Praxisanleitung: Verhalten im OP
Für viele junge Mediziner*innen ist der erste OP-Einsatz wie ein Sprung ins kalte Wasser. Zwar wissen die meisten, welche Gefäße aus dem Truncus coeliacus abgehen und was eine Weber C-Fraktur ist. Aber wie man sich chirurgisch „wäscht“, anzieht und am OP-Tisch verhält, erfährt man oft erst vor Ort unter Zeitdruck. Wir erklären, was bei den ersten OP-Einsätzen auf dich zukommt.

Tipps für die sterile Zone
Der erste Besuch im OP ist einer der spannendsten und verwirrendsten Momente im Medizinstudium. Plötzlich befindest du dich in einer fremden Welt. Hier ist alles neu und seltsam: überall Geräte und Apparaturen, die du nicht kennst, Instrumente, von denen du nicht weißt, ob du sie anfassen darfst, Menschen, von denen du nur die Augen siehst und die mit dir reden, ohne dass du ihre Mundbewegungen verfolgen kannst. Dazu spuken einem wage Gerüchte durch den Hinterkopf über die „raue Luft“, die hier wehen soll. Stimmt es, dass OP-Neulinge besonders begehrte Mobbing-Opfer sind? Kann es wirklich passieren, dass man während eines OP-Einsatzes zwölf Stunden lang nicht aufs Klo darf? Keine Angst! Alles ist halb so schlimm, wenn du einige grundlegende Verhaltensregeln beherzigst. Vor allem die Besonderheiten der sterilen Umgebung musst du kennen. Dann kannst du den ersten Einsätzen im OP getrost entgegensehen und dich auf die faszinierenden Seiten der Chirurgie konzentrieren.
Erfolgreich Medizin studieren!
Mit via medici.

Egal ob Human- oder Zahnmedizin, Modell- oder Regelstudiengang – via medici ist dein perfekter Lernpartner im Studium.
Es erwarten dich:
- Volle Prüfungssicherheit
- Strukturiert statt überwältigt
- Zugriff auf viele Thieme Bücher
Verwandlung in Grün
Auf dem Weg in den OP lässt du das Schild mit der Aufschrift „Zutritt für Unbefugte verboten“ links liegen und betrittst die Umkleideschleuse. Die Schleuse ist – meistens durch einen roten Strich auf dem Boden - in zwei Bereiche unterteilt: ein „unreiner“ Bereich und ein „reiner“ Bereich. Du betrittst die Umkleide im „unreinen“ Bereich und ziehst dort deine Schuhe, Stationskleidung und jeglichen Schmuck aus. Versteht sich von selbst, dass auch Festivalarmbänder und sonstige nicht abnehmbare Armbänder nicht in den OP gehören. Nur in Unterwäsche bekleidet ist es dir erlaubt in den „reinen“ Bereich überzutreten. Dort liegt die meist grüne OP-Bereichskleidung in allen Größen auf dich. Dazu gehören: Hose, Kasack, OP-Schuhe, OP-Haube und Mundschutz. Zuerst ziehst du das Oberteil, die Hose und die Schuhe an. Vorschriftsgemäß kannst du den Kasack in die Hose stecken und die Ärmel bis zur Schulter hochkrempeln, damit du dich beim Einwaschen später nicht wieder unsteril machst. Auch lange Haare sollten später nicht nach vorne übers Gesicht hängen und eventuell ins OP-Gebiet fallen. Deshalb gehören sie nach hinten hochgesteckt und unter die Haube. Dasselbe gilt für Barthaare. Es gibt verschiedene Hauben je nach Haarfülle. Am Ende legst du dir noch den Mundschutz an. Passe dazu den Nasenbügel deiner Gesichtsform an. Dann bindest du die beiden oberen, dann die beiden unteren Zügel hinter deinem Kopf zusammen – so dass der Mundschutz nicht plötzlich herunterrutschen kann. Für Brillenträger*innen gibt es meistens einen extra Mundschutz, der verhindert, dass die Brille beschlägt.
