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Weiterbildung

Wie findet man das Fach, das wirklich zu einem passt?

Beyza Saritas

Wie findet man das Fach, das wirklich zu einem passt und muss man das überhaupt schon früh wissen? Zwischen Zweifel, Fachwechsel und neuen Eindrücken erzählt Beyza Saritas, warum der Weg zur Entscheidung selten geradlinig verläuft und weshalb genau das völlig normal ist. Ein ehrlicher Einblick in Orientierungssuche, Umwege und die überraschende Begeisterung für die Dermatologie.

Dermatologie Operation
© Iryna&Maya/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by models.

„Und? weißt du schon, was du später machen willst?”

Als Medizinstudierende oder junge Assistenzärztin bekommt man erstaunlich oft dieselbe Frage gestellt: „Und, weißt du schon, was du später machen möchtest?“
Die ehrliche Antwort darauf lautet bei vielen zunächst: Nein.
Und genau das ist völlig normal.

Ich selbst wollte am Anfang meines Studiums unbedingt Kinderärztin werden. Später dachte ich lange, dass ich wahrscheinlich in die Innere Medizin gehen würde. Erst während meines zweiten PJ-Tertials habe ich die Dermatologie wirklich kennengelernt – und plötzlich gemerkt: Das ist mein Fach.

Rückblickend finde ich es schade, dass Dermatologie im Studium oft eher stiefmütterlich behandelt wird. Viele verbinden das Fach hauptsächlich mit Akne, Ekzemen oder Hautkrebsscreenings. Wie vielseitig, interdisziplinär und operativ Dermatologie tatsächlich ist, merkt man häufig erst im klinischen Alltag.

Im PJ habe ich zum ersten Mal erlebt, wie breit das Fach wirklich aufgestellt ist. Man arbeitet klinisch, operativ und gleichzeitig extrem interdisziplinär. Man sitzt in Tumorkonferenzen, betreut komplexe internistische Patientinnen und Patienten, behandelt Autoimmunerkrankungen, operiert Hauttumoren und begleitet chronische Erkrankungen oft langfristig.
Genau diese Mischung hat mich begeistert.
Und trotzdem war der Weg dorthin nicht geradlinig.

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Umwege sind Teil des Weges

Ich glaube, viele junge Ärztinnen und Ärzte setzen sich unnötig unter Druck, möglichst früh „das perfekte Fach“ finden zu müssen. Dabei verändert sich die eigene Perspektive im Studium und besonders im PJ oft noch enorm.
Man darf seine Meinung ändern.
Und man darf auch merken, dass ein Fach doch nicht zu einem passt.

Gerade in der Medizin ist ein Wechsel keineswegs ungewöhnlich. Viele beginnen ihre Weiterbildung zunächst in der Inneren Medizin oder Chirurgie und wechseln später in ein anderes Fachgebiet. Das Gute daran: Vieles kann angerechnet werden.
Je nach Fachrichtung und Weiterbildungsordnung lassen sich häufig mehrere Monate bis hin zu fast einem Jahr Weiterbildung übernehmen – beispielsweise aus der Inneren Medizin oder Chirurgie. Dadurch ist ein Wechsel oft deutlich unkomplizierter, als viele zunächst denken. Ich glaube sogar, dass Erfahrungen in anderen Fächern unglaublich wertvoll sein können.

Gerade in der Dermatologie merke ich heute, wie hilfreich internistische Kenntnisse im Alltag sind. Viele dermatologische Erkrankungen betreffen eben nicht nur die Haut. Kollagenosen, Vaskulitiden oder schwere entzündliche Dermatosen verlangen oft internistisches Denken.
Auch chirurgische Erfahrungen helfen enorm – besonders in der Dermatochirurgie.

Ankommen braucht Zeit

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Mittlerweile bin ich am Beginn meines zweiten Weiterbildungsjahres angekommen. Vor meinem Klinikwechsel habe ich an einer universitären Hauptklinik mit dermatoonkologischem Schwerpunkt gearbeitet. Dort standen vor allem Hauttumoren, moderne Systemtherapien und Tumorkonferenzen im Fokus.

Vor einigen Monaten bin ich dann in ein heimatnäheres Lehrkrankenhaus gewechselt, das deutlich dermatochirurgischer arbeitet. Dieser Wechsel hat mir erneut gezeigt, wie unterschiedlich selbst dasselbe Fach je nach Klinik sein kann. Und auch, wie viel Zeit man braucht, um wirklich irgendwo anzukommen. Selbst wenn man bereits Erfahrung gesammelt hat, fühlt man sich am Anfang einer neuen Stelle oft wieder wie Berufsanfängerin. Jede Klinik hat eigene Abläufe, andere Routinen und unterschiedliche Teamstrukturen.

Ich glaube mittlerweile, dass man fast immer ein halbes Jahr braucht, bis man sich wirklich sicher fühlt. Gerade deshalb ist das Team im Krankenhaus so wichtig. Man verbringt einen großen Teil seines Lebens auf der Arbeit. Dienste, Stationsalltag, Übergaben, OPs und Visiten verbinden einen oft enger mit Kolleginnen und Kollegen als mit vielen Menschen im privaten Umfeld. Deshalb sollte man ein Fach wählen, in dem man sich langfristig wirklich wohlfühlt.

Woran man merkt, dass eine Fachrichtung passt?

Natürlich gibt es keinen perfekten Beruf. Jeder klinische Alltag ist anstrengend, stressig und manchmal frustrierend. Aber ich glaube, man merkt relativ schnell, ob einen ein Fach trotzdem begeistert.

Für mich war das in der Dermatologie der Fall.
Viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachrichtungen sagen oft scherzhaft, sie könnten „Derma niemals machen“. Manche finden Hauterkrankungen unangenehm oder abschreckend. Ich empfinde das komplett anders. Gerade die Vielfalt macht das Fach für mich besonders spannend. Dermatologie vereint Diagnostik, operative Medizin, Onkologie, Immunologie und langfristige Patientenbetreuung.
Und dazu kommen die vielen späteren Möglichkeiten:
- konservative Praxis
- Dermatochirurgie
- Dermatoonkologie
- ästhetische Dermatologie
- stationäre Arbeit
- wissenschaftliche Tätigkeit
Kaum ein anderes Fach bietet so viele unterschiedliche Wege.

Es gibt nicht den einen richtigen Weg

Deshalb glaube ich heute: Man muss nicht sofort den perfekten Plan haben. Wichtiger ist, offen zu bleiben, Erfahrungen zu sammeln und ehrlich darauf zu achten, was einem langfristig Freude macht. Denn letztlich verbringt man einen enorm großen Teil seines Lebens im Beruf. Und genau deshalb sollte man ein Fach wählen, das man nicht nur „okay“ findet – sondern eines, das man wirklich gerne macht.

Häufige Fragen und Antworten

Nein. Viele wissen zunächst nicht, was sie später machen möchten, und das ist völlig normal. Die eigene Perspektive verändert sich im Studium und besonders im PJ oft noch stark.

Nein. Ein Wechsel ist keineswegs ungewöhnlich. Viele beginnen in der Inneren Medizin oder Chirurgie und wechseln später. Dabei können oft mehrere Monate bis fast ein Jahr Weiterbildung angerechnet werden.

Man merkt relativ schnell, ob einen ein Fach begeistert. Trotz eines anstrengenden Alltags sollte man langfristig Freude daran haben und sich im Arbeitsumfeld wohlfühlen.

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