Spickzettel Schmerztherapie
Im Folgenden sind die gängigsten Schmerzmittel aufgelistet und nach ihrer Wirkungsweise und ihrem Einsatzgebiet unterteilt. So findest du das gesuchte Medikament auf einen Blick.

Antipyretische Analgetika
Schmerzlindernd und fiebersenkend
Paracetamol
- gut analgetisch und antipyretisch
- nicht entzündungshemmend
- Verträglichkeit sehr gut
Metamizol
- starkes Analgetikum
- krampflösend
- nur bei starken Schmerzen, kein Routine-Analgetikum
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Das Eicosanoid-System
Eicosanoide sind lokal wirkende Lipidmediatoren, abgeleitet von Arachidonsäure.
Sie entstehen durch Enzyme wie:
- Cyclooxygenasen (COX-1, COX-2) → Prostaglandine, Thromboxane
- Lipoxygenasen (LOX) → Leukotriene, Lipoxine
Hemmstoffe der Cyclooxygenasen
2 Formen:
- COX 1
Eigenschaften: konstitutiv
Lokalisation: fast alle Gewebe
Funktion: Magenschutz, Nierendurchblutung - COX 2
Eigenschaften: induziert durch Noxen (z.B. Zytokine, Trauma), konstitutiv in Niere, Gehirn, Magen, Endothel
Lokalisation: entzündetes Gewebe aber auch physiologisch
Funktion: Entzündungsreaktion, Schmerz, Fieber, aber auch normale Funktionen
NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika)
Säure-Antiphlogistika wie:
Acetylsalicylsäure (ASS) – irreversibel COX-1 > COX-2
Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Indometacin – nicht-selektiv (COX-1 & COX-2)
Wirkung: analgetisch, antipyretisch, antiphlogistisch
Nebenwirkungen: Magenschleimhautschädigung
Nierendurchblutung (Prostaglandine regulieren renale Perfusion)
COX-2-Hemmer (Coxibe)
Leitsubstanzen: Rofecoxib, Celecoxib
Wirkung: ebenfalls analgetisch, antipyretisch, antiphlogistisch
Vorteil: weniger Magenschleimhautschädigung (COX-1 bleibt weitgehend erhalten)
Risiken: Nierenfunktionsstörungen
Thrombembolie-Gefahr
Rofecoxib wurde wegen erhöhtem Herzinfarktrisiko vom Markt genommen
Celecoxib gilt als sicherer, ist aber unter Beobachtung
Opioide
Agonistisch wirkende Opiate
Leitsubstanz: Morphin
- First-pass-Effekt nach oraler Gabe
- klassisches Therapeutikum gegen sehr starke Schmerzen
- Referenzsubstanz für die Potenzbewertung anderer Opioide
Pethidin
- bei starken Schmerzen (früher bei Gallenkoliken verwendet, heute nicht mehr)
- wird wegen seiner Nebenwirkungen (neurotoxischer Metabolit) heute kaum noch verwendet
I-Methadon
- orale Gabe
- Heroin-Substitutionstherapie, da bei oraler Gabe kein "Kick" ausgelöst wird
Fentanyl
- auch transdermal applizierbar, 100-mal stärker als Morphin
Heroin
- schnell ZNS-gängig
- Suchtstoff ohne medizinische Indikation
Codein
- ausgeprägt antitussiv, aber nur schwach analgetisch
- Indikation: trockener Husten, nicht für Kinder unter 12 Jahren, banale Schmerzen
Partiell agonistische und agonistisch-antagonistisch wirkende Opiate
Diese Substanzen wirken nicht voll agonistisch am μ-Opioidrezeptor, sondern haben eine begrenzte intrinsische Aktivität oder wirken zusätzlich antagonistisch an anderen Rezeptoren (z. B. κ oder δ).
