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Medical Skills

Spickzettel Schmerztherapie

Redaktion via medici

Im Folgenden sind die gängigsten Schmerzmittel aufgelistet und nach ihrer Wirkungsweise und ihrem Einsatzgebiet unterteilt. So findest du das gesuchte Medikament auf einen Blick.

Medikamente für die Schmerztherapie
© Mara Zemgaliete/stock.adobe.com - Stock photo.

Antipyretische Analgetika

Schmerzlindernd und fiebersenkend

Paracetamol

  • gut analgetisch und antipyretisch
  • nicht entzündungshemmend
  • Verträglichkeit sehr gut

Metamizol

  • starkes Analgetikum
  • krampflösend
  • nur bei starken Schmerzen, kein Routine-Analgetikum

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Das Eicosanoid-System

Eicosanoide sind lokal wirkende Lipidmediatoren, abgeleitet von Arachidonsäure.
Sie entstehen durch Enzyme wie:

  • Cyclooxygenasen (COX-1, COX-2) → Prostaglandine, Thromboxane
  • Lipoxygenasen (LOX) → Leukotriene, Lipoxine

Hemmstoffe der Cyclooxygenasen

2 Formen:

  • COX 1
    Eigenschaften: konstitutiv
    Lokalisation: fast alle Gewebe
    Funktion: Magenschutz, Nierendurchblutung
  • COX 2
    Eigenschaften: induziert durch Noxen (z.B. Zytokine, Trauma), konstitutiv in Niere, Gehirn, Magen, Endothel
    Lokalisation: entzündetes Gewebe aber auch physiologisch
    Funktion: Entzündungsreaktion, Schmerz, Fieber, aber auch normale Funktionen

NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika)

Säure-Antiphlogistika wie:

Acetylsalicylsäure (ASS) – irreversibel COX-1 > COX-2
Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Indometacin – nicht-selektiv (COX-1 & COX-2)

Wirkung: analgetisch, antipyretisch, antiphlogistisch
Nebenwirkungen: Magenschleimhautschädigung
Nierendurchblutung (Prostaglandine regulieren renale Perfusion)

COX-2-Hemmer (Coxibe)

Leitsubstanzen: Rofecoxib, Celecoxib
Wirkung: ebenfalls analgetisch, antipyretisch, antiphlogistisch
Vorteil: weniger Magenschleimhautschädigung (COX-1 bleibt weitgehend erhalten)
Risiken: Nierenfunktionsstörungen
Thrombembolie-Gefahr
Rofecoxib wurde wegen erhöhtem Herzinfarktrisiko vom Markt genommen
Celecoxib gilt als sicherer, ist aber unter Beobachtung

Opioide

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Agonistisch wirkende Opiate

Leitsubstanz: Morphin

  • First-pass-Effekt nach oraler Gabe
  • klassisches Therapeutikum gegen sehr starke Schmerzen
  • Referenzsubstanz für die Potenzbewertung anderer Opioide

Pethidin

  • bei starken Schmerzen (früher bei Gallenkoliken verwendet, heute nicht mehr)
  • wird wegen seiner Nebenwirkungen (neurotoxischer Metabolit) heute kaum noch verwendet

I-Methadon

  • orale Gabe
  • Heroin-Substitutionstherapie, da bei oraler Gabe kein "Kick" ausgelöst wird

Fentanyl

  • auch transdermal applizierbar, 100-mal stärker als Morphin

Heroin

  • schnell ZNS-gängig
  • Suchtstoff ohne medizinische Indikation

Codein

  • ausgeprägt antitussiv, aber nur schwach analgetisch
  • Indikation: trockener Husten, nicht für Kinder unter 12 Jahren, banale Schmerzen

Partiell agonistische und agonistisch-antagonistisch wirkende Opiate

Diese Substanzen wirken nicht voll agonistisch am μ-Opioidrezeptor, sondern haben eine begrenzte intrinsische Aktivität oder wirken zusätzlich antagonistisch an anderen Rezeptoren (z. B. κ oder δ).

Buprenorphin: hohe analgetische Potenz (ca. 30-fach stärker als Morphin), aber begrenzte Wirkung bei sehr starken Schmerzen
Ceiling-Effekt bei Atemdepression, geringes Suchtpotenzial, Einsatz in Schmerztherapie und Substitution

Pentazocin: mittlere analgetische Wirkung, weniger euphorisierend, geringes Suchtpotential, aber mehr Dysphorie, selten verwendet

Nalbuphin: mittlere analgetische Wirkung, begrenzte Atemdepression

Tramadol: schwach analgetisch, geeignet für mäßige Schmerzen
geringe Atemdepression, aber potenziell serotonerges Syndrom bei Kombination mit SSRI

Opiat-Antagonisten

Naloxon

  • parenterale Gabe
  • Antidot bei Opioid-Vergiftung. Bindet mit hoher Affinität an μ-, κ- und δ-Rezeptoren, verdrängt dort Opioide und hebt deren Wirkung auf