Im OP-Bereich
Perfekt wäre es, wenn du den OP-Bereich mit einem/r OP-Bereichkenner*in betrittst. Das kann dein/e Famulaturkolleg*in sein oder viel besser: dein/e Stationsarzt/Stationsärztin, die leitende Operations-technische Assistenz (OTA) oder der/die zuständige Oberarzt/Oberärztin. Lass dir die Räumlichkeiten zeigen! So kannst du dich in der ungewohnten Umgebung besser orientieren. Wo liegen die OP-Säle, wo die Einleiträume, wo der Aufenthaltsraum? Bist du zu einer bestimmten OP eingeteilt, kannst du dir dann den OP-Saal suchen und durch den Waschraum eintreten. Egal, ob du mitten in eine OP hereinplatzt oder die OTA's gerade am Aufbauen sind: Stell dich vor! Nenne wer du bist, was du machst und von welcher Station du kommst. Es ist für alle super wichtig, zu wissen, wer sich im OP-Saal aufhält und welche Funktion wer ausübt. Nicht umsonst wird das im Time-Out (dazu später mehr) extra noch einmal abgehakt. Wo man dann schon mal etwas gesagt hat, kann man auch direkt fragen, ob man sich irgendwie nützlich machen kann. Oft wirst du zum Beispiel für das Lagern der Patient*innen gebraucht. Endlich kommt dann der/die Oberarzt/Oberärztin in den Saal. Erkennt er/sie dich nicht, gehe ruhig auf ihn/sie zu und frage ihn/sie, ob du ihm/ihr am Tisch assistieren darfst. Wahrscheinlich bejaht er/sie deine Frage und sagt: „Dann waschen Sie sich schon mal! Sie können mir bei der Sprunggelenkfraktur assistieren!“. Und schon ist er/sie hinter der nächsten Ecke verschwunden. Wenn dir das Wort „Waschen“ im Zusammenhang mit einer OP in diesem Augenblick überhaupt nichts sagt und du dich schon fragst, ob du dich jetzt unter eine Dusche stellen sollst, wende dich am besten schnell an deine/n OP-Begleiter*in. Er/Sie wird dir erklären, wie man sich für eine Operation richtig „wäscht“. Außerdem wird er/sie dir sagen, ob bei der OP mit einem Röntgen-Durchleuchter gearbeitet wird. Dann musst du nämlich schon vor dem Waschen eine Röntgen-Schürze anziehen. Gehe nun also zurück in den Waschraum und bereite dich auf das Waschen vor.
Chirurgisches „Waschen“
Vor Beginn des Waschens achte noch einmal darauf, dass deine Kleidung dir während des kommenden Prozedere nicht im Weg sein wird. Kratze dich nochmal an der Nase, stecke jede kleinste Strähne unter die Haube, rücke deine Brille zurecht und Krempel dir die Arme hoch. All das wirst du die folgende Zeit erst einmal nicht mehr machen dürfen. Dann kann es los gehen! Die chirurgische Händedesinfektion beginnst du, indem du deine Hände und Unterarme mit nach oben gerichteten Fingerspitzen und tief liegendem Ellenbögen mit einem Handwaschpräparat wäschst. Früher wurden gerne Nagelbürsten benutzt. Dies ist heutzutage nur bei großen Verschmutzungen unter den Nägeln nötig und wird heute sogar durch Abschürfen von Hautresten als Infektionsquelle gesehen. Spätestens hier merkst du, dass kurz geschnittene Fingernägel von Vorteil sind. Das Waschen ist notwendig, um die Sporenlast an deinen Händen zu reduzieren. Zwischen dem sorgfältigen Abtrocknen und der folgenden Desinfektion sollten 10 Minuten liegen, damit die Wirksamkeit des Alkohols im Desinfektionsmittel durch Verdünnung mit der Restfeuchte auf deinen Armen nicht gemindert wird. Die Seifenwaschung ist aus diesem Grund auch nicht mehr Bestandteil jeder chirurgischen Händedesinfektion. Im weiteren Tagesablauf müssen die Hände nur bei Verschmutzung und nach dem du auf Toilette warst nochmal mit Seife gewaschen werden.
