Cimikose: Bettwanzenbefall
Bettwanzen sind blutsaugende Ektoparasiten. Als Kosmopoliten und Zivilisationsfolger haben sich die Insekten perfekt an die menschliche Lebensweise angepasst. Zwar übertragen sie keine Krankheiten, ein Befall ist aber durch die Auslösung heftiger Hautreaktionen äußerst lästig. Seit der Jahrtausendwende häufen sich Ausbruchsmeldungen weltweit – insbesondere in den Metropolregionen. Gefährdet sind insbesondere Reisende, wobei die Gefahr der Verschleppung als „blinde Passagiere“ über das Reisegepäck besteht. Für den nachhaltigen Therapieerfolg sind professionelle Entwesungsmaßnahmen essenziell.

Entomologie
Die Gemeine Bettwanze („Hauswanze“, engl. bed bug) Cimex lectularis – in tropischen Regionen auch C. hemipterus bzw. C. rotundatus – ist ein abgeplattetes („Tapetenflunder“), sechsbeiniges, rot-braunes, blutsaugendes, flügelloses Insekt, das zur Familie der Plattwanzen (Cimicidae), Ordnung Hemiptera, gehört. Bettwanzen sind weltweit verbreitet (wahrscheinlich seit dem 17. Jh. in Europa etabliert) und kommen als Kosmopoliten und Zivilisationsfolger bevorzugt in bewohnten Innenräumen vor. Von den mehr als 100 beschriebenen Plattwanzenarten leben allerdings nur wenige direkt mit dem Menschen zusammen (Synanthropie).
Wie alle Insekten bestehen auch Plattwanzen (Cimicidae) aus drei Körperteilen: Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Mit Hilfe des Stechrüssels (Rostrum), der in Ruhe an der Kopf- und Vorderbrustunterseite anliegt, können die Tiere das bis zu 7-fache ihres Körpergewichtes an Blut aufnehmen. Eine verdaute Blutmahlzeit ist hier im Abdomen als schwarzes Pigment sichtbar.
Die nachtaktiven Bettwanzen sind ausgewachsen zwischen 4–9 mm groß und ähneln einem Apfelkern. Etwa alle 3–5 Tage wird ein Blutsaugakt vollzogen. Als temporär-permanente Ektoparasiten sind beide Geschlechter während ihrer fünf Larvenentwicklungsstadien auf regelmäßige Blutmahlzeiten angewiesen (obligate Hämatophagie). Dabei injizieren sie auch antikoagulierende, anästhesierende und hämolysierende Substanzen.
Im parasitischen Zyklus ist der Mensch der bevorzugte Hauptwirt von Bettwanzen; es können aber auch Haustiere, Fledermäuse und Vögel als Ausweichwirte dienen. In Hungerzeiten können die Wanzen relativ weit wandern. Die Weibchen legen während ihres Lebens mehrere hundert bedeckelte Eier (ca. 2–4 pro Tag) in Spalten und Ritzen, aus denen nach ca. 10 Tagen Larven schlüpfen. Die Entwicklungsdauer beträgt 6–8 Wochen.
Tagesüber verstecken sich die Tiere in dunklen Ecken und Spalten z.B. von Möbeln, Tapeten, Dielen, Matratzen, in Bilderrahmen, aber auch in Steckdosen, Schränken und in Koffern. Nachts werden sie von der Körperwärme und Körperausdünstungen (CO2) angelockt. In Hungerphasen verlieren Bettwanzen ihre Lichtscheu und werden tagaktiv.
Laborexperimentell können mehrmonatige Hungerperioden während einer mindestens 1-jährigen Lebensdauer problemlos überstanden werden.
Erfolgreich Medizin studieren!
Mit via medici.

Egal ob Human- oder Zahnmedizin, Modell- oder Regelstudiengang – via medici ist dein perfekter Lernpartner im Studium.
