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Krankheitsbilder

Kein Appetit: Ein verkanntes Problem bei Tumorpatient*innen

Redaktion via medici

80 % der Krebspatient*innen mit weit fortgeschrittener Erkrankung leiden an Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Das Anorexie-Kachexie-Syndrom – wie es in der Fachsprache heißt – wirkt sich auf die Lebensqualität, auf den Erfolg der Tumortherapie und auf die Überlebenschancen der Betroffenen aus.

Mann mit freiem Oberkörper hat Anorexie.
© Africa Studio/stock.adobe.com - Stock photo.

Schweigen über Appetitverlust

Viele Patient*innen sprechen nicht – anders als bei Belastungen durch Schmerzen oder Atemnot – über ihren verminderten Appetit und dem damit einhergehenden Verlust an Körpergewicht. Dabei zeigen neuere Studien, dass Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust zu den häufigsten Symptomen bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen gehören. Internationale Leitlinien (z. B. ESMO 2023) betonen die Bedeutung einer frühzeitigen Erfassung und interdisziplinären Behandlung des Syndroms.

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Auswirkungen auf Lebensqualität und Krankheitsverlauf

Wichtig sei für jedes Behandlungsteam daher, die Problematik zu erkennen und herauszufinden, ob die Patientin oder der Patient in seinen täglichen Verrichtungen – beispielsweise beim Waschen, Anziehen oder Einkaufen – eingeschränkt ist. Das Aufstellen einer "Prioritätenliste" mit den aus Sicht der oder des Betroffenen am dringendsten zu realisierenden Zielen trage dazu bei, die Lebensqualität zu verbessern. Denn viele Krebsleidende interpretieren ihren mangelnden Appetit als Vorbote des "nahenden Todes". Dies führe wiederum zu existenziellen Belastungen und wirke sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus, erläutern die Schweizer Mediziner. Daher wird zusätzlich empfohlen, psychoonkologische Unterstützung frühzeitig einzubeziehen, um die Angst vor Appetitverlust und Gewichtsabnahme zu reduzieren.

Ursachen und Therapieansätze

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Vorrangig werde das Anorexie-Kachexie-Syndrom durch den Tumor verursacht. Viele Ursachen, die als Folge des Krebsleidens oder einer Chemotherapie aufträten, könnten allerdings durch einfache Behandlungsmaßnahmen korrigiert werden, betonen die Palliativmediziner*innen vom Kantonsspital St. Gallen. Die Therapiemodelle, die ihrer Meinung nach die Appetitlosigkeit verbesserten, seien auf verschiedenen Ebenen zu suchen: Zum einen helfe den Betroffenen oft mehr körperliche Aktivität und eine intensive Ernährungsberatung. Zum anderen könnten darüber hinaus psychosoziale Beratungen und individuelle medikamentöse Behandlungen helfen. Ergänzend wird der Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten (z. B. Kortikosteroide), Progestagenen oder neueren Substanzen wie Cannabinoiden diskutiert. Auch multimodale Therapieansätze – Kombination aus Ernährung, Bewegung, Medikation und psychosozialer Betreuung – gelten als besonders wirksam.

Praktische Maßnahmen im Alltag

Bei Patient*innen, die beispielsweise auf Grund starker Schmerzen keinen Appetit hätten, könnte eine Erhöhung der Schmerzmedikation oder der Gebrauch von Morphin als Notfallmittel die Schmerzen erträglich machen und den Appetit verbessern. Eine andere Möglichkeit stellten zum Beispiel über den Tag verteilte kleinere Zwischenmahlzeiten, eine proteinreiche Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel dar, um einen weiteren Gewichtsverlust zu verhindern. Moderne Ernährungskonzepte setzen verstärkt auf hochkalorische Trinknahrung, Omega‑3‑Fettsäuren und individualisierte Ernährungspläne. Digitale Tools wie Ernährungs-Apps oder Telemedizin-Sprechstunden unterstützen Patient*innen zusätzlich bei der Umsetzung.

Häufige Fragen und Antworten

Es handelt sich um eine Kombination aus Appetitlosigkeit und ungewolltem Gewichtsverlust, die bei bis zu 80 % der Patient*innen mit fortgeschrittener Tumorerkrankung auftritt und die Lebensqualität sowie den Therapieerfolg deutlich beeinträchtigt.

Neben Ernährungsberatung und körperlicher Aktivität kommen psychosoziale Unterstützung, Schmerztherapie, hochkalorische Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel sowie medikamentöse Ansätze wie Progestagene, Kortikosteroide oder Cannabinoide zum Einsatz.

Viele Betroffene sprechen nicht über Appetitverlust. Eine frühzeitige Erfassung durch das Behandlungsteam und die Erstellung individueller Prioritätenlisten verbessern die Lebensqualität und können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

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