Auf die Waschung folgt das chirurgische Desinfizieren. Hier befeuchtest du deine Hände und Arme bis weit über den Ellenbogen mit Desinfektionsmittel. Gebe dazu reichlich Desinfektionsmittel in die geöffnete Hohlhand und verteile die Flüssigkeit gleichmäßig über beide Oberarme, Ellenbogen, Unterarme und Hände. Da deine Hände jetzt so wenig Kontakt mit unsterilen Gegenständen wie möglich haben sollten, drückst du nicht mit den Händen, sondern mit einem Ellenbogen auf den Desinfektionsspender. Welches Mittel deine Haut am besten verträgt, musst du einfach ausprobieren – irgendwann hat jede/r Chirurg*in „seines“ gefunden. Beachte dabei, dass verschiedene Desinfektionsmittel im OP möglicherweise unterschiedlich lang einwirken müssen, um eine chirurgische Keimfreiheit zu erreichen.
Nehme dir für folgende Areale jeweils eine Minute Zeit: unterer Oberarm und Ellenbogen, Unterarm und Hand. In der Minute wechselst du immer zwischen den beiden Seiten und sorgst dafür, dass die Region sowie alle danach genannten immer mit Desinfektionsmittel benetzt sind. Während der Desinfektion ist es wichtig, dass sich deine Hände immer über der Höhe deiner Ellenbögen befinden, damit kein Desinfektionsmittel von unsterilen Arealen auf die Hände laufen kann. Außerdem kommt es dir jetzt zugute, dass du deine Ärmel hochgekrempelt und deinen Kasack in deine Hose gesteckt hast, denn deine Arme dürfen auf keinen Fall Teile deiner Kleidung, andere Gegenstände oder vorbeilaufende Menschen berühren. Nach den drei Minuten würde ich die Hände an der Luft trocknen lassen. Das erhöht nicht nur die Wirksamkeit der alkoholischen Händedesinfektion, sondern wird dir auch erleichtern in die OP-Handschuhe zu gelangen.
Den OP-Saal betreten und Anziehen
Mit Händen auf Brusthöhe und Ellenbogen fern vom Körper kannst du nun den OP Saal betreten. Weise Leute darauf hin, dass du eingewaschen bist, wenn sie sich dir nähern und dich nicht wahrnehmen. Dein Blick sollte nun Richtung steriler OTA gehen, da sie dir deinen Kittel anreicht. Manchmal muss diese aber noch die Instrumente fertig richten oder erst dem Oberarzt den OP-Kittel anziehen, bevor sie sich dir widmen kann. Vergiss deshalb nicht in der beschriebenen Position zu verharren. Auch, wenn deine Armmuskeln schon schmerzen: die Hände bleiben auf Brusthöhe! Achte auch peinlich darauf, dass du den bereits gerichteten, sterilen OP-Tischen und Abdeckungen nicht zu nahekommst. Eine Berührung mit dem Zipfel deiner grünen Bereichskleidung reicht aus, um etwas unsteril zu machen.
Gibt dir die OTA das Signal zum Start, trittst du vor sie hin. Sie hält dir den OP-Kittel auf, sodass du mit den Armen hineinschlüpfen und die Hände in die Ärmel schieben kannst.
Von hinten geht dir eine zweite, nicht steril gekleidete OP-Pflegekraft – der so genannte Springer - „an den Kragen“. Er/Sie verschließt deinen Kittel am Hals und auf Beckenhöhe.
Gleichzeitig zieht dir die sterile OTA deine Handschuhe an. Selbst, wenn du in der Hektik falsch in den Handschuh rein schlüpfst, hüte dich davor, ihn sofort richten zu wollen. Lasse dir erst in den zweiten helfen. Jetzt sind deine Hände steril und du kannst dir die Handschuhe zurecht richten.