Buprenorphin: hohe analgetische Potenz (ca. 30-fach stärker als Morphin), aber begrenzte Wirkung bei sehr starken Schmerzen
Ceiling-Effekt bei Atemdepression, geringes Suchtpotenzial, Einsatz in Schmerztherapie und Substitution
Pentazocin: mittlere analgetische Wirkung, weniger euphorisierend, geringes Suchtpotential, aber mehr Dysphorie, selten verwendet
Nalbuphin: mittlere analgetische Wirkung, begrenzte Atemdepression
Tramadol: schwach analgetisch, geeignet für mäßige Schmerzen
geringe Atemdepression, aber potenziell serotonerges Syndrom bei Kombination mit SSRI
Opiat-Antagonisten
Naloxon
- parenterale Gabe
- Antidot bei Opioid-Vergiftung. Bindet mit hoher Affinität an μ-, κ- und δ-Rezeptoren, verdrängt dort Opioide und hebt deren Wirkung auf
Opiode und Antagonisten
Nicht der BtM-VV unterstellt
Codein (Tyrasol) (wenn ≤ 100 mg/Einzeldosis oder ≤ 2,5 %)
Tramadol (Tramal)
Der BtM-VV unterstellt
Morphin HCl (MSI)
Mophin-sulfat (MSR, MST)
Pethidin (Dolantin)
Levomethadon (L-Polamidon)
Fentanyl (Durogesic)
Antidot bei Opiat-Vergiftung
Naloxon (Narcanti)
Hilfsmittel zur Entwöhung
Naltrexon (Nemexin)
Beispiel Therapieplan bei Tumorschmerzen
| Intensität | Wirkstoffe |
|---|---|
| leichte | Paracetamol alle 6h 0,5-1,0g oder Acetylsalicylsäure alle 6h 0,5-1,0g. |
| mittelschwere | Paracetamol (oder Acetylsalicylsäure) + Codein alle 6h 0,03-0,05g oder Paracetamol+Tramadol alle 6h 0,05-0,1g. |
| schwere | Morphin oral in retardierter Form: Retard-Tabl. 10, 30, 60, 100mg, evtl. Paracetamol-Zufuhr beibehalten, um Morphindosis klein zu belassen. Levomethadon oral in Erwägung ziehen. |
| sehr schwere Schmerzen | Opiate parenteral in genügend hoher Dosierung und kurzen Abständen. Pethidin insbesondere bei Kolikschmerzen. Wenn diese Therapie nicht ausreicht, zusätzlich ein "Co-Analgetikum", nämlich ein trizyklisches Antidepressivum. |
Bitte beachten: Diese Angaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
WHO Stufenschema der Schmerztherapie
| Stufe 1 (mäßige Schmerzen) | Stufe 2 (starke Schmerzen) | Stufe 3 (stärkste Schmerzen) |
|---|---|---|
| Nicht-Opioid-Analgetika: z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol, Acetylsalicylsäure, Paracetamol | Schwach wirksame Opioide: z.B. Codein, Tramadol, Tilidin + Naloxon, Dextropropoxyphen | Stark wirksame Opioide: z.B. Morphin, Buprenorphin, Oxycodon, Fentanyl |
| Adjuvanzien: Steroide, Neuroleptika, Antidepressiva, Sedativa, Antikonvulsiva, Antiemetika | Nicht-Opioid-Analgetika: z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol, Acetylsalicylsäure, Paracetamol | Nicht-Opioid-Analgetika: z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol, Acetylsalicylsäure, Paracetamol |
| Die Analgetika sollten grundsätzlich nach festem Zeitschema mit fixierten Dosisintervallen verabreicht werden | Adjuvanzien: Steroide, Neuroleptika, Antidepressiva, Sedativa, Antikonvulsiva, Antiemetika | Adjuvanzien: Steroide, Neuroleptika, Antidepressiva, Sedativa, Antikonvulsiva, Antiemetika |
| Die Analgetika sollten grundsätzlich nach festem Zeitschema mit fixierten Dosisintervallen verabreicht werden | Die Analgetika sollten grundsätzlich nach festem Zeitschema mit fixierten Dosisintervallen verabreicht werden CAVE: keine Kombination schwacher mit starken Opioiden! („Rezeptorblockade“) |
Zum Lernmodul
Leichte Schmerzen: Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (alle 6h 0,5–1,0 g)
Mittelschwere Schmerzen: Kombination aus Paracetamol + Codein oder Tramadol
Starke Schmerzen: Morphin in retardierter Form, ggf. ergänzt durch Paracetamol zur Dosisreduktion
Sehr starke Schmerzen: Parenterale Opiate in hoher Dosierung und kurzen Abständen, ggf. ergänzt durch Co-Analgetika wie trizyklische Antidepressiva
Nicht BtM-pflichtig: Tramadol (Tramal), Codein (Tyrasol) – in niedriger Dosierung
BtM-pflichtig: Morphin (MSI, MSR, MST), Pethidin (Dolantin), Levomethadon (L-Polamidon), Fentanyl (Durogesic)
Diese Einstufung richtet sich nach der BtM-Verschreibungsverordnung (BtMVV) und ist entscheidend für die ärztliche Verordnung und Dokumentation
Adjuvanzien sind unterstützende Medikamente, die die Wirkung von Analgetika ergänzen oder Nebenwirkungen lindern. Dazu gehören:
- Steroide (z. B. bei entzündlichen Schmerzen)
- Antidepressiva (z. B. bei neuropathischen Schmerzen)
- Antikonvulsiva, Neuroleptika, Sedativa, Antiemetika
Sie sind besonders wichtig bei chronischen Schmerzen oder Tumorschmerzen, wenn eine reine Analgetikatherapie nicht ausreicht.