„Sie haben Metastasen“ – Überbringen schlechter Nachrichten in der Dermatologie
Beyza ist Assistenzärztin in der Dermatologie und hat kürzlich eine schwerkranke Patientin betreut. Dabei wurde ihr erneut bewusst, wie schwierig es ist, Betroffenen schlechte Nachrichten zu übermitteln. In diesem Artikel erläutert sie, was du beim Überbringen schlechter Nachrichten beachten solltest und gibt dir praktische Tipps zum üben an die Hand.

Ich habe erst vor kurzem eine junge Patientin mit malignem Melanom betreut. Innerhalb weniger Wochen hat sich ihr Zustand deutlich verschlechtert, und wir fanden schließlich eingeblutete Hirnmetastasen. Für die Patientin bedeutete das eine klare Verschlechterung ihrer Prognose – für mich die Aufgabe, diese Nachricht behutsam, aber ehrlich zu übermitteln.
Solche Situationen begegnen uns in der Dermatologie nicht jeden Tag, aber insbesondere im Bereich der Dermato-Onkologie kommt es immer wieder vor, dass wir schlechte Nachrichten überbringen müssen. Das mag für viele Medizinstudierende überraschend sein, weil man die Dermatologie oft zunächst mit chronischen, aber nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen verbindet. Doch das maligne Melanom zeigt eindrücklich, wie ernst und lebensbegrenzend dermatologische Erkrankungen sein können.
Dank moderner Therapien – Immuntherapien, zielgerichtete Therapien oder Kombinationstherapien – können wir heute vielen Patientinnen und Patienten deutlich mehr Lebenszeit und Lebensqualität ermöglichen. Trotzdem stoßen wir manchmal an Grenzen. Dann sind wir gefordert, Patientinnen oder Patienten und ihre Angehörigen ehrlich über die Situation aufzuklären.
Lernebene 1: Warum solche Gespräche so schwer sind
Schlechte Nachrichten sind für Betroffene lebensverändernd – und für uns Ärztinnen und Ärzte hoch belastend. Studien zeigen, dass gerade junge Mediziner*innen diese Gespräche als eine der größten Herausforderungen erleben (Rosenbaum et al., 2004). Viele fühlen sich unvorbereitet, da Kommunikation im Studium zwar theoretisch behandelt, aber selten praktisch trainiert wird.
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Lernebene 2: Struktur durch das SPIKES-Protokoll
Ein bewährtes Modell ist das SPIKES-Protokoll (Baile et al., 2000):
- Setting: Ruhige, geschützte Umgebung, ausreichend Zeit.
- Perception: Erfragen, was die Patientin oder der Patient bereits weiß oder vermutet.
- Invitation: Fragen, wie detailliert sie informiert werden möchte.
- Knowledge: Klare Worte, keine Fachbegriffe.
- Emotions: Gefühle wahrnehmen, benennen, aushalten.
- Strategy & Summary: Nächste Schritte erklären, Sicherheit geben.
Diese Struktur hilft, Unsicherheiten zu verringern und den Gesprächsverlauf für beide Seiten nachvollziehbarer zu machen.
Lernebene 3: Do’s & Don’ts beim Überbringen schlechter Nachrichten
Do’s
- Klare, einfache Sprache verwenden („Der Krebs hat sich weiter ausgebreitet“).
- Auf Körpersprache und Pausen achten – Stille zulassen.
- Gefühle benennen („Ich sehe, dass Sie das sehr belastet“).
- Unterstützung aktiv anbieten (Palliativteam, Psychoonkologie).
- Gesprächsinhalt am Ende zusammenfassen und nächste Schritte erklären.
Don’ts
- Kein Fachjargon ohne Erklärung („Tumorprogression“, „Therapieresistenz“).
- Keine falsche Hoffnung wecken („Alles wird gut“).
- Nicht ausschließlich über Fakten sprechen – Emotionen sind genauso wichtig.
- Keine vorschnellen Ratschläge geben („Sie müssen stark bleiben“).
- Gespräch nicht zwischen Tür und Angel führen.
Lernebene 4: Praktische Tipps aus der Erfahrung
- Hoffnung realistisch halten: Auch ohne Heilung kann man über Symptomkontrolle, Lebensqualität und Unterstützung sprechen.
- Interdisziplinär arbeiten: Psychoonkologie, Palliativmedizin und Pflege frühzeitig einbinden.
- Eigene Belastung reflektieren: Gespräche im Team nachbesprechen, Supervision nutzen, Selbstfürsorge ernst nehmen.
Lernebene 5: Was Studien zur Ausbildung zeigen
- Simulationen mit Schauspielpatient:innen steigern Sicherheit und Empathie (Rosenbaum et al., 2004).
- Wiederholtes Üben mit Feedback führt zu nachhaltigen Verbesserungen (Liénard et al., 2010).
- Kommunikationstrainings helfen nicht nur Patient:innen, sondern verringern auch Stress und emotionale Belastung bei Ärzt:innen (Klastersky et al., 2011).
Fazit
Auch in der Dermatologie müssen wir existenzielle Nachrichten überbringen – besonders bei Patientinnen und Patienten mit malignem Melanom. Trotz moderner Therapien stoßen wir manchmal an Grenzen. Dann sind es unsere Worte, unsere Haltung und unsere Empathie, die entscheidend sind.
Das Überbringen schlechter Nachrichten wird nie leichtfallen. Aber es ist erlernbar – und es macht einen wichtigen Unterschied für Betroffene und ihre Angehörigen.
Zum Lernmodul
Das Überbringen schlechter Nachrichten ist emotional belastend, weil es für Patientinnen und Patienten oft lebensverändernd ist. Viele junge Ärztinnen und Ärzte fühlen sich unvorbereitet, da Kommunikation im Studium meist theoretisch behandelt, aber selten praktisch trainiert wird. Solche Gespräche erfordern Empathie, klare Sprache und die Fähigkeit, mit starken Emotionen umzugehen.
Ein bewährtes Modell ist das SPIKES-Protokoll, das sechs Schritte umfasst:
- Setting: Ruhige Umgebung, ausreichend Zeit.
- Perception: Erfragen, was die Patientin oder der Patient bereits weiß.
- Invitation: Klären, wie detailliert informiert werden möchte.
- Knowledge: Klare, einfache Sprache ohne Fachbegriffe.
- Emotions: Gefühle wahrnehmen und benennen.
- Strategy & Summary: Nächste Schritte erklären und Sicherheit geben.
Dieses Modell reduziert Unsicherheiten und macht den Gesprächsverlauf nachvollziehbarer.
Do’s:
- Klare, einfache Sprache verwenden.
- Empathisch reagieren und Emotionen zulassen.
- Genügend Zeit einplanen und eine geschützte Atmosphäre schaffen.
Don’ts:
- Fachbegriffe oder beschönigende Umschreibungen nutzen.
- Gespräch unter Zeitdruck führen.
- Emotionen der Patientin oder des Patienten ignorieren.