Mauritius – eine Famulatur im Urlaubsparadies
Einmal Famulatur unter Palmen: Fünf Wochen auf Mauritius boten spannende Einblicke in ein fremdes Gesundheitssystem – und unvergessliche Erlebnisse zwischen Klinik, Küste und Kultur.

Land: Mauritius
Wann: Ende Februar bis Ende April 2025 (davon 5 Wochen Famulatur und 2 Wochen Urlaub)
Wo: Jawaharlal Nehru Hospital in Rose Belle
Sprache: Kreol (ähnlich zu Französisch) /Französisch. Da wir weder Kreol noch Französisch sprechen, haben wir Englisch mit den Ärztinnen und Ärzten gesprochen (mit den Patientinnen und Patienten aber nicht). Auch dokumentiert wurde auf Englisch.
Warum eine Famulatur auf Mauritius?
Mir war es wichtig, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren, um meine Englischkenntnisse zu verbessern und ein ganz anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Da es einer Freundin genauso ging, beschlossen wir, eine Auslandsfamulatur zu machen. Wir haben unsere Famulatur für Februar/März geplant, um dem nass-kalten Wetter in Deutschland zu entfliehen.
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Bewerbung
Ehrlich gesagt haben wir unsere Bewerbung rund 10 Monate vorher eher aus Spaß und ohne große Hoffnung an das Gesundheitsministerium in Mauritius geschickt. Tatsächlich hatten wir aber innerhalb eines Tages eine Antwort, in der stand, welche Dokumente wir für eine Bewerbung benötigen würden. Davon war keines schwer zu beschaffen und innerhalb von vier Tagen hatten wir dann bereits unsere fertigen Bewerbungen abgeschickt.
Knapp vier Wochen später kam dann die offizielle Zusage. Wir waren beide dem Jawaharlal Nehru Hospital im Süden von Mauritius zugeteilt worden. Bei unserer Bewerbung konnten wir drei Wunschkrankenhäuser angeben –dieses stand allerdings nicht auf unserer Liste.
Gut zu wissen: Bei der Bewerbung wird man gebeten, drei Fachrichtungen anzugeben, für die man sich interessiert. Wir haben jeweils drei bzw. vier angegeben und wurden dann später auch so eingeteilt, dass wir durch alle diese Fachrichtungen rotierten
Studiengebühren wurden nicht verlangt, dafür gab es aber auch keine Vergütung. Um Verpflegung, Flug und Unterkunft mussten wir uns selbst kümmern. Die Preise auf Mauritius – vor allem das Essen – sind in etwa gleich hoch wie in Deutschland. Wir hatten ein normales 90 Tage On-Arrival-Visum, und das hat gut gepasst.
Wichtig für die Fortbewegung – und preislich nicht zu unterschätzen – ist der Mietwagen. Ohne hätte es nicht funktioniert (aber Vorsicht: Linksverkehr!). Während der Vorbereitung auf die Reise sollte man auch unbedingt noch genug Zeit einplanen, um sich bei einem Reisemediziner bezüglich erforderlicher Reiseimpfungen beraten zu lassen!
Famulaturalltag
Ich bin in den 5 Wochen durch die folgenden Fachrichtungen rotiert: Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Notaufnahme. Innere war in Ordnung, hat mich aber nicht vom Hocker gerissen, da sich niemand so wirklich für mich verantwortlich gefühlt hat. Chirurgie war verzichtbar, da nichts erklärt wurde und man auch nichts sehen konnte. Gynäkologie war meines Erachtens die lehrreichste Station, hier durfte ich mir jeden Tag aussuchen, ob ich gerne in der Ambulanz, im Kreißsaal, auf der Station oder im OP zuschauen möchte. Die Zeit in der Notaufnahme war auch sehr interessant und absolut empfehlenswert.
Einmal durften wir auch mit dem Notarzt gemeinsam im Rettungswagen zu einem Einsatz fahren – eine sehr interessante Erfahrung. Grundsätzlich muss einem aber bewusst sein, dass man hier als Famulant nur ein Observer ist. Das heißt: Man führt weder Blutabnahmen durch (es sei denn, man ist freiwillig um 5 Uhr morgens in der Klinik) noch übernimmt man andere praktische Tätigkeiten. Unser Tag begann immer um 9:00, und wir durften meist zwischen 12 und 13 Uhr wieder gehen.