Es erwarten dich:
- Volle Prüfungssicherheit
- Strukturiert statt überwältigt
- Zugriff auf viele Thieme Bücher
Verbreitung
Bettwanzen verbreiten sich hauptsächlich passiv als „blinde Passagiere“ über befallene Gegenstände (z.B. Polstermöbel, Wäsche, Koffer). Seit der Jahrtausendwende nehmen mediale Berichte über massenhafte Ausbreitungen von Bettwanzen zu. Dabei stellt insbesondere Reisegepäck ein hochrelevantes „Vehikel“ dar. So kommt es gerade in Metropolregionen immer wieder zu größeren Ausbrüchen. Dabei sind neben Privathaushalten Orte mit hoher Personenfluktuation betroffen, z.B. Wohnheime, Hotels, Schiffe, aber auch Krankenhäuser. Im Rahmen eines rezenten Häufungsgeschehens in Paris berichteten verschiedene Medien über einen Bettwanzenbefall auch von Zügen und Kinos. Aufgrund fehlender Meldepflichten gibt es kaum zuverlässige epidemiologische Daten – und „Häufungsmeldungen“ in den Medien unterliegen mutmaßlich einer deutlichen Verzerrung. Es kann angenommen werden, dass mit zunehmender Mobilität auch die Zahl der Häufungsgeschehen ansteigt.
Befallsindikatoren
Einen Bettwanzenbefall erkennt man aufgrund der versteckten (nachtaktiven) Lebensweise und der wenigen Minuten dauernden Saugaktivität meist nur indirekt anhand punktförmiger braun-schwarzer Kotspuren auf dem Bettlaken und an den Tapeten sowie an herumliegenden Häutungshüllen – in Kombination mit unspezifischen Bissspuren und assoziierten Hautreaktionen. Die Stiche selbst werden in der Regel nicht unmittelbar bemerkt.
Verwanzte Räume haben oft einen unangenehm-süßlichen „korianderartigen“ (griech. koris = Wanze) Geruch, der sich nach dem Abklopfen von Matratzen oder Polstermöbel verstärkt (Abwehrsekrete aus Stinkdrüsen). Die Insekten können ggf. auch nach Entfernung von Leisten und bei Inspektion von Ritzen und Spalten gesichtet werden. Fachkundiges Personal (z.B. zertifizierte Schädlingsbekämpfer) sollte den Befall bestätigen. Manchmal werden speziell ausgebildete Spürhunde eingesetzt , um versteckte Wanzennester aufzuspüren.
Klinik
Bettwanzenstiche sind aufgrund z.T. heftiger kutaner Stichreaktionen mit Juckreiz, Hämorrhagien und Quaddelbildung (Cimikose) lästig, aber in aller Regel harmlos. Viele Menschen reagieren erst nach einer Sensibilisierung auf Speichelantigene nach mehrmaligen Wanzenstichen nach einigen Tagen mit entsprechenden Hautreaktionen. Diese sind aufgrund der „Probierstiche“ meist gruppiert oder linear angeordnet („Wanzenstraßen“), können aber auch singulär auftreten, wenn bereits initial ein Blutgefäß getroffen wurde. Es werden sowohl bedeckte als auch (bevorzugt) unbedeckte Hautareale erreicht. Bei Kindern können Gesicht und Augenlider betroffen sein. Ein sicherer Rückschluss auf Bettwanzen ist allerdings allein anhand der Hauterscheinungen nicht möglich. Sehr selten kann es komplikativ zu fieberhaften Reaktionen, bullösen Hauterscheinungen, Lymphadenitiden oder Anaphylaxien kommen.
Betroffene Personen empfinden den Parasitenbefall meist als psychisch sehr belastend. Nach Manipulation an den Stichwunden durch Kratzen kann es gelegentlich zu behandlungsbedürftigen bakteriellen Superinfektionen kommen.
Obwohl mehr als 40 verschiedene humanpathogene Erreger (u.a. HIV, Hepatitis-B-Virus, Trypanosoma cruzi, Coxiella burnetii) in Bettwanzen nachgewiesen werden konnten, gibt es bisher keinen Anhalt für ein relevantes humanpathogenes Vektorpotenzial – im Gegensatz zu den verwandten südamerikanischen Raubwanzen, die bekanntermaßen Trypanosomen als Erreger der Chagas-Krankheit übertragen.
Differenzialdiagnosen
Stiche und Stichreaktionen kommen bei vielen Epizoonosen vor. Insgesamt führen Wanzenstiche aber meist zu ausgeprägteren Hautreaktionen als bei anderen Insektenstichen. Verwechslungsmöglichkeiten ergeben sich u.U. auch bei allergischen Reaktionen (z.B. allergische Urtikaria), Windpocken oder Prurigo simplex subacuta.
