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Die 5 US‑Residencies mit den besten Chancen auf einen Platz

Max Lippert

Welche US‑Fachrichtungen bieten die besten Chancen auf einen Residency‑Platz – und warum ist „leicht“ nicht gleich „einfach“? Lokalredakteur Max nimmt dich mit in die Welt der amerikanischen Facharztausbildung und zeigt, wo Bewerber*innen überraschend gute Karten haben. Ein Blick hinter die Kulissen, der sich lohnt.

Ärztinnen mit verschränkten Armen im Kittel mit Stethoskop.
© makyzz/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by models.

Bedeutet leichteste Fachrichtung auch Schlechteste?

Kurz und knapp: Nein! Der Ausdruck „leichteste Fachrichtung“ bezieht sich ausschließlich auf die Wahrscheinlichkeit, einen Residency‑Platz zu erhalten. Er sagt nichts über die fachliche Schwierigkeit oder die Qualität der Ausbildung aus.

Allerdings gilt: Renommierte Kliniken mit exzellenten Residency‑Programmen haben einen deutlich höheren Bewerberandrang als kleinere, eher ländliche Häuser. So hat man im Fach Emergency Medicine grundsätzlich sehr gute Chancen auf einen Platz, weil viele Stellen unbesetzt bleiben. Schaut man jedoch auf das renommierte Emergency Medicine Residency Program der Harvard‑Kliniken – das unter anderem den heutigen NASA‑Astronauten und ehemaligen US Navy SEAL Johnny Kim hervorgebracht hat – wird schnell klar, dass die Anforderungen dort um ein Vielfaches höher sind als an einem mittelgroßen Grundversorger in Nebraska.

Nichtsdestotrotz ist es in vielen dieser Fachrichtungen oft nicht notwendig, umfangreiche extracurricularen Leistungen wie Forschung, Publikationen, zusätzliche Famulaturen oder freiwillige Praktika vorzuweisen, um realistische Chancen zu haben. Da es häufig genügt, einen bestanden USMLE Step 2‑Score vorzulegen, werden hier bewusst keine spezifischen Punktzahlen genannt. Die folgenden Fachrichtungen sind zudem nicht in einer bestimmten Reihenfolge aufgeführt.

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Family Medicine/Allgemeinmedizin

Ähnlich wie in Deutschland arbeiten viele Absolventinnen der Family Medicine später in einer Praxis und bilden als Hausärztinnen einen zentralen Pfeiler der medizinischen Grundversorgung. Besonders in ländlich geprägten Regionen werden Family Physicians dringend gesucht. Mit einer durchschnittlichen Ausbildungsdauer von drei Jahren ist man deutlich schneller Fachärzt*in als im deutschen System. Typische Fellowships in Family Medicine umfassen Geriatrie, nichtoperative Sportmedizin, konservative Sportmedizin und Palliativmedizin.

Durch die überwiegende Tätigkeit in der Arztpraxis sind die Arbeitszeiten gut kalkulierbar. Überstunden durch Notfälle oder Nacht‑ und Wochenenddienste fallen nur selten an, was Family Medicine zu einer der familienfreundlichsten Fachrichtungen macht.

Mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von rund 280.000 US‑Dollar gehört Family Medicine zwar zu den eher niedriger vergüteten Fachgebieten in den USA. Dafür profitieren Ärzt*innen von einer sehr guten Work‑Life‑Balance und haben ausreichend Zeit für Privatleben und Freizeitaktivitäten.

Pediatrics/ Kinderheilkunde

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Viele größere und mittelgroße US‑Kliniken können ihren Bedarf an neuen Assistenzärztinnen im Bereich Pediatrics nicht jedes Jahr vollständig decken. Für junge Absolventinnen ist das ein großer Vorteil, da sie für einen guten Pediatrics‑Residency‑Platz häufig weder das County noch den Bundesstaat wechseln müssen – etwas, das in kompetitiveren Fachrichtungen keineswegs selbstverständlich ist. Die meisten Pediatrics‑Residencies dauern überschaubare drei Jahre.

Fellowships bzw. Subspezialisierungen entsprechen weitgehend dem deutschen System, darunter Pediatric Cardiology, Pediatric Nephrology, Pediatric Neurology, Neonatology und viele weitere.

Mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 220.000 bis 250.000 US‑Dollar liegt Pediatrics am unteren Ende der ärztlichen Gehaltsstruktur in den USA. Ein Grund dafür sind die im Vergleich zu Erwachsenen schlechter vergüteten Procedures, über die Krankenhäuser einen Großteil ihrer Einnahmen generieren.

Durch ein Fellowship können jedoch deutlich höhere Gehälter erzielt werden. So erreichen erfahrene Kinderkardiologinnen oder Neonatologinnen Einkommen von bis zu 350.000 US‑Dollar.

Internal medicine/ Innere Medizin

Die Innere Medizin bildet einen der wichtigsten Grundpfeiler der medizinischen Versorgung in den USA. Entsprechend bietet nahezu jede US‑Klinik ein Internal Medicine Residency Program an, um den hohen Bedarf an internistischer Betreuung zu decken. Internal Medicine gilt zudem als das IMG‑freundlichste Fachgebiet, was bedeutet, dass ausländische Ärzt*innen hier besonders gute Chancen auf einen Residency‑Platz haben.

Die Weiterbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann jedoch durch Fast‑Track‑Programme auf vier bis fünf Jahre erweitert werden. In diesen Programmen wird parallel bereits eine Subspezialisierung absolviert, beispielsweise im Bereich Cardiology.