Das Personal auf Mauritius ist fachlich super ausgebildet, es fehlt jedoch häufig an Geräten und Materialien, um den Patientinnen und Patienten die bestmögliche Behandlung bieten zu können. Meist wurden wir von den Interns betreut, die – wie eigentlich alle Ärztinnen und Ärzte dort – gut Englisch sprachen. Französischkenntnisse wären allerdings auch von Vorteil gewesen.
Aja, was uns im Vorfeld niemand gesagt hatte: Ärztinnen und Ärzte tragen dort schicke Kleidung + Kittel. Den Kittel haben wir zur Verfügung gestellt bekommen. Und noch etwas: Wer gerne Mittagessen möchte, muss sich dort sein eigenes Essen mitnehmen – es gibt keine Mensa oder Kantine.
In der Zeit, in der wir dort waren, haben wir nur an einem Tag einen anderen ausländischen Famulanten getroffen. Angeblich ist man dort jedoch daran gewöhnt, öfter Studierende aus dem Ausland aufzunehmen.
Im Allgemeinen würde ich sagen, dass ich hier durch meine Famulatur hauptsächlich gelernt habe, wie die Abläufe und die Versorgung in einem fremden Land aussehen können – viel machen duften wir ja nicht. Aktiv erklärt wurde uns wenig, wenn wir aber gefragt haben, bekamen wir (fast) immer eine Antwort.
Mauritius – eine Perle
Mauritius ist das sicherste afrikanische Land und auch wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt. Die Menschen dort waren immer freundlich und hilfsbereit und haben uns mehrfach angeboten, uns in ihrer Freizeit die Insel zu zeigen. Da auf Mauritius sehr viele Inder wohnen, waren wir im absoluten Food-Himmel. Wir wollten uns vegetarisch ernähren, was auf Grund des leckeren indischen Essens gar kein Problem war. Wer gerne Fisch isst, der ist hier aber auch sehr gut aufgehoben. Da wir jeden Tag schon um 12 oder 13 Uhr Feierabend hatten, konnten wir auch schon während der Famulaturzeit an den Nachmittagen viel anschauen und unternehmen. Wir waren fast jeden Tag unterwegs – dafür braucht man aber definitiv einen Mietwagen).
Unterkunft
Wer die Möglichkeit hat, dem würde ich empfehlen, auf jeden Fall in Blue Bay eine Unterkunft zu nehmen. Dort kann man mit Abstand am besten schwimmen und schnorcheln. Nur dort haben wir auch Wasserschildkröten gesehen. Wir haben im ersten Monat in Blue Bay gewohnt und sind dann im zweiten Monat nach Pointe aux Sables in den Norden übersiedelt. Generell lässt sich sagen: Wer den besten Stand sucht, sollte im Süden in der Nähe von Blue Bay bleiben und wer gerne wandert, der ist im Norden besser aufgehoben. Falls man im Norden wohnt, dem sei gesagt: Die Insel ist so klein, dass man innerhalb von 50 Minuten bis eine Stunde jeden Punkt der Insel erreichen kann. Wer gerne wandert, der wird von Mauritius sicher nicht enttäuscht. Wir waren klettern, wandern, schwimmen, schnorcheln, surfen und Kajak fahren.
Wetter
Nun am Ende noch unsere Erfahrung bezüglich des Wetters Ende Februar bis Ende April. Wir waren also im mauretanischen Sommer/Frühherbst auf der Insel, was aber auch die Zyklon- und Regenzeit ist. Geregnet hat es hier oft, aber meist nur am späten Nachmittag oder nachts. Wer Wanderungen plant, sollte jedoch mit dem ein oder anderen Regenschauer rechnen.
Was Zyklone betrifft, hatten wir ganz zu Beginn unserer Reise Pech. Wir saßen erstmal drei Nächte in Dubai fest, da unser Anschlussflug nach Mauritius wegen eines Zyklons immer wieder gestrichen wurde. Das Krankenhaus zeigte dafür aber großes Verständnis und es war gar kein Problem, erst ein paar Tage später mit unserem Praktikum zu beginnen. Ansonsten hatten wir aber keine Zyklone mehr während unseres Aufenthalts.
Die Bewerbung erfolgt über das Gesundheitsministerium von Mauritius. Benötigte Dokumente sind leicht zu beschaffen, und die Zusage kommt oft schnell.
Typisch sind Rotationen in Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Notaufnahme. Praktische Tätigkeiten sind selten, Beobachten steht im Vordergrund.
Englischkenntnisse sind wichtig, Französisch ist von Vorteil. Mietwagen ist unverzichtbar, und Reiseimpfungen sollten vorab geklärt werden. Unterkunft in Blue Bay wird empfohlen.