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Best Of The Best – Die kompetitivsten Facharztausbildungsprogramme der USA

Max Lippert

Im Gegensatz zu Deutschland ist es in den USA nach dem Medizinstudium deutlich schwieriger, einen Platz in einer Residency zu erhalten. Der folgende Artikel beleuchtet die kompetitivsten Fachrichtungen und zeigt, welche Voraussetzungen Bewerber*innen erfüllen müssen, um einen der begehrten Weiterbildungsplätze zu bekommen.

Lachende Ärztinnen und Ärzte im weißen Kittel mit Stethoskop.
© ASDF/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by models.

Was ist eine Residency überhaupt?

Bevor wir uns die einzelnen Facharztausbildungsprogramme genauer ansehen, sollte zunächst geklärt werden, was eine Residency eigentlich ist.

Eine Residency entspricht der amerikanischen Facharztausbildung und stellt den zentralen Abschnitt der ärztlichen Weiterbildung in den USA dar. Die erste offizielle Residency wurde 1889 unter der Leitung des renommierten Mediziners William Osler am Johns Hopkins Hospital in Baltimore (Maryland) eingeführt.

Der Begriff Residency – zu Deutsch etwa „Wohnsitz“ – kommt nicht von ungefähr. Bis in die frühen 2000er-Jahre war es üblich, dass angehende Fachärztinnen und Fachärzte zwischen 100 und 120 Stunden pro Woche im Krankenhaus verbrachten. Die Klinik wurde damit buchstäblich zum Lebensmittelpunkt.

Diese extremen Arbeitszeiten wurden jedoch vor einigen Jahren gesetzlich begrenzt. Heute dürfen Residents maximal 80 Stunden pro Woche arbeiten.

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Was macht eine Residency besonders kompetitiv?

Ein Blick auf die Daten des National Resident Matching Program (NRMP) zeigt, dass für die Vergabe der begehrtesten Residency-Plätze mehrere Faktoren entscheidend sind. Neben einem sehr guten Ergebnis im USMLE Step 2 spielen weitere Kriterien eine wichtige Rolle.

Seit der USMLE Step 1 von einem Punktesystem auf ein reines Pass/Fail-Format umgestellt wurde, hat der Step 2 deutlich an Bedeutung gewonnen. Zur Orientierung: Die maximale Punktzahl im Step 2 beträgt 300 Punkte, zum Bestehen sind mindestens 218 erforderlich. Ein Score von etwa 250 gilt als solide Grundlage, um bei den meisten Residency-Programmen realistische Chancen zu haben. Werte ab 260 werden bereits als sehr kompetitiv angesehen, und die stärksten Bewerber*innen erreichen sogar Scores von 270 oder 280.

Ein weiteres, fast ebenso wichtiges Auswahlkriterium ist die wissenschaftliche Aktivität der Bewerber*innen. Viele Studierende engagieren sich daher bereits während des Medizinstudiums in Forschungsgruppen, um Publikationen vorweisen zu können. Dazu zählen nicht nur Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, sondern auch Posterpräsentationen und Vorträge auf Kongressen.

Interessanterweise steht dabei häufig die Anzahl der wissenschaftlichen Beiträge stärker im Fokus als deren Qualität oder der Impact-Factor der jeweiligen Journale.

Ein weiterer Weg, wie US‑Medizinstudierende ihr Bewerberprofil stärken können, ist die Mitgliedschaft in renommierten Stipendiaten- und Ehrengesellschaften. Eine der bekanntesten ist die Alpha Omega Alpha Medical Honor Society (AOA). Sie zeichnet besonders engagierte Studierende aus – basierend auf akademischer Leistung, Forschungsaktivitäten und sozialem Engagement.

Auch die Medical School, an der ein*e Bewerber*in studiert hat, spielt eine Rolle – wenn auch eine etwas kleinere, aber keineswegs unwichtige. Um dies zu verdeutlichen: Wenn zwei Bewerber*innen in allen relevanten Kriterien nahezu identisch sind – gleicher Step‑2‑Score, gleiche Anzahl an Publikationen –, wird ein Abschluss von einer hochrangigen Universität wie Harvard, Yale oder Stanford in der Regel dennoch einen Vorteil verschaffen.

Nachdem wir nun die wichtigsten Auswahlkriterien betrachtet haben, möchte ich die fünf kompetitivsten Fachgebiete vorstellen. Dabei ist wichtig zu betonen, dass sich diese Rangliste von Jahr zu Jahr leicht verändern kann. Gründe dafür sind Schwankungen in der Zahl der Bewerber, der verfügbaren Stellen sowie der Gewichtung einzelner Auswahlkriterien.

Ein Beispiel für diese Dynamik: Im Fach Plastische Chirurgie lag die durchschnittliche Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen pro erfolgreicher Bewerbung im Jahr 2016 bei 11. Im Jahr 2024 waren es bereits beeindruckende 34.

Für das folgende Ranking stütze ich mich auf die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2024. Aufgeführt werden jeweils der durchschnittliche USMLE‑Step‑2‑Score sowie die durchschnittliche Anzahl der Publikationen der Bewerber, die nach dem Interview tatsächlich einen Platz erhalten haben. Weitere Kriterien sind zu individuell, um sie hier sinnvoll abzubilden.

Starten wir mit dem Ranking!

Platz 5 – ENT / Hals‑Nasen‑Ohren‑Heilkunde

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Step‑2‑Score: 256

Publikationen: 7–8

Die Fachrichtung Ear, Nose and Throat (ENT) – in den USA meist als Otolaryngology bezeichnet – gehört mit Platz 5 zu den beliebtesten und kompetitivsten Residency‑Programmen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Mit einer Weiterbildungszeit von fünf Jahren und einer im Vergleich zu anderen chirurgischen Disziplinen ausgesprochen guten Work‑Life‑Balance ist dieses Fachgebiet für viele Bewerber äußerst attraktiv.