Das Gehalt von Attendings (Fachärzt*innen) liegt durchschnittlich bei 300.000 bis 350.000 US‑Dollar, je nach Quelle. Mit einer Subspezialisierung – insbesondere im interventionellen Bereich – kann das Einkommen jedoch auf über 500.000 US‑Dollar steigen.

Emergency Medicine/ Notfallmedizin

Emergency Medicine wäre eigentlich einen eigenen Artikel wert, denn im Gegensatz zu den USA gibt es in Deutschland zwar die Weiterbildung zum Notarzt für präklinische Notfälle und inzwischen auch die innerklinische Akutmedizin – aber keinen eigenständigen Facharzt für Notfallmedizin. Der amerikanische Emergency‑Medicine‑Facharzt behandelt hingegen das gesamte Spektrum notfallmedizinischer und nicht‑notfallmedizinischer Erkrankungen, die in einer US‑Notaufnahme vorgestellt werden. Bei komplexen Fällen oder speziellen Procedures wird ein weiterer Facharzt hinzugezogen, um eine optimale Versorgung sicherzustellen. So ist es völlig normal, dass bei schweren Traumapatienten sowohl Emergency‑Medicine‑Physicians als auch Trauma Surgeons gemeinsam behandeln. Dadurch entwickelt man ein außergewöhnlich breites klinisches Wissen: von Augenverletzungen über Bauchschmerzen, Frakturen, Schlaganfälle und Kindernotfälle bis hin zu Geburten – vieles wird selbst durchgeführt, da nicht immer sofort ein Spezialist verfügbar ist.

Die Weiterbildungszeit beträgt 3–4 Jahre, wobei viele große Kliniken inzwischen auf ein 4‑Year‑Residency‑Program umgestellt haben. Ein Beispiel ist die Mayo Clinic in Rochester (Minnesota). Das zusätzliche Jahr schafft mehr Raum für Forschung und ermöglicht es, eigene fachliche Interessen zu vertiefen, um sich erfolgreich auf kompetitive Emergency‑Medicine‑Fellowships zu bewerben. Zu den möglichen Fellowships gehören unter anderem Emergency Medical Services, Emergency Ultrasound, Toxicology, Pediatric Emergency Medicine, Wilderness Medicine, Simulation Training und Sports Medicine (nichtoperative Sportmedizin).

Durch den Schichtdienst in der Notaufnahme entstehen selten Überstunden, was Emergency Medicine zu einer familienfreundlichen Fachrichtung macht. Die wöchentliche Arbeitszeit liegt häufig unter 45 Stunden.

Das Jahresgehalt bewegt sich mit 350.000–400.000 US‑Dollar im Mittelfeld der US‑Arztgehälter. Durch die vergleichsweise geringe Arbeitszeit ergibt sich jedoch ein sehr attraktiver Stundensatz.

Trotz guter Work‑Life‑Balance und solidem Einkommen zählt Emergency Medicine zu den Fachrichtungen mit erhöhtem Risiko für Burn‑out und Suizid. Ursache sind vor allem die hohe Belastung in der Notaufnahme sowie die regelmäßige Konfrontation mit schweren Schicksalen und Todesfällen.

Pathology/ Pathologie

Pathology gilt als das Fachgebiet, in dem es am leichtesten ist, einen Residency‑Platz zu bekommen. Ähnlich wie in Internal Medicine und Pediatrics gibt es zu wenige Bewerber, um jedes Jahr alle Stellen besetzen zu können. Ein Hauptgrund dafür ist der geringe bis fehlende Patientenkontakt – viele angehende Ärzt*innen möchten später patientennah arbeiten und entscheiden sich daher gegen die Pathologie.

Die Arbeitszeiten sind überschaubar, und insgesamt bietet das Fach eine sehr gute Work‑Life‑Balance. Wer gerne forscht, ist hier ebenfalls richtig, da die meisten Pathology‑Residencies wissenschaftliches Arbeiten ausdrücklich unterstützen oder sogar wünschen.

Fellowships gibt es unter anderem in Oncohistopathology, Cytopathology, Transfusion Medicine, Neuropathology und Dermatopathology.

Das durchschnittliche Jahresgehalt liegt bei etwa 300.000 US‑Dollar, mit deutlich höheren Einkommen je nach Subspezialisierung und Erfahrung.

Fazit

Wer eine dieser Fachrichtungen spannend findet und sich vorstellen kann, die Facharztausbildung in den USA zu absolvieren, den möchte ich ausdrücklich ermutigen. Natürlich ist es herausfordernd, neben dem deutschen Staatsexamen auch die drei US‑amerikanischen Prüfungen zu bestehen. Doch wer seinen Horizont erweitern möchte und eine echte berufliche wie persönliche Herausforderung sucht, für den kann dieser Weg unglaublich lohnend sein.

Wer hingegen nicht mehrere Jahre in den USA leben möchte, aber trotzdem Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem gewinnen will, dem empfehle ich einen Forschungsaufenthalt oder ein Observership. Dafür ist kein US‑Staatsexamen nötig – und beides lässt sich bereits in 1–2 Monaten realisieren.

Häufige Fragen und Antworten

Der Begriff bezieht sich ausschließlich auf die Wahrscheinlichkeit, einen Residency‑Platz zu erhalten – nicht auf die fachliche Schwierigkeit oder Qualität der Ausbildung.

Als besonders IMG‑friendly gelten Internal Medicine, Pediatrics, Family Medicine, Emergency Medicine und Pathology, da viele Kliniken hier regelmäßig unbesetzte Stellen haben.

Für viele dieser Fachrichtungen reicht oft ein bestandenes USMLE Step 2‑Ergebnis. Extracurriculare Leistungen wie Forschung oder Publikationen sind hilfreich, aber nicht immer notwendig.

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