentische*n Tutor*in. Das Prinzip ist ziemlich ähnlich, es geht um Infektionserkrankungen und wieder dürfen wir an Schauspielpatient*innen unsere ärztlichen Fertigkeiten trainieren.
Glücklicherweise haben wir die Woche vor den Klausuren keinerlei Pflichtveranstaltungen mehr, sodass wir uns halbwegs in Ruhe auf die Prüfungen vorbereiten können. Diese werden an zwei Tagen geschrieben, bei uns liegt ein Tag Pause dazwischen.
Gut zu wissen
An dieser Stelle möchte ich gerne darauf aufmerksam machen, dass ihr nach Möglichkeit die Evaluationsmöglichkeiten nutzt, die Euch zur Verfügung gestellt werden. Ich glaube, es ist total wichtig, dass wir Studierenden unsere Eindrücke und Meinungen teilen, damit die Inhalte und die Organisation verbessert werden können und ich denke, dass es für nachfolgende Studierende nur besser werden kann, wenn möglichst viel Feedback vorhanden ist.
Für mich war der Austausch mit Mitstudierenden wieder der springende Punkt, der mich durch die Lernzeit gebracht hat. Frei nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“ ist es erleichternd zu merken, dass da Menschen sind, die genauso hadern und ebenfalls ab und zu ein bisschen verzweifeln, die einen ein Stück mitziehen können, wenn man gerade vor eine Wand läuft, um dann ein paar Tage später selbst jemand anderem helfen zu können. Zusammen sind wir einfach weniger allein und im Kollektiv macht es doch mehr Spaß.
Beim Lernen habe ich wie die vorherigen Semester hauptsächlich mit Anki gelernt. Das hat für mich gut funktioniert, weil wir in SB2/TB10 viele Informationen einfach stumpf auswendig lernen müssen und man durch den Algorithmus von Anki all diese Fakten regelmäßig aktiv wiederholen muss. Sonst ist es natürlich immer hilfreich herauszubekommen, worauf die Dozierenden einen besonderen Fokus legen oder sich mit Studierenden aus den höheren Fachsemestern auszutauschen. Einige Referierende haben Beispielfragen in ihren Vorlesungsfolien – daraus kann meistens ja schon ganz gut abgeleitet werden, in welche Richtung die Fragen gehen können.
Außerdem ist es noch wichtig, zu wissen, dass es nun auch Multiple Select Fragen gibt. Hier werden vier Aussagen gegeben und bei jeder muss man sich entscheiden, ob diese richtig oder falsch ist. Bei einem Fehler bekommt man noch einen halben Punkt, bei zwei oder mehr Falschantworten gibt es keinen Punkt.
Zusammenfassung
Insgesamt kann ich bestätigen, dass das fünfte Semester für mich ein sehr intensives und aufwendiges Semester war, das definitiv meine Disziplin und mein Durchhaltevermögen gefordert und gefördert hat. Ich fand es nicht unbedingt schwer zu verstehen, aber von der Menge an Informationen war es einfach sehr viel und vor allem das war zu Beginn ziemlich überfordernd. Deshalb glaube ich, dass es das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben und sich nicht verrückt machen zu lassen. Schließlich haben wir es alle bis hierhin geschafft, warum sollte es nun ausgerechnet nicht funktionieren? Ich weiß, dass das einfacher gesagt als getan ist, aber glaubt ein bisschen an euch selbst!