Der hippokratische Eid
Der hippokratische Eid – jede*r hat davon schon einmal gehört und bringt ihn mit Ärzten und Ärztinnen in Verbindung. Aber was beinhaltet er - und schwören Ärzte und Ärztinnen wirklich darauf? Auch Medizinstudent*innen haben den kompletten Text selten tatsächlich gelesen.

Hippokrates - ein griechischer Arzt, der um 460 vor Chr. geboren wurde – und sein Eid sind der breiten Öffentlichkeit ein Begriff. Gern wird er erwähnt, wenn es um ethische oder wirtschaftliche Fragen in der Medizin geht. Gern wird darauf mahnend verwiesen als ein hohes Gut der Moral. Aber was besagt der Eid eigentlich wirklich, was steht drin in den etwas mehr als 300 Wörtern, die auf eine DinA4-Seite passen? Und ist das heutzutage eigentlich noch aktuell?
Wer schwört?
Was gar nicht mal so viele Menschen wissen: In Deutschland muss kein*e Medizinstudent*in oder Arzt/Ärztin diesen Eid ableisten.
Der hippokratische Eid für Ärzte und Ärztinnen orientiert sich heutzutage an einer modernen Fassung des Genfer Gelöbnisses und wurde von Ethikexperten des Weltärztebundes verabschiedet. Auf dieses Genfer Gelöbnis berufen sich Ärzte und Ärztinnen auf der ganzen Welt.
Jedenfalls lässt der originale hippokratische Eid viel Raum für Interpretationen, zudem muss man doch vieles im Kontext seiner Zeit sehen. Umstritten ist sogar, ob der Text überhaupt von Hippokrates selbst stammt; aber dies soll hier nicht thematisiert werden, auch nicht die besonders kunstvolle stilistische Form.
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Der hippokratische Eid im Detail
Der Eid beginnt mit dem Schwur - auf die griechischen Götter und Göttinen als Zeug*innen, namentlich genannt: Apollon (Sohn von Zeus), sein Sohn Asklepios (der mit dem Stab) und dessen Töchter Hygieia und Panakeia – allesamt die damaligen "Gesundheitsgottheiten".
Schon entsteht ein Dilemma, der griechische Götterglaube ist heutzutage selten geworden. Der christliche Glaube verbietet sogar, andere Götter und Göttinen anzubeten. Was machen Atheist*innen? Schwer also, überhaupt mit dem Eid zu beginnen.
Es geht um Geld
Darauf folgt ein Abschnitt, der weniger mit medizinischer Ethik sondern sehr viel mehr mit Geld zu tun hat. Der/Die Eidleistende verspricht, dass er/sie seinenIhre Lehrer*in gut versorgt, wie seine/ihre Eltern achtet und dessen Söhne/Töchter wie die eigenen Brüder/Schwestern zu behandeln. Praktisch also eine Renten- und Sozialversicherung. Weiterhin haben die Lehrersöhne Anspruch auf gebührenfreien Unterricht, womit also die Ausbildung der eigenen Nachkommen gesichert ist.
In die heutige Zeit übersetzt hieße das also: alle Professorensöhne (Frauen sind hier ja nicht erwähnt) bekommen einen freien Studienplatz und müssen dafür nicht mal Studienbeiträge bezahlen. Und zum Geburtstag müssen wir denen auch noch brüderliche Geschenke machen. Wollen wir darauf schwören?
Weiter verpflichtet uns der Eid, dass wir das Erlernte nur an Kolleg*innen oder Schüler*innen weiter geben, aber an sonst niemanden. Soviel zur modernen Patient*innenaufklärung.
Endlich Ethik
Danach beginnt der Eid endlich mit den medizinethischen Aspekten: Versprechen soll der Eidleistende, dass er/sie die Patient*innen treibende Bader, also Nicht-Ärzte und Nicht-Ärztinnen) überlassen. Es ist umstritten, ob damit die gesamte Chirurgie gemeint ist oder wirklich nur dieser sehr risikoreiche Eingriff. Vielleicht auch als Selbstschutz gemeint - dass man nur machen soll, was man kann oder Eingriffe mit ungewissem Erfolgsaussichten besser vermeiden sollte.
Gleichbehandlung
Außerdem solle der Eidleistende davon absehen, sexuellen Kontakt zu seinen Patient*innen zu haben, ausdrücklich sowohl freie Menschen als auch Sklav*innen. Wenn das die Autor*innen von Arztserien und -groschenromanen wüssten… Interessant ist aber hier der Grundsatz der Gleichbehandlung des/der Patient*in durch den Arzt oder die Ärztin.
Schweigepflicht
Als letztes Gebot wird die ärztliche Schweigepflicht genannt. Ohne Zweifel eine wichtige Säule in der Behandlung von Patient+innen, die also schon seit Jahrtausenden besteht.
Ende
Der Text endet mit Ruhm und Freude an Leben und Kunst für den Arzt oder die Ärztin, wenn er sich an alles hält, und verspricht das Gegenteil, sollte er den Eid brechen.
Hinweis: Für diesen Artikel wurden verschiedene Übersetzungen des hippokratischen Eids betrachtet, u.a. von Edelstein und von Lichtenthaeler.
Quellen:
- Steinmann: Hippokrates der Eid des Arztes, Insel Verlag, 1996
- Markel: On the Hippocrativ Oath, New Engl. J. Med. 2004 350
- diverse Internetseiten
Der hippokratische Eid ist ein ethisches Versprechen, das auf den griechischen Arzt Hippokrates zurückgeht. Er formuliert Grundsätze ärztlichen Handelns wie das Wohl der Patient*innen, Schweigepflicht und verantwortungsvolles Verhalten. Ursprünglich war er Teil der ärztlichen Ausbildung im antiken Griechenland.
Der ursprüngliche Wortlaut wird heute kaum noch verwendet, aber seine Grundprinzipien leben in modernen Berufsethiken weiter – etwa in der ärztlichen Berufsordnung oder der Genfer Deklaration. Viele Fakultäten nutzen symbolische Gelöbnisse, um Studierende auf ihre Verantwortung vorzubereiten.
Ja, z. B. die Genfer Deklaration des Weltärztebundes oder das Ärztliche Gelöbnis in Deutschland. Diese Texte greifen die ethischen Grundgedanken des hippokratischen Eids auf, formulieren sie aber zeitgemäß und berücksichtigen aktuelle Herausforderungen wie Patient*innenrechte, Teamarbeit und wissenschaftliche Verantwortung.