Schaust du an deinem sterilen Kittel nach unten, siehst du eine Pappe, an der zwei Schlaufen hängen. Mit den sterilen Handschuhen löst du nun die linke Schlaufe aus der Pappe heraus, hältst diese fest und gibst dann die Pappe mit der nun schlaufenlosen, meist weißen Seite dem Springer. Dieser gibt dir ein Zeichen, dass du dich langsam um die eigene Achse drehen sollst, während er die Pappe festhält. Dabei darfst du mit dem Kittel selbstverständlich keine unsterilen Gegenstände berühren. Wieder angekommen, reißt du sanft die noch befestigte Schlaufe aus der Pappe, die vom Springer festgehalten wird und bindest sie mit der Schlaufe, die du schon beim Drehen festgehalten hast zusammen. Die Schleife kannst du ein wenig unter den Knoten stecken, damit sie nicht absteht und versehentlich unsteriles streift. Das klingt jetzt super kompliziert, aber wenn du das einmal gemacht hast, erschließt sich das Verfahren von selbst.
Sobald der Kittel verschlossen ist, legst du die Hände wieder verschränkt und auf Brusthöhe, diesmal aber möglichst nah am Körper ab.
Halte zu unsterilen Bereichen einen Sicherheitsabstand. Sollte der/die Patient*in und OP-Bereich schon steril abgedeckt sein, kann ich dir empfehlen, bereits an den Tisch heranzutreten und deine Hände auf dem sterilen Bereich abzulegen.
Tabuzonen
Anfangs fragst du am besten den/die Operateur*in, wo du dich platzieren sollst. Fehlt es dir im Vergleich zum restlichen OP-Team an Körpergröße, kannst du dir vom Springer noch ein kleines Podest an den Tisch stellen lassen. Während des Eingriffs stehst du möglichst dicht am OP-Tisch, damit du nicht versehentlich rücklings unsterile Apparaturen berührst. Denn im OP stehen oft viele Geräte um den Tisch herum – von Infusionsständern über Generatoren für die Elektrochirurgie bis hin zum C-Bogen, dem mobilen Röntgengerät. Aber es gibt auch nach vorne Tabuzonen. Wenn deine Hände gerade nichts zu tun haben, sollten sie immer in dem Areal zwischen deiner Brust und deinem Bauchnabel am besten auf dem OP-Tisch bleiben. Zur Sicherheit gelten die Bereiche unterhalb der Hüfte und oberhalb der Schulter sowie die Achseln und der Rücken als nur eingeschränkt steril. Wenn du dort mal zufällig hin fasst, bitte um neue Handschuhe. Selbiges gilt zum Beispiel, wenn du die OP-Leuchte verstellen willst und versehentlich die OP-Haube deines/r Nachbar*in berührst. Sei lieber zu vorsichtig, als dass du in so einem Fall nichts sagst. Es geht um das Leben des/r Patient*in.
Die OP
Bevor der erste Hautschnitt gesetzt wird, erfolgt das Team-Time-Out. Hierbei liest meistens der Springer eine Checkliste laut vor und hakt verschiedene Punkte ab. So wird sicher gestellt, dass sich alle Mitglieder mit Namen und Funktion vorgestellt haben (es kann sein, dass du das in diesem Rahmen auch nochmal machen darfst) und die Identität des/r Patient*in, Eingriffsort/-art und korrekte Lagerung von allen bestätigt ist. Weiterhin definieren die Operateur*innen die entscheidenden und möglich kritischen Schritte der OP, OP-Zeit und den zu erwartenden Blutverlust. Die Anästhesist*innen gehen auf mögliche Probleme ein, die Pflege erörtert, wenn nötig, Funktionsweisen spezieller Geräte. Nun kann der erste Hautschnitt gesetzt werden. Das Subkutangewebe wird durchtrennt und schon kommst du ins Spiel. Meist sagt der/die Operateur*in so etwas wie „Das mal halten!“ und drückt dir Haken in die Hände. Keine Angst! Wenn du noch nie Haken gehalten hast, zeigt er dir wie es geht. Im Endeffekt ist die Kunst des Haken Haltens den Haken in genau der angegeben Position zu halten und wenn nötig für die nächsten Stunden so zu verharren.