Therapie und Entwesung
Stichreaktionen können mittels Kühlung gelindert werden. Bei starkem Juckreiz und ausgeprägten Entzündungsreaktionen können lokale Antihistaminika, Lokalanästhetika, Zink-Schüttelmixturen oder topische Kortikosteroide eingesetzt werden. Lokalisierte Superinfektionen sollten bevorzugt antiseptisch (eskalativ antibiotisch) behandelt werden. Bei starkem Juckreiz empfiehlt sich die Einnahme von oralen Antihistaminika. Unkomplizierte Wanzenstiche verheilen selbstständig innerhalb von 1–2 Wochen.
Für einen nachhaltigen Therapieerfolg ist die Sanierung des Wohnumfeldes essenziell. Die Bekämpfung eines Bettwanzenbefalls in der Wohnung ist allerdings eine Herausforderung. Es sollte immer ein professioneller Schädlingsbekämpfer („Kammerjäger“) mit der Entwesung beauftragt werden. Als Kontaktinsektizide kommen meist Pyrethroide, Carbamate und Pyrrole zum Einsatz – z.T. in Kombination mit der Wärmeentwesung (>55°C). Nicht selten ist es erforderlich, die Entwesungsmaßnahmen zu wiederholen. Problematisch sind zunehmende Insektizidresistenzen.
Prävention
Insbesondere auf Reisen sollten fremde Zimmer zumindest überblicksartig auf verdächtige Wanzenspuren wie Kot und herumliegende Häutungshüllen inspiziert werden. Auch kann der charakteristische süßliche Geruch der Bettwanzen bereits hinweisend sein. Bei vermutetem oder offensichtlichem Befall sollte sofort das Hotelzimmer oder ggf. das Hotel gewechselt werden. Ein insektizid-imprägniertes Rundum-Moskitonetz mit dichter Unterlage bietet einen gewissen Schutz vor Wanzenstichen. Koffer und Taschen sollten samt Wäsche und Utensilien nur geschlossen in Zimmern gelagert werden und nicht auf Betten oder Polstermöbel abgestellt werden. Verschließbare Plastiktüten sowie das Aufhängen von Wäsche an einer dünnen Wäscheleine können Infestationen verhindern. Als Faustregel gilt, dass die Lagerung des Koffers samt Inhalt im Badezimmer (z.B. in der Badewanne) sicherer ist als die Lagerung in Schlaf- oder Wohnräumen.
Nach der Rückkehr sollte das Gepäck am besten außerhalb der Wohnung (alternativ in der Badewanne) ausgepackt und stückweise inspiziert werden. Wäsche sollte nur verpackt innerhalb des Hauses transportiert werden. Unmittelbares Wäschewaschen (>60°C) bzw. Behandlung im Wäschetrockner oder mittels Heißdampf tötet die Parasiten ab. Die oft propagierte mehrtägige Lagerung bei –18°C oder bei >55°C in verschlossenen Plastiksäcken erscheint nicht sehr praxistauglich. Auch der Kauf gebrauchter Möbel und Matratzen stellt ein potenzielles Risiko dar.
Ein Befall zeigt sich meist indirekt: typischerweise durch kleine braun‑schwarze Kotspuren auf Bettwäsche oder Tapeten, Häutungshüllen und gruppierte oder lineare Stichreaktionen („Wanzenstraßen“). Die Tiere selbst sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber in Ritzen, Möbeln oder Matratzen. Ein süßlich‑korianderartiger Geruch kann zusätzlich hinweisend sein.
Bettwanzenstiche sind unangenehm, aber in der Regel harmlos. Sie führen häufig zu starkem Juckreiz, Quaddeln oder kleinen Blutungen. Sehr selten treten Komplikationen wie bullöse Reaktionen, Lymphadenitiden oder allergische Reaktionen auf. Eine Übertragung relevanter Krankheitserreger auf den Menschen ist bisher nicht belegt.
Für eine erfolgreiche Entwesung sollte immer ein professioneller Schädlingsbekämpfer beauftragt werden. Zum Einsatz kommen meist Kontaktinsektizide und Wärmebehandlungen über 55 °C. Oft sind mehrere Behandlungen nötig, da Bettwanzen resistent sein können. Parallel sollten alle Textilien heiß gewaschen oder getrocknet und potenzielle Verstecke gründlich gereinigt werden.