Hinzu kommt die finanzielle Perspektive: Nach Abschluss der Facharztausbildung liegt das durchschnittliche Jahresgehalt bei rund 500.000 US‑Dollar, was ENT zusätzlich zu einer der begehrtesten chirurgischen Spezialisierungen macht.

Platz 4 – Orthopedic Surgery / Orthopädie & Unfallchirurgie

Step‑2‑Score: 257

Publikationen: 24

Wer glaubt, Orthopäden in den USA seien die klassischen „Ortho‑Bros“, die nur hämmern und schrauben, liegt weit daneben. Mit durchschnittlich 24 wissenschaftlichen Veröffentlichungen gehört Orthopedic Surgery zu den akademisch anspruchsvollsten Fachrichtungen.

Wichtig zu wissen: Unter Orthopedic Surgery versteht man in den USA sowohl die Orthopädie als auch die Unfallchirurgie, wie wir sie aus Deutschland kennen. Die fünfjährige Weiterbildung ist äußerst intensiv, und es kommt nicht selten vor, dass Residents durch Nachtdienste und Rufbereitschaften die 80‑Stunden‑Grenze überschreiten.

Finanziell ist das Fachgebiet äußerst attraktiv: Das Einstiegsgehalt liegt bei rund 650.000 US‑Dollar. Wer zusätzlich ein Fellowship absolviert – etwa in Orthopedic Spine Surgery – kann problemlos 800.000 US‑Dollar oder mehr verdienen.

Platz 3 – Plastic Surgery / Plastische & Ästhetische Chirurgie

Step‑2‑Score: 256

Publikationen: 34

Die Plastische Chirurgie zählt seit Jahren zu den kompetitivsten Fachrichtungen. 2023 belegte sie sogar Platz 1. Die Attraktivität liegt in der enormen operativen Vielfalt: ästhetische Eingriffe, Verbrennungsmedizin, rekonstruktive Chirurgie und Handchirurgie bilden ein breites Spektrum mit zahlreichen Subspezialisierungen.

Ein weiterer Pluspunkt ist die vergleichsweise gute Work‑Life‑Balance, da viele Eingriffe elektiv erfolgen. Das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 620.000 US‑Dollar, doch in der Niederlassung bzw. Private Practice sind deutlich höhere Einkommen möglich.

Platz 2 – Neurosurgery / Neurochirurgie

Step‑2‑Score: 255

Publikationen: 37

Mit durchschnittlich über 37 Publikationen ist die Bewerbung für eine neurochirurgische Residency die akademisch anspruchsvollste überhaupt. Das spiegelt sich auch in der Ausbildung wider: In der siebenjährigen Weiterbildung ist meist ein ganzes Jahr ausschließlich für Forschung vorgesehen.

Neurosurgery zählt zudem zu den härtesten Facharztausbildungen. Residents arbeiten selten unter 80 Stunden pro Woche und überschreiten die 80‑Stunden‑Regelung regelmäßig. Auch nach Abschluss bleibt die Belastung hoch: Attendings arbeiten häufig 100 Stunden pro Woche und verdienen dabei 700.000–800.000 US‑Dollar als Einstiegsgehalt.

Platz 1 – Dermatology / Dermatologie

Step‑2‑Score: 260

Publikationen: 25

Die Dermatologie ist in vielerlei Hinsicht der unangefochtene Champion. Wer einen der begehrten Ausbildungsplätze ergattert, profitiert von einer außergewöhnlich guten Work‑Life‑Balance: Residents arbeiten im Schnitt nur etwa 45 Stunden pro Woche, Notfälle sind selten, und Rufdienste entsprechend minimal. Viele Programme bieten zudem flexible Arbeitszeiten.

Das durchschnittliche Facharztgehalt liegt bei 494.000 US‑Dollar. Das wirkt im Vergleich zu chirurgischen Disziplinen zunächst moderat – doch betrachtet man die deutlich geringere Arbeitszeit, ergibt sich einer der besten Stundensätze im gesamten US‑Gesundheitssystem.

Fazit

Die Zahlen und Rahmenbedingungen der US‑Residency‑Programme wirken aus deutscher Perspektive oft fast surreal – insbesondere, was Arbeitszeiten und Gehälter betrifft. Fachlich kann die deutsche Weiterbildung je nach Klinik jedoch problemlos mithalten, und das ganz ohne 80‑Stunden‑Wochen.

Wer dennoch einen Einblick in das amerikanische Ausbildungssystem gewinnen möchte, ohne direkt eine komplette Residency zu absolvieren, kann ein sogenanntes Observership in Betracht ziehen. Dabei begleitet man für einige Wochen einen Resident und erhält wertvolle Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem.

Häufige Fragen und Antworten

Residency‑Programme werden nach mehreren Kriterien bewertet: USMLE‑Step‑2‑Score, Anzahl wissenschaftlicher Publikationen, Forschungsaktivitäten, Engagement (z. B. AOA‑Mitgliedschaft) und die Reputation der Medical School. Besonders kompetitive Fächer verlangen hohe Scores und umfangreiche Forschungserfahrung.

Das hängt stark vom Fach ab. In weniger kompetitiven Bereichen reichen oft wenige Publikationen, während Spitzenfächer wie Plastische Chirurgie oder Neurochirurgie im Durchschnitt über 30 Veröffentlichungen bei erfolgreichen Bewerber*innen sehen.

Die Fachrichtung Dermatologie gilt als klarer Spitzenreiter: rund 45 Arbeitsstunden pro Woche, kaum Notfälle und flexible Arbeitszeiten – bei gleichzeitig sehr attraktivem Gehalt.

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