Du darfst diese Aufgabe aber auch nicht unterschätzen! Mit den Haken ermöglichst du dem/r Chirurg*in eine gute Sicht auf das OP-Gebiet – eine der Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Eingriff! Versuche, dich in den/die Operateur*in hineinzuversetzen. Dann verstehst du auch schnell, was er/sie von dir erwartet, wenn du deine Hakenhaltung korrigieren musst. Einer der häufigsten Befehle ist „Spitze betonen!“. Hörst du diese Worte, solltest du den Druck auf die Hakenspitze, die in die OP-Wunde hineinragt, verstärken, ohne dabei am Haken noch kräftiger zu ziehen. So sieht der/die Operateur*in besser auf tiefer gelegene Strukturen, was vor allem bei viszeral chirurgischen Eingriffen wichtig ist. Grundsätzlich gilt, dass Wundhaken am besten per „Untergriff“ gefasst werden. So sparst du Kraft, und deine Hände und Arme ragen möglichst wenig ins Gesichtsfeld des/r Operateur/in.
Vergiss vor lauter Konzentration nicht, dass du etwas lernen möchtest. Nutze deine Zeit, beobachte den OP-Verlauf und stelle Fragen! Die meisten Chirurg*innen erklären gerne, wenn man etwas nicht versteht. Wenn’s gerade nicht so geschickt ist, kriegst du das schon gesagt. Nehme es dann nicht persönlich und probiere es einfach später nochmals, wenn die OP wieder in ruhigerem Fahrwasser ist.
Wenn der/die Chirurg*in fühlt, dass du geistig bei der Sache bist und Anteil nimmst, lässt er/sie dich eher mal eine Hautnaht oder andere „Nicht-Haken-Jobs“ machen. Wenn du völlig abschaltest, reduzierst du dich selbst auf die Rolle eines bloßen Haken-Halters.
Vegetative Turbulenzen
Angenommen die OP schreitet fort, und plötzlich macht sich in deinem Oberbauch ein flaues Gefühl breit. Es flimmert vor deinen Augen und deine Beine beginnen zu zittern. Dann ignoriere dies bitte nicht! Das sind Warnzeichen einer Kreislaufdysregulation! Lege in solchen Situationen keinen falschen Stolz an den Tag. Melde deine Probleme und trete vom Tisch ab, bevor du kollabierst, ins OP-Gebiet stürzt und alles unsteril machst. Es ist keine Schande, wenn der Kreislauf schlapp macht. Vielen Chirurg*innen ist in jungen Jahren schon selbst Ähnliches widerfahren. Ihre Tipps sind: Konzentration, nahrhaftes Frühstück am Morgen, Zehengymnastik und Stützstrümpfe. Für die Pausen zwischen den OPs kannst du ein Vesper und ein Getränk im Aufenthaltsraum deponieren.
Und was tut man, wenn man während einer Operation plötzlich ein menschliches Bedürfnis spürt? Oft kann man diesen Drang bis zum Ende der OP unterdrücken. Wenn die Speicherkapazitäten deiner Blase aber tatsächlich an ihre Grenzen geraten, kannst du den Operateur bitten, kurz abtreten zu dürfen. Dies ist dann meist innerhalb kurzer Zeit möglich. Der/die Chirurg*in entscheidet dann jedoch , ob er ganz auf deine Hilfe verzichten kann, oder ob du auf eine Ablösung warten musst. Möchtest du nach dem Toilettengang wieder in den OP-Trakt zurückkehren, musst du in der Umkleide frische Bereichskleidung anziehen und dich wie oben erwähnt einwaschen und erneut eine chirurgische Händedesinfektion durchführen.
Das Ende der OP
Ist die Hautnaht vollendet, ist die OP beendet. Nun musst du nicht mehr steril sein und kannst den Kittel ausziehen. Um Hautkontakt zur „dreckigen“ Außenseite des Kittels zu vermeiden, empfiehlt es sich zuerst die Schleife an der Seite zu lösen (oder zerreißen), den Kittel dann auf oberer Brusthöhe mit beiden Händen anzufassen und nach vorne zu ziehen. Um auch die Handschuhe direkt wegwerfen zu können, kannst du auf der Kittelinnenseite nach ihnen greifen und sie in einem Paket mit dem Kittel in den Müllsack stopfen.
