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Bochum: Ruhr-Universität

Wahlfach: HNO am Meer – zwischen Klinik und Küstenluft

Alisha Qamar

Ein Wahlfach, das an der Ruhr Universität seit mehreren Semestern heiß begehrt ist, heißt „HNO am Meer“. Sobald die Ausschreibung auf dem Schwarzen Brett erscheint, ist klar: Schnell sein lohnt sich. Denn wer einmal dabei war, schwärmt noch Jahre später davon...

Medizinstudierende im Gespräch
© Alexander Raths/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by models.

Eines der schönsten Privilegien Im Medizinstudium ist, dass du in verschiedene Fachrichtungen hineinschnuppern kannst. Dabei triffst du nicht nur besondere Menschen und Orte, sondern lernst die Medizin auch außerhalb des Hörsaals kennen. Wahlfächer bieten hierfür den idealen Rahmen – ein kompakter, praxisnaher Einblick in Fächer, mit denen man im Studium bisher vielleicht nur am Rande zu tun hatte. Außerdem nimmt man fast immer mehr mit als nur Fachwissen – etwa Motivation, Kontakte oder ein ganz neues Bild von einem Fachgebiet.

Mindestens ein klinisches Wahlfach ist vom Landesprüfungsamt vorgesehen – nach oben hin gibt es aber keine Begrenzung. Warum also nicht gleich mehrere nutzen, um die Vielfalt der Medizin in ihrer ganzen Breite zu erleben?

Außerdem klang diese Kombination für mich äußerst reizvoll: ein Wochenende in Bremerhaven, mit der Nordsee vor der Tür weit weg vom Beton der RUB und der spannenden Fachrichtung Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde im Gepäck. Bis auf das Blockpraktikum hatte ich kaum Berührungspunkte mit HNO – umso neugieriger war ich, was mich erwarten würde.

Wir reisten zu dritt bereits am Freitag an, einen Tag vor Beginn des Wahlfachs. Im FlixBus wurde die Zeit genutzt, um fleißig am M2 Lernplan zu arbeiten, da wir das Wahlfach in der Zeit der Prüfungsvorbereitung wahrnahmen. In Bremen angekommen, erkundeten wir zunächst die Altstadt, besuchten einige Sehenswürdigkeiten und reisten am Abend weiter nach Bremerhaven. Übernachtet wurde direkt im Klinikum Bremerhaven Reinkenheide – und zwar ganz unkompliziert auf der sogenannten Kurzliegerstation, die am Wochenende ohnehin leer steht.

Am Samstagvormittag kamen die restlichen Teilnehmer*innen an – insgesamt waren wir eine Kleingruppe von zwölf Studierenden. Wir wurden herzlich begrüßt von PD Dr. Jörg Ebmeyer und Dr. Dirk Korbmacher-Roschkowski, den beiden Leitern des Wahlfachs. Nach einem Rundgang durch die Klinik ging es direkt los: In kleinen Übungseinheiten untersuchten wir uns gegenseitig – mit Otoskop und Stimmgabel, führten Tests durch, die wir bisher nur aus Lehrbüchern oder Multiple-Choice-Fragen kannten. An Simulationspuppen durften wir Intubieren, Bronchoskopieren ausprobieren und sogar mikrochirurgische Übungen mit dem typischen filigranen Instrumentarium der HNO durchführen.

Am zweiten Tag erwartete uns der Kontakt mit echten Patientinnen und Patienten: In Kleingruppen übernahmen wir Anamnese und Untersuchung und präsentierten anschließend unsere Fälle in der Runde. Die Atmosphäre war offen und kollegial – Fragen waren ausdrücklich erwünscht und wurden mit viel Geduld beantwortet. Auch außerhalb des Unterrichts war die Atmosphäre offen, unterstützend und wertschätzend. Beim gemeinsamen von der Klinik organisierten Frühstück und Mittagessen war viel Raum für Austausch – über Medizin, aber auch über persönliche Berufswege, Interessen und Pläne, was sehr schön und ungewohnt war, da besonders im klinischen Kontext für so einen intensiven Austausch mit Studierenden oft die zeitlichen Rahmenbedingungen fehlen.


Mein Fazit:

Auch ein Jahr nach dem Wahlfach schwelge ich noch in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit auf der Kurzliegerstation mit Mitstudierenden und Freunden, Spaziergänge durch Bremerhaven mit leckeren Fischbrötchen und natürlich den fachlichen Wissenszuwachs in einer sehr angenehmen Atmosphäre, in der Hierarchie oder Unerreichbarkeit von Ärzten keine Rolle gespielt hat. Das Programm war gut gefüllt, abwechslungsreich und sehr lehrreich, man durfte vieles selbst ausprobieren, ohne Angst vor Fehlern, mit ehrlichem Feedback und viel Ermutigung.

Nutze unbedingt solche Angebote – auch wenn sie vielleicht außerhalb deiner Komfortzone liegt. Sie eröffnen dir nicht nur neue Perspektiven, sondern ermöglichen dir auch wertvolle Kontakte, praktische Übungsmöglichkeiten und manchmal unerwartete AHA-Momente. Und selbst wenn es beim ersten Versuch mit der Anmeldung nicht klappt: Lass dich nicht entmutigen. Eine Warteliste gibt es fast immer, und oft wird doch noch ein Platz frei.
Außerdem – solche praxisnahen Kurse sind während des Studiums oft kostenlos oder stark vergünstigt, die Organisation ist unkompliziert, die Zeit dafür ist da – oder zumindest machbar. Später im Berufsleben wird es deutlich schwerer: Die Fortbildungen kosten dann meist Geld, freie Wochenenden sind seltener, und auch die Energie, sich nach einer vollen Arbeitswoche noch freiwillig fortzubilden, ist begrenzt.

Denn das Schöne an der Medizin ist: Man muss sich nicht von Anfang an festlegen. Wahlfächer sind eine großartige Möglichkeit, ganz ohne Druck verschiedene Fachrichtungen kennenzulernen, wertvolle Kontakte zu knüpfen und vielleicht schon eine Ahnung davon zu bekommen, wo die eigene berufliche Reise einmal hingehen könnte – sei es in den OP, in die Praxis, ans Forschungslabor oder ans Meer. Ich kann zumindest nach dem Wahlfach HNO als endgültige Fachrichtung noch nicht ausschließen.

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Häufige Fragen und Antworten

Wahlfächer ermöglichen praxisnahe Einblicke in verschiedene Fachrichtungen, die im regulären Studium oft nur am Rande behandelt werden. Sie helfen, neue Perspektiven zu gewinnen und Kontakte zu knüpfen.

Mindestens ein klinisches Wahlfach ist vorgeschrieben, nach oben gibt es keine Begrenzung. Nutze die Chance, mehrere Fachgebiete kennenzulernen, um die Vielfalt der Medizin zu erleben.

Neben Fachwissen erhältst du praktische Übungsmöglichkeiten, Motivation und wertvolle Netzwerke. Diese Erfahrungen können deine spätere Fachwahl und berufliche Orientierung positiv beeinflussen.

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