Opiode und Antagonisten

Nicht der BtM-VV unterstellt

Codein (Tyrasol) (wenn ≤ 100 mg/Einzeldosis oder ≤ 2,5 %)

Tramadol (Tramal)

Der BtM-VV unterstellt

Morphin HCl (MSI)

Mophin-sulfat (MSR, MST)

Pethidin (Dolantin)

Levomethadon (L-Polamidon)

Fentanyl (Durogesic)

Antidot bei Opiat-Vergiftung

Naloxon (Narcanti)

Hilfsmittel zur Entwöhung

Naltrexon (Nemexin)

Beispiel Therapieplan bei Tumorschmerzen

IntensitätWirkstoffe
leichteParacetamol alle 6h 0,5-1,0g oder Acetylsalicylsäure alle 6h 0,5-1,0g.
mittelschwereParacetamol (oder Acetylsalicylsäure) + Codein alle 6h 0,03-0,05g oder Paracetamol+Tramadol alle 6h 0,05-0,1g.
schwereMorphin oral in retardierter Form: Retard-Tabl. 10, 30, 60, 100mg, evtl. Paracetamol-Zufuhr beibehalten, um Morphindosis klein zu belassen. Levomethadon oral in Erwägung ziehen.
sehr schwere SchmerzenOpiate parenteral in genügend hoher Dosierung und kurzen Abständen. Pethidin insbesondere bei Kolikschmerzen. Wenn diese Therapie nicht ausreicht, zusätzlich ein "Co-Analgetikum", nämlich ein trizyklisches Antidepressivum.

Bitte beachten: Diese Angaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

WHO Stufenschema der Schmerztherapie

Stufe 1 (mäßige Schmerzen) Stufe 2 (starke Schmerzen) Stufe 3 (stärkste Schmerzen)
Nicht-Opioid-Analgetika: z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol, Acetylsalicylsäure, Paracetamol Schwach wirksame Opioide: z.B. Codein, Tramadol, Tilidin + Naloxon, DextropropoxyphenStark wirksame Opioide: z.B. Morphin, Buprenorphin, Oxycodon, Fentanyl
Adjuvanzien: Steroide, Neuroleptika, Antidepressiva, Sedativa, Antikonvulsiva, AntiemetikaNicht-Opioid-Analgetika: z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol, Acetylsalicylsäure, Paracetamol Nicht-Opioid-Analgetika: z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol, Acetylsalicylsäure, Paracetamol
Die Analgetika sollten grundsätzlich nach festem Zeitschema mit fixierten Dosisintervallen verabreicht werdenAdjuvanzien: Steroide, Neuroleptika, Antidepressiva, Sedativa, Antikonvulsiva, Antiemetika Adjuvanzien: Steroide, Neuroleptika, Antidepressiva, Sedativa, Antikonvulsiva, Antiemetika
Die Analgetika sollten grundsätzlich nach festem Zeitschema mit fixierten Dosisintervallen verabreicht werden Die Analgetika sollten grundsätzlich nach festem Zeitschema mit fixierten Dosisintervallen verabreicht werden CAVE: keine Kombination schwacher mit starken Opioiden! („Rezeptorblockade“)
WHO-Stufenschema zur Schmerztherapie

Häufige Fragen und Antworten

Leichte Schmerzen: Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (alle 6h 0,5–1,0 g)
Mittelschwere Schmerzen: Kombination aus Paracetamol + Codein oder Tramadol
Starke Schmerzen: Morphin in retardierter Form, ggf. ergänzt durch Paracetamol zur Dosisreduktion
Sehr starke Schmerzen: Parenterale Opiate in hoher Dosierung und kurzen Abständen, ggf. ergänzt durch Co-Analgetika wie trizyklische Antidepressiva

Nicht BtM-pflichtig: Tramadol (Tramal), Codein (Tyrasol) – in niedriger Dosierung
BtM-pflichtig: Morphin (MSI, MSR, MST), Pethidin (Dolantin), Levomethadon (L-Polamidon), Fentanyl (Durogesic)
Diese Einstufung richtet sich nach der BtM-Verschreibungsverordnung (BtMVV) und ist entscheidend für die ärztliche Verordnung und Dokumentation

Adjuvanzien sind unterstützende Medikamente, die die Wirkung von Analgetika ergänzen oder Nebenwirkungen lindern. Dazu gehören:

  • Steroide (z. B. bei entzündlichen Schmerzen)
  • Antidepressiva (z. B. bei neuropathischen Schmerzen)
  • Antikonvulsiva, Neuroleptika, Sedativa, Antiemetika
    Sie sind besonders wichtig bei chronischen Schmerzen oder Tumorschmerzen, wenn eine reine Analgetikatherapie nicht ausreicht.
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