Auch jetzt kannst du wieder fragen, ob deine Hilfe benötigt wird. Ziehe dir Einmalhandschuhe an und hilf den Patient*innen auf den Transport in den Aufwachraum vorzubereiten. Erst, wenn all das erledigt ist und auch die OTA deine Hilfe nicht mehr benötigen, kannst du dich bedanken und den OP-Saal verlassen.
Zeit für einen Snack im Aufenthaltsraum! Sitzt der/die Operateur*in mit im Raum, kannst du noch die Fragen stellen, zu denen du vorher nicht gekommen bist. Dann geht’s weiter, denn der/die nächste Patient*in ist schon im Einleitraum: Vorstellen, Lagern, Waschen, Einkleiden, Haken halten... aber das kennst du jetzt ja alles schon. Schließlich bist du ja nicht (mehr) das erste Mal im OP!
Die wichtigsten Tipps zusammengefasst
Fünf goldene OP-Regeln:
- Keine Chance dem Kollaps
Morgens gut frühstücken
Nimm Verpflegung mit in die Klinik
Mache Fußgymnastik am Tisch
Wenn du merkst, du bekommst Kreislaufprobleme, dann sage es deinen Kolleginnen und Kollegen rechtzeitig. - Abstand halten!
Solange du nicht steril gewaschen und eingekleidet bist, solltest du sterilen Tischen und Abdeckungen nicht näher als einen halben Meter kommen. - Auf eigene Sterilität achten
Wenn du steril angezogen bist, halte deine Hände immer zwischen Brust und Bauchnabel. Nicht am Kopf kratzen oder den Mundschutz verschieben. - Haken mit Untergriff halten
Der Untergriff beim Hakenhalten hat sich bewährt, da er Kraft spart und dem Operateur/der Operateurin eine bessere Sicht bietet. - Cool bleiben wenn mal was schief läuft
Jeder macht mal einen Fehler. Begreife jeden Fehler als Chance, es das nächste Mal besser zu machen.
Bevor du den OP betreten darfst, musst du dich in der unreinen Umkleideschleuse vollständig umziehen. Dazu gehört, dass du alle privaten Kleidungsstücke sowie Schmuck ablegst. Im reinen Bereich ziehst du die vorgeschriebene OP-Kleidung an: Kasack, Hose, OP-Schuhe, Haube und Mundschutz. Achte darauf, dass lange Haare und gegebenenfalls ein Bart vollständig unter der Haube verschwinden. Der Mundschutz muss korrekt sitzen und festgebunden werden – für Brillenträger gibt es spezielle Modelle, die das Beschlagen der Brille verhindern. Diese Vorbereitung dient nicht nur der Hygiene, sondern auch deiner Sicherheit und der des Patienten.
Das chirurgische Waschen ist ein zentraler Bestandteil der OP-Vorbereitung. Zunächst werden Hände und Unterarme gründlich mit Wasser und Seife gereinigt, bei Bedarf auch mit einer Nagelbürste. Danach folgt die Händedesinfektion mit einem alkoholischen Mittel, wobei du darauf achten musst, dass deine Hände stets über Ellenbogenhöhe gehalten werden, um eine Rückkontamination zu vermeiden. Nach dem Trocknen ziehst du mit Hilfe der OP-Pflegekräfte den sterilen OP-Kittel und die Handschuhe an. Dabei ist es wichtig, dass du keine unsterilen Gegenstände berührst – sonst musst du den Vorgang wiederholen.
Wenn du während einer Operation Kreislaufprobleme bekommst, etwa Schwindel oder Zittern, solltest du das keinesfalls ignorieren. Trete rechtzeitig vom OP-Tisch zurück und informiere das Team, damit du dich erholen kannst. Auch bei Toilettendrang musst du den OP verlassen. Nach deiner Rückkehr ist ein erneutes Umkleiden und Einwaschen erforderlich, um die Sterilität zu gewährleisten. Um solchen Situationen vorzubeugen, empfiehlt es sich, vor dem OP-Einsatz gut zu frühstücken, regelmäßig Zehengymnastik zu machen, eventuell Stützstrümpfe zu tragen und in den Pausen kleine Snacks zu sich zu nehmen. So kannst du deinen Kreislauf stabil halten und konzentriert